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14.03.2003

13:40 Uhr

Übernahme ohne Schulden

Österreichs Tankstellen-Schnäppchen

Der österreichische Erdöl- und Erdgas-Konzern OMV AG wird für die Übernahme von 141 Tankstellen der nicht notierten Avanti einen Kaufpreis von weniger als 40 Millionen Euro bezahlen.

Reuters WIEN. "Wir haben uns geeinigt, keinen Kaufpreis zu nennen, aber diese Indikation möchte ich geben", sagte OMV-Vorstand Gerhard Roiss am Freitag vor Journalisten. Die Tankstellen würden laut Roiss "debt free übernommen, es werden keine Forderungen mit übernommen".

Besonders wertvoll sei die Übernahme aufgrund der damit steigenden Integration - Vermarktung des Ausstoßes über das eigene Tankstellen-Netzwerk - in der Raffinerie Schwechat. Diese werde nach Abschluss des Deals, den Roiss Ende des zweiten, Anfang des ersten Quartals 2003 erwartet, eine Integration von bereits 25 Prozent erreichen.

Dies seien "um ein, zwei Prozent mehr als bisher", sagte Roiss auf Nachfrage. Vom Output von 14,5 Millionen Tonnen aus Schwechat werden künftig laut Roiss knapp 3,7 Millionen über die eigenen Tankstellen (inklusive Avanti-Stationen, Anm.) abgesetzt.

Die Nettoverschuldung der OMV werde sich nach dem Erwerb nur geringfügig erhöhen, sagte Roiss weiters. "Das gearing wird dadurch um zwei Prozent steigen", so Roiss.

Durch die jüngsten, 2003 erfolgten Akquisitionen der OMV mit Kosten von insgesamt 677 Millionen Euro - ohne den Avanti-Deal - werde die Verschuldungsquote (Gearing) 2003 auf "zwischen 50 und 60 Prozent" steigen, hatte OMV-Finanzvorstand David Davies kürzlich gesagt. Ziel für Ende 2003 sei ein Gearing von "unter 60 Prozent". Den Schuldenstand derzeit hatte Davies mit 450 Millionen Euro nach 478 Millionen Euro zum Jahresende 2002 beziffert. OMV berechnet das Gearing laut Davies als Relation der Nettoverschuldung gemessen am Eigenkapital.

Avanti bleibt als Marke bestehen - Ungarn ausgespart

Die Marke Avanti werde weitergeführt werden, sagte Roiss. "Ich gehe davon aus, dass wir unseren Markt mit 12 Ländern mit zwei Marken bearbeiten können". Die Marken OMV und Avanti haben laut dem Vorstand unterschiedliche Kosten und Ertragsszenarien. Daher könnten sie auch parallel geführt werden. "Avanti ist eine gute Marke, Avanti ist eine international einsetzbare Marke", ergänzte Roiss.

OMV baut mit dem Erwerb ihre Marktposition in Österreich und in Osteuropa weiter aus und wird, sollte der Kauf von allen Gremien genehmigt werden, auf ein Netzwerk von insgesamt 1.756 Stationen kommen. Nicht mit übernommen werden laut Roiss die dazu gehörenden Tanklager der Avanti.

109 der nun zur Übernahme stehenden Avanti-Stationen befinden sich in Österreich, was den Marktanteil der OMV mit dann 626 Tankstellen nach eigenen Angaben auf 24 (zuvor 21) Prozent erhöhen würde.

In Tschechien steigert die OMV eigenen Angaben zufolge ihre Tankstellenzahl um elf auf 138 Stationen und ihren Marktanteil auf rund elf Prozent. In der Slowakei werde sich das Netz um 20 auf 101 Tankstellen erweitern, der Marktanteil auf 18 Prozent steigen. In Bulgarien erwerbe die OMV nur eine Tankstelle, weil andere nicht in das Konzept der OMV passen, wonach man sich auf Stationen in Ballungszentren konzentrieren wolle, sagte Roiss. In Bulgarien verfügt das Unternehmen nach dem Kauf über 65 Stationen und einen Marktanteil von rund zehn Prozent.

Keinen Deal habe es mit Avanti in Ungarn gegeben. Die Tankstellen hätten, ähnlich wie in Bulgarien nicht ins Konzept der OMV gepasst. Der OMV-Marktanteil liege dort bei 16 Prozent. Mit den erst vor wenigen Wochen erworbenen 313 BP-Tankstellen werde die OMV ihren Marktanteil in Zentral- und Osteuropa auf dann 12 Prozent erhöhen. Konzernziel sei ein Marktanteil von 20 Prozent bis 2008. "Wir haben als Mittelfristziel 2.000 Tankstellen", bestätigte Roiss.

Analysten bewerten Avanti-Deal vorsichtig positiv

Vorsichtig positiv zeigten sich Analysten über den Avanti-Deal. "Der Deal ist positiv zu sehen. Aber man muss beachten, dass die Avanti-Tankstellen in keinem besonders guten Zustand und nicht gerade modern sind", sagte Klara Szekffy von der Raiffeisen Zentralbank.

Überraschend sei der Abschluss mit Avanti jedoch nicht, sagte Sekffy. "Es war zu erwarten, dass die OMV in Österreich etwas tut. Schließlich hat sie das Ziel, bis 2008 einen Marktanteil von 20 Prozent im Donau-Raum zu erzielen", so Szekffy.

Noch unklar sei für sie die Ausgestaltung der Finanzierung, fügte die Analystin an. "Es kann sein, dass die OMV diese Akquisition aus dem eigenen Cash flow finanziert. Da aber seit Anfang des Jahres bereits drei Akquisitionen realisiert worden sind, wird sich das net gearing weiter erhöhen. Ich erwarte für 2003 für die OMV ein ein net gearing von rund 55 Prozent. 2002 lag es nach unseren Berechnungen bei 20 Prozent".

Die OMV-Aktie reagierte auf die Bekanntgabe der Übernahme der Avanti-Stationen positiv, aber nicht mit übermäßigem Volumen. Bis 1225 MEZ legten OMV auf 99,99 (98,59) zu. Seit Jahresbeginn haben sie damit 6,9 Prozent an Wert gewonnen. Der ATX hat seitdem 2,5 Prozent nachgegeben.

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