Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.03.2003

08:40 Uhr

Übernahme des Filmrechte-Handels steht kurz vor dem Abschluss

Saban will im TV-Geschäft an die Spitze

Die Pro Sieben Sat 1 Media AG soll die Nummer eins im deutschen Fernsehmarkt werden. Der neue Mehrheitsgesellschafter des Münchener Fernsehkonzerns, Haim Saban, will den langjährigen Marktführer RTL in die Schranken weisen. "Wir brauchen bei Sat 1 und Pro Sieben eine neue Aggressivität, einen neuen Einfallsreichtum, frische, neue Ideen. Dann werden wir auch RTL als Marktführer ablösen", sagte der amerikanisch-israelische Milliardär dem Magazin "Focus".

hps/HB DÜSSELDORF. Als wichtigen Baustein im Wettrennen mit der Senderfamilie des Gütersloher Medienkonzerns Bertelsmann (RTL, Vox, Super RTL, RTL 2, N-TV) sieht Saban Sportübertragungsrechte.

Im vergangenen Jahr ist der Abstand zwischen RTL und den ehemaligen Kirch-Sender Pro Sieben und Sat 1 weiter gewachsen. RTL konnte mit einer Quote von 17,8 % in der werberelevanten Zielgruppe seinen Vorsprung gegenüber dem Verfolger Pro Sieben (12 %) ausbauen. Der Berliner Sender Sat 1 erreichte 2002 nur noch 11,1 % - trotz der Übertragung der Fußball-Bundesliga. Ob der jahrelange Verlustbringer Sat 1 auch noch die Spiele der nächsten Bundesliga-Saison zeigen wird, ist unklar. Saban sagte lediglich: "Der Preis für die Übertragungsrechte muss stimmen. Und momentan stimmt er nicht."

Im vergangenen Jahr schnitten die Bertelsmann-Sender auch finanziell deutlich besser als die ehemaligen Kirch-Kanäle ab. Die RTL-Gruppe setzte 2002 in Deutschland 1,7 Mrd. Euro und legte trotz der Werbekrise leicht zu, bei Pro Sieben Sat 1 ging der Umsatz hingegen um 6 % auf 1,9 Mrd. Euro zurück. Auch beim Vorsteuergewinn (Ebita) legte RTL Deutschland um mehr als 5 % auf insgesamt 244 Mill. Euro zu. Beim Konkurrenten aus München gab es nur Rückgänge: So brach das Vorsteuerergebnis beim wichtigsten Gewinnbringer Pro Sieben um 21 % auf 206 Mill. Euro ein. Bei Kabel 1 sank der Vorsteuergewinn sogar um fast zwei Drittel auf 12 Mill. Euro. Und Sorgenkind Sat 1 erhöhte seinen Fehlbetrag von 77 auf 98 Mill. Euro.

Der 58-jährige Medienunternehmer Saban, der mit Trickfilmen wie den "Power Rangers" ein Vermögen gemacht hatte, setzt bei seinem Ziel, Marktführer im zweitgrößten Fernsehmarkt der Welt zu werden, vor allem auf große Sportereignisse. "Wir sind an allen großen Sport-Events interessiert - auch an der Champions League oder der Fußball-Weltmeisterschaft", sagte Saban. Voraussetzung sei allerdings, dass dabei nicht nur Vereine und Verbände ein gutes Geschäft machten, sondern auch sein Unternehmen. Nach einhelliger Meinung in der Branche lassen sich jedoch Übertragungsrechte wie beispielsweise für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland von schätzungsweise 250 Mill. Euro nicht mit Werbung refinanzieren. Deshalb sind auch ARD und ZDF die bisher einzigen Bewerber. Die TV-Anstalten hatten sich mit dem Erwerb der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 ein Vorkaufsrecht für das größte deutsche Medienereignis in diesem Jahrzehnt von damaligen Rechteinhaber Leo Kirch gesichert.

Bei aller Liebe zu TV-Sportereignissen will Saban jedoch nicht in die Formel 1 einsteigen. Er habe "kein Interesse mehr an dem Rennzirkus". Das gilt auch für den Anteil von knapp 25 % an dem Merchandising-Unternehmen EM.TV. Werner Klatten, Vorstandsvorsitzender von EM.TV hält diesen Anteil. Saban, der seit vielen Jahren mit dem EM.TV-Gründer Thomas Haffa befreundet ist, hält es zudem nicht für sinnvoll, die Filmbibliotheken von Kirch und EM.TV zusammenzulegen.

Die von Saban angestrebte Übernahme des Filmrechte-Handels steht offenbar kurz vor dem Abschluss. "Das ist nur noch eine Frage von Tagen", sagte der Medienunternehmer. Hingegen ist weiter unklar, ob der französische Fernsehkonzern TF 1 noch Partner von Saban wird. "Es ist noch keine Entscheidung gefallen" sagte Saban nach einem Gespräch mit dem TF1-Vorstandschef Patrick Le Lay.

Vor einer Woche setzte sich Saban nach einem monatelangen Verhandlungspoker um die Pro Sieben Sat 1 Media AG gegen den Hamburger Bauer-Verlag (Bravo, Praline) durch. Der Milliardär hatte 72 % der Stammaktien von Pro Sieben Sat 1 (36 % des Grundkapitals) von der insolventen Filmrechtegesellschaft Kirch Media - ehemaliges Herzstück des Medienimperiums von Leo Kirch - erworben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×