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14.07.2000

10:20 Uhr

dpa-afx WASHINGTON. Der US-Telekommunikationsmarkt ist in Bewegung. Im Zentrum von Übernahmegerüchten stehen vor allem die US-Konzerne.

AT&T ist mit 80 Millionen Kunden und 151 000 Mitarbeitern der Elefant der US-Ferngesprächsanbieter und damit das amerikanische Gegenstück zur Deutschen Telekom. Über sein Kerngeschäft hinaus versucht der ehemalige Monopolist neuerdings, durch den Aufkauf von Kabelgesellschaften im Internet-Geschäft stärker Fuß zu fassen. Beim Mobilfunk steht AT&T nur an dritter Stelle in den USA. Den Konzern verbindet eine strategische Partnerschaft mit British Telecom. Die AT&T-Aktie steht derzeit sehr niedrig.

WORLDCOM hat sich von einem Billiganbieter für Ferngespräche binnen 17 Jahren zur Nummer Zwei in den USA gemausert. Der Konzern schluckte insgesamt 75 Firmen und hat mittlerweile 77.000 Mitarbeiter. Zu seinen wichtigsten Akquisitionen gehörte der Internetdienstleister UUNet, der ein Drittel des Online-Verkehrs in den USA transportiert. Schwach ist WorldCom beim Mobilfunk vertreten. Die Aktie des Unternehmens ist deutlich weniger begehrt als noch vor einem Jahr; das Unternehmen käme die Deutsche Telekom dennoch sehr teuer zu stehen.

SPRINT ist bei den Ferngesprächen zwar nur die Nummer Drei, steht aber beim Mobilfunk wesentlich besser da als WorldCom. Der Konzern betreibt das ausgedehnteste digitale Handy-Netz in den USA. Die Mobilfunktochter Sprint PCS belegt bei der Kundenzahl Rang vier und verzeichnet die höchsten Wachstumsraten. Zudem verfügt der Konzern über ein modernes landesweites Festnetz. Der Deutschen Telekom gehören bereits zehn Prozent des Sprint-Kapitals.

Der Erfolg von QWEST basiert auf dem Glasfasernetz, das die Firma entlang alter Eisenbahnverbindungen gesponnen hat. Es verbindet die meisten US-Ballungsräume und wird derzeit in Großstädten wie New York zu Ortsnetzen ausgebaut. Mit 29 Millionen Kunden ist das Unternehmen aus Denver der viertgrößte US-Anbieter für Ferngespräche. Im Mobilfunk ist er landesweit nicht präsent. Vor kurzem schluckte er die Regionalgesellschaft US West, an deren Widerstand eine Fusion mit der Deutschen Telekom im Frühjahr gescheitert war.

VERIZON entstand erst vor kurzem aus der Hochzeit von Bell Atlantic und GTE. Mit 63 Mill.. Telefonanschlüssen und 25 Mill.. Handy-Kunden ist das neue Unternehmen die größte Ortsnetzgesellschaft und der größte Mobilfunkanbieter der USA. Beim Mobilfunk arbeitet die an der Ostküste verankerte Firma mit der Vodafone-Tochter Airtouch zusammen und deckt so mit ihren Netz fast 90 % der US-Bevölkerung ab. Verizon verfügt seit kurzem über die Genehmigung, in New York auch Ferngespräche anzubieten. Der Konzern hat 260.000 Angestellte.

SBC und BELLSOUTH , die beiden anderen regionalen Telefongesellschaften, haben ihre Mobilfunk-Aktivitäten zusammengelegt und bedienen derzeit 16,2 Millionen Handy-Nutzer. Vor allem SBC setzt darauf, den Kunden unter den vertrauten Markennamen der "Baby Bells" einen ganzen Strauß von Diensten verkaufen zu können - vom Ortsgespräch über Mobilfunk bis zum Internet. SBC ist im Westen und Südwesten der USA besonders stark vertreten, unter anderem in Kalifornien und Texas. BellSouth kontrolliert von Atlanta aus den Alten Süden der USA.

VOICESTREAM und NEXTEL sind die verbleibenden unabhängigen Mobilfunkanbieter der USA, die beide an der Börse hoch dotiert werden. Das 1994 entstandene Unternehmen Voicestream hat 8200 Mitarbeiter und zählt rund 2,29 Millionen eigene Kunden. Es ist nach eigenen Angaben der weltgrößte Betreiber von digitalen Mobilfunknetzen im derzeitigen GSM-Standard. NEXTEL ist in acht Ländern aktiv und hat mehr als 5,5 Mill.. Nutzer. Der Wert des Unternehmens, an dem Motorola beteiligt ist, wird auf über 50 Mrd. $ geschätzt; der Wert von Voicestream auf mindestens 40 Mrd.. $.

GLOBAL CROSSING und PSINET sind auf die Schaffung der Infrastruktur für die moderne Telekommunikation spezialisiert. Die auf den Bermudas ansässige Firma Global Crossing baut an einem Netz moderner Untersee-Kabel, das fünf Kontinente, 27 Länder und mehr als 200 Großstädte verbinden soll. PSINet ist der größte verbliebene unabhängige Internet-Provider in den USA. Die Firma stützt sich auf ein Hochgeschwindigkeitsnetz mit Zugangsknoten in 28 Ländern und ist auf Unternehmenskunden spezialisiert.

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