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04.01.2001

17:20 Uhr

Übernahme von 1,2 Millionen Aktien

Kinowelt steigt nach Beteiligung von Münchener Rück

Die größte Rückversicherung der Welt hat erstmals im größeren Stil am Neuen Markt eingekauft. Die Beteiligung am Medienunternehmen Kinowelt wird Unternehmensangaben zufolge als längerfristiges Engagement gesehen. Der Kurs habe bei der Entscheidung "natürlich eine Rolle gespielt".

Reuters MÜNCHEN. Die Münchener Rück hat sich mit 4,9 % an der Kinowelt Medien AG beteiligt und den Kurs des Filmverleihers und Kinobetreibers damit um mehr als 15 % nach oben getrieben. Die größte Rückversicherung der Welt habe erstmals in größerem Stil am Neuen Markt investiert und wolle die Aktien langfristig halten, sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag in München. Die 1,2 Mill. Aktien, die einem Marktwert von rund 20 Mill. Euro entsprechen, stammen nach Kinowelt-Angaben aus dem Besitz der Familie Kölmel, die mit den Brüdern Michael und Rainer auch zwei Vorstände stellt. Der Erlös aus dem Verkauf soll dem Unternehmen als Gesellschafterdarlehen zur Verfügung gestellt werden.

Altaktionäre wollen Anteil im Laufe des Jahres wieder erhöhen

Der Sprecher der Rückversicherung sagte, die Münchener Rück wolle dauerhaft in dieser Größenordnung an Kinowelt beteiligt bleiben. Eine Haltefrist gebe es jedoch nicht. Im Laufe dieses Jahres soll der Anteil der Familie Kölmel wieder auf den Wert von 38 % steigen, den die Unternehmensgründer bislang gehalten hatten, sagte ein Kinowelt-Sprecher. Die Altaktionäre, die jetzt insgesamt 37 (vorher 42) Prozent an Kinowelt hielten, wollten dann entweder eine Wandelanleihe zeichnen oder sich an einer Erhöhung des Grundkapitals beteiligen. Ob die Münchener Rück ihren Anteil bei einer Kapitalerhöhung wieder verwässern lassen werde, ließ der Sprecher der Rückversicherung offen. Eine Aufstockung des Anteils ist nach Kinowelt-Angaben indes nicht geplant. Die Hereinnahme weiterer Investoren in diesem Jahr sei hingegen nicht ausgeschlossen.

Einstieg zum Schnäppchenpreis

Die Münchener Rück hat die Kinowelt-Aktien nach den Worten ihres Sprechers zu einem marktnahen Preis übernommen. "Der Kurs hat dabei natürlich eine Rolle gespielt", sagte er. Kinowelt teilte mit, die Gespräche über die Beteiligung liefen bereits seit einigen Monaten. Der Sprecher der Filmfirma begründete die Transaktion damit, dass vor einer Kapitalerhöhung mit Ausschluss des Bezugsrechts erst die Satzung geändert werden müsse. Eine geplante Wandelanleihe über bis zu 200 Mill. Euro hatte Kinowelt im November 2000 angesichts des sinkenden Kurses auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Kinowelt-Aktie zeigte sich am Donnerstag beflügelt. Der am Mittwoch auf einen Zwölf-Monats-Tiefststand von 13,41 Euro gefallene Kurs stieg zwischenzeitlich um über 30 % auf 21,59 Euro und notierte am Nachmittag mit 18,70 Euro um 14 % höher als zum Vortagesschluss. Gegenüber dem absoluten Tief holte das Papier innerhalb weniger Handelsstunden damit fast 40 % auf. Analyst Roland Pfänder von der BHF-Bank sagte, die Aktie sei "nicht unbedingt überbewertet" gewesen. Für Kinowelt habe das Engagement der Münchener Rück zwei Vorteile. Zum einen sei das Unternehmen wieder etwas liquider, zum anderen sei die Rückversicherung als Investor eine gute Adresse. "Das ist eine schlaue Alternative", sagte er.

Langfristige Bindung gelobt

Positiv zu werten sei, dass sich sowohl die Münchener Rück langfristig engagiere als auch die Kölmel-Brüder verpflichtet hätten, ihre Anteile wieder aufzustocken und zu halten. Das sei wohl Bedingung für den Einstieg gewesen. In den letzten Monaten hatte es mehrfach Gerüchte über Liquditätsprobleme bei Kinowelt gegeben. Der Sprecher wies diese erneut zurück. Analyst Pfänder sagte, Kinowelt habe seine flüssigen Mittel von 290 Mill. DM geparkt, um das Paket von Warner-Filmen zahlen zu können, für das pro Quartal bis zu 56 Mill. DM fällig seien.

Die Münchener Rück teilte mit, der Einstieg in die insgesamt interessante Medienbranche sei bei dem niedrigen Kursniveau von Kinowelt attraktiv gewesen. Der Einstieg sei das erste größere Engagement am Neuen Markt. In der Medienbranche sei Platz für weitere Bereinigungen. Kinowelt teilte weiter mit, mit Hilfe der frischen Mittel von der Konsolidierung der Branche profitieren und ihre Marktposition ausbauen zu wollen.

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