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01.08.2000

20:47 Uhr

Über elf Millionen Deutsche investieren direkt oder indirekt in Aktien

Aktienfonds ziehen Millionen neuer Anleger an

VonIngo Narat

Die Deutschen werden zu einem Volk der Aktionäre. Dazu tragen insbesondere die Kunden der Sparkassen und Volksbanken bei.

FRANKFURT/M. Die Zahl der Aktionäre und Anleger in Aktienfonds hat neue Rekordhöhen erreicht. 11,32 Millionen Deutsche sind jetzt "Mit-Unternehmer", wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) auf Basis von Infratest-Umfragen mitteilte. Treibende Kraft war vor allem der Popularitätssprung der Aktienfonds. Jetzt besitzen mehr Deutsche Anteile an Aktienfonds als Aktien. Einen wichtigen Beitrag dazu lieferten die Verkaufserfolge der Fondsgesellschaften der Sparkassen und des genossenschaftlichen Bankenverbundes. Das geht aus Zahlen hervor, die der deutsche Fondsverband BVI erst heute offiziell bekannt gibt.

Volk von Aktionären

Im ersten Halbjahr investierten 7,95 Millionen Deutsche in Aktienfonds. Demnach legten mehr als drei Millionen Deutsche zum ersten Mal Geld in Aktienfonds an, legt man den Verbreitungsgrad des letzten Jahres zu Grunde. "Diese Entwicklung zeigt, dass wir auf einem guten Wege sind, ein Volk von Aktionären zu werden, vergleichbar mit anderen Industrieländern", bewertet Rüdiger von Rosen, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des DAI, die Ergebnisse.

Weiteres Potenzial vorhanden

In der Fondsbranche fallen die Kommentare ähnlich aus. Der Geschäftsführer von Deutschlands größter Investmentgesellschaft DWS, Udo Behrenwaldt, spricht von "außerordentlichen Zahlen". Für ihn gibt es trotz der Rekordzahlen weiteres Potenzial. Ein internationaler Vergleich der Verbreitung der Fondsanlage zeige, dass es noch Spielraum gebe. Auch andere Branchenvertreter glauben an einen anhaltenden Boom. Gemessen an den bisher bekannten Zahlen über steigende Absätze in der Investmentbranche sind die aktuellen Ergebnisse sehr überraschend. Zu erklären ist der extreme Anstieg der Zahl von Fondsanteilbesitzern am ehesten durch eine große Anzahl von Neueinsteigern, die sich mit kleineren Beträgen engagierten.

Einen wichtigen Beitrag bei der Gewinnung neuer Anleger leisteten die Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken mit ihren Fondsgesellschaften Deka und Union Investment. Schon kurz vor der Jahreswende hatten sie über die stark steigende Zahl von Eröffnungen neuer Fondsdepots berichtet. Hintergrund ist der Nachholbedarf, den die klassischen konservativen Sparkassen- und Volksbanken-Kunden bei der direkten und indirekten Aktienanlage im Gegensatz zu den Kunden der Großbanken wie Deutscher und Dresdner Bank haben.

Die Zahlen des Fondsverbandes BVI verdeutlichen diese Entwicklungen. Danach sammelten Deka und Union Investment im ersten Halbjahr netto 12,0 und 9,1 Mrd. Euro ein. Dagegen bringen es beispielsweise die Investmentgesellschaften von Deutscher und Dresdner Bank nur auf 5,7 und 4,3 Mrd. Euro. Bei den Summen handelt es sich um die Nettozuflüsse in Wertpapier-Publikumsfonds und Geldmarktfonds, wobei Aktienfonds den weitaus größten Teil des angelegten Geldes für sich beanspruchen. Bei den Marktanteilen, gemessen am Mittelaufkommen, liegen Deka und Union mit 29 und 22 % weit vor ihren Konkurrenten. Alle deutschen Kapitalanlagegesellschaften sammelten insgesamt netto 40,7 Mrd. Euro ein.

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