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07.02.2002

19:00 Uhr

Übernahme hat noch nicht alle Hürden genommen

Von Kaufangebot profitiert

VonSilke Kersting

Als die Nachricht über den geplanten Kauf der Hollandschen Beton Groep (HBG) durch die spanische Dragados S.A. die Amsterdamer Börse erreichte, machten die HBG-Papiere einen gewaltigen Satz von 13 Euro auf mehr als 20 Euro. Der Enthusiasmus der Anleger ist verständlich, denn das Angebot der Spanier, 21,25 Euro pro Aktie zu bezahlen, entspricht einem Aufschlag von 57 % auf den Schlusskurs des Vortages.

HB MADRID/BRÜSSEL. Doch die Übernahme hat noch nicht alle Hürden genommen. Der niederländische Baukonzern Heijmans hat ebenfalls Interesse an HBG bekundet und will offenbar das Angebot erhöhen. Eine weiteres Problem kann das Bagger-Joint Venture von HBG mit der ebenfalls niederländischen Baufirma Ballast Nedam werden, die zu 40 % dem deutschen Hochtief-Konzern gehört. Die Bagger-Tochter ist die "Cash Cow" von HBG. Mit einem Anteil von rund 20 % am Umsatz trägt das Joint-Venture rund 70 % zum Gewinn bei. Die Partner haben eine Kaufoption für den Anteil des anderen vereinbart, wenn sich die Mehrheitsverhältnisse bei einem verschieben. Ballast will nun in Gesprächen mit Dragados klären, wie deren Pläne im Bagger-Geschäft aussehen.

Dieses stark wachsende Segment macht HBG für die Spanier attraktiv. Dragados beziffert das Marktvolumen auf 5 Mrd. US $, mit jährlichen Wachstumsraten von 7 bis 8 %. Doch spanische Analysten beurteilen den Deal zurückhaltend. "Der Preis ist einer der negativsten Aspekte des Geschäfts", meint Ibersecurities - eine Ansicht, die viele Beobachter in Madrid vertreten. Die Rede ist von einer "Giftpille", mit der eine Übernahme durch einen anderen spanischen Baukonzern verhindert werden sollte. Der Aktienkurs ist denn auch kräftig gesunken: Anfang Februar notierten die Anteilsscheine noch bei gut 15, am Donnerstag nur noch bei rund 13 Euro.

Ibersecurities empfiehlt Dragados dennoch zum Kauf - trotz der Vorbehalte gegen die Übernahme. Das gleiche gilt für die Mehrheit der Analysten, die die Nachrichtenagentur Bloomberg registriert: Zwölf votieren für "Kaufen, sechs für "Halten" und nur drei für "Verkaufen".

Dragados-Präsident Santiago Foncillas verteidigte seine Pläne: "Wir betreten einen Markt mit beträchtlichem Wachstumspotenzial und attraktiven Spannen." Auch Jacobo Pascual, Leiter Aktienanalyse bei Dresdner Kleinwort Wasserstein in Madrid, hält den Preis für "gerechtfertigt". Es sei gut, dass Dragados über HGB Präsenz in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Großbritannien und Irland gewinne.

Dragados ist bislang stark in Spanien und Lateinamerika vertreten. Im Gegensatz zu Deutschland gelten die Aussichten für die spanische Baubranche als attraktiv. Allein das milliardenschwere Infrastrukturprogramm der Regierung garantiert bis Ende 2006 sichere Umsätze - ein Umstand von dem die Aktie kräftig profitierte. So legte Dragados 2001 gegen den allgemeinen Trend knapp 30 % zu. Und die Aussichten bleiben gut, denn die spanische Wirtschaft wächst im EU-Vergleich auch 2002 überdurchschnittlich. Zudem vermuten Analysten Auftrieb durch weitere Zusammenschlüsse.

Das Interesse der Spanier an HBG lässt sich nach Ansicht von Analysten auch auf die - im Gegensatz zu Deutschland - erfolgreiche Konsolidierung der niederländischen Baubranche zurückzuführen. Michel Aupers von Rabo Securities rechnet mit weiteren internationalen Übernahmen: "HBG und Dragados sind erst der Auftakt." Französische und britische Konzerne blickten ebenfalls mit Interesse auf die niederländischen Bauunternehmen, so Aupers. Als "Perle" gilt Volker Wessels Stevin N.V. mit einer für die Branche ungewöhnlichen Gewinnmarge von 5 %. Einziges Sorgenkind des Unternehmens, das neben dem klassischen Baugeschäft auch auf Gebäudemanagement und Verkehrstechnik setzt, ist die deutsche Tochter Trapp. Die liefert nur Verluste.

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