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24.07.2000

14:08 Uhr

Erwin Conradi gilt als Mann ohne Schnörkel und Gehabe

Erwin Conradi gilt als Mann ohne Schnörkel und Gehabe

Reuters DÜSSELDORF. Nach rund 30 Jahren bei der Metro zieht sich der 65jährige Aufsichtsratschef Erwin Conradi aus der Spitze des drittgrößten europäischen Einzelhandelskonzerns zurück. Conradi werde zum 1. August sein Mandat als Aufsichtsratschef der Metro AG und als Präsident der in Zug in der Schweiz angesiedelten Generaldirektion der Metro Holding AG niederlegen, teilte die Metro am Montag mit. Der selbst für enge Mitarbeiter und Analysten überraschenden Rückzug von Conradi solle den Weg für den derzeitigen Präsidenten des Verwaltungsrates der Metro Holding AG, Jan von Haeften, freimachen. Zugleich trat die Metro Spekulationen um angebliche Beteiligungsverkäufe entgegen.

Analysten werteten den Wachwechsel an der Spitze der Metro als klarers Indiz dafür, dass die Metro nun wirklich nicht den vollständigen Konzerns verkaufen wolle. Erinnert wurde daran, dass gerade die Familie Haniel als einzige der drei sogenannten originären Gesellschafterstämme mit Metro-Gründer Otto Beisheim, und der Familie Schmidt-Ruthenbeck in der jüngsten Vergangenheit öffentlich bekundet habe, man wolle an dem Metro-Engagement festhalten. Die drei Familien halten mehr als 60 % der Anteile.

Jörg Christians, Analyst bei der WGZ-Bank in Düsseldorf, sagte: "Spekulationen über den Verkauf an Wal-Mart und die anschließende Filetierung des Konzerns dürften sich nun in Luft auslösen." Doch erwartet er weiterhin Spekulationen um den Lebensmittelbereich und die Baumarktsparte. Konrad Becker, Analyst beim Münchner Bankhaus Merck & Fink, ergänzte, die Metro-Mitteilung biete Spielraum für Interpretationen. Auch für ihn sei aber nun klar, die Metro solle als Konzern erhalten werden. Es sei aber nicht eindeutig klargestellt, ob nicht doch Teile veräußert werden sollen.

Sein Nachfolger tritt selten in der Öffentlichkeit auf

Der in Hamburg lebende 69jährige von Haeften, der vom 20köpfigen Aufsichtsrat des Konzerns noch zum Nachfolger von Conradi gewählt werden muss, vertritt die mit über 200 Mitgliedern weit verzweigte Familie Haniel. Von Haeften, der selten in der Öffentlichkeit auftritt, ist Vorsitzender des Aufsichtsrates der Franz Haniel & Cie. Der Familien-Konzern mit Sitz in Duisburg ist in erster Linie im Pharma-Handel tätig. Der Familie war in der Vergangenheit nachgesagt worden, an einem Verkauf der Metro an den US-Konkurrenten Wal-Mart interessiert zu sein.

Mit dem Beschluss wollten die Gesellschafter der Metro Meldungen über eine Beendigung sowie über einen Verkauf ihrer Beteiligungen an der Metro AG "nachdrücklich entgegentreten", hieß es. Der gelernte Maschinenschlosser und diplomierte Wirtschaftsingenieur Conradi, der mit 35 Jahren in das Metro-Großhandelsgeschäft eingetreten war, werde künftig Zug um Zug die Gesellschafterinteressen von Beisheim in den Organen der Metro Holding und Metro Verwaltungsgesellschaft (Metro VVKG) wahrnehmen.

Conradi wurde 1971 Generallbevollmächtiger der Metro SB-Großmärkte GmbH&Co KG in Düsseldorf und übernahm sehr bald Spitzenfunktionen im Konzern. Eine seiner in der Fachwelt anerkannten Leistungen bestand im Aufbau eines Warenwirtschaftssystems, das dem Handleskonzern zu deutlich besseren Umsatzrenditen verhalf. Conradi gilt als Mann ohne Schnörkel und Gehabe, der sich nicht nur in seinen beruflichen Positionen, sondern auch im kulturellen Bereich engagiert. Conradi schmiedete maßgeblich den neuen Metro-Konzern aus Metro-Großhandel sowie den damals börsennotierten Firmen Asko, Kaufhof und Deutsche SB Kauf zusammen und richtete die Gruppe konsequent international aus.

Die Aktien der Metro führten am Vormittag die Liste der Verlierer an und gaben am Mittag um mehr als zehn Prozent auf 42,10 Euro nach.

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