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05.01.2003

18:09 Uhr

Überschwemmungen glimpflicher als befürchtet

Kälte stoppt Anschwellen der Flüsse

Die ersten großen Überschwemmungen im neuen Jahr haben am Wochenende weniger Schäden angerichtet als von den Behörden ursprünglich befürchtet. In den meisten Hochwassergebieten entspannte sich die Lage, vielerorts wurde bereits mit Aufräumarbeiten begonnen.

In Wertheim ist die Lage noch angespannt. Foto: dpa

In Wertheim ist die Lage noch angespannt. Foto: dpa

Reuters BERLIN. Allerdings ertrank am Samstag bei Regensburg eine 75-Jährige. Kritisch war die Lage vor allem in einigen Regionen Ostdeutschlands, wo bereits vor vier Monaten bei dem Hochwasser Schäden im Milliardenhöhe entstanden waren. Nicht gebannt war die Überschwemmungsgefahr im thüringischen Leubingen. In Halle in Sachsen-Anhalt wurde die höchste Hochwasseralarmstufe ausgerufen, nachdem das Wasser über vier Meter über den normalen Stand der Saale angestiegen war. Auch in der Elbe stieg das Wasser wieder. Bei Dresden lag der Pegelstand am Sonntag bei knapp 6,50 Metern bei langsam steigender Tendenz. Eine Katastrophe wie bei dem Hochwasser vor wenigen Monaten sei aber bislang nicht zu befürchten, sagte ein Sprecher des Lagedienstes im Landesinnenministerium.

In Leubingen hatten zeitweise über 1300 Helfer von Bundeswehr, Technischem Hilfswerk (THW), Polizei und Feuerwehr bis Sonntag über 250.000 Sandsäcke gefüllt und auf Dämme geschichtet. "Es gibt eine kleine Hoffnung", sagte ein Sprecher der örtlichen Krisenstabs. Die Pegelstände würden wieder sinken, wenn auch nur um einen Zentimeter pro Stunde. Der vom Wasser eingekreiste tausend Einwohner zählende Ort war geräumt worden.

Aufatmen konnten den Angaben zufolge die Bewohner der Kölner Altstadt, wo die zeitweise vorhergesagte Überschwemmung ausblieb. "Die Stimmung in der Altstadt ist prächtig, die bauen da mittlerweile Glühweinstände auf", sagte eine freiwillige Helferin der Hochwasserschutzzentrale. Am Nachmittag lag der Pegelstand bei sinkender Tendenz bei 9,58 Meter. Erst ab zehn Metern droht das Wasser über die Schutzwände der Altstadt zu fließen.

500 Wohnung in Koblenz überflutet

Auch an anderen Städten entlang des Rheins und der Mosel setzte das Hochwasser nicht ganze Ortschaften oder große Stadtteile unter Wasser. In Koblenz beim Zusammenfluss der beiden Flüsse wurden rund 500 Wohnungen überflutet, als am Samstag die Scheitelwelle die Stadt passierte. In Trier begannen nach Behördenangaben bereits am Wochenende die Aufräumarbeiten.

In der Frankfurter Innenstadt war unweit des historischen Römer die Uferstraße am Main überschwemmt. Helfer von Feuerwehr und THW hatten eine mobile Barriere errichtet und bedrohte Gebäude mit Sandsäcken geschützt.

In der Region um Regensburg, wo am Samstag eine 75-jährige Zeitungsausträgerin ertrunken war, entspannte sich die Lage am Sonntag weiter. "Die Pegel fallen überall", sagte der Leiter der Einsatzzentrale in Regensburg am Sonntag. Zwar bestehe für das Naabtal weiter Katastrophenalarm, dieser werde aber wohl noch im Laufe des Tages oder spätestens am Montag aufgehoben. Auch in dem vom Hochwasser schwer betroffenen Ort Kallmünz falle der Wasserstand derzeit. "Wir können im Großen und Ganzen Entwarnung geben."

Steigende Pegel am Main

Entlang des Mains wurden hingegen nach Polizeiangaben zum Teil noch steigende Pegelstände gemessen. "Die letzten Hinweise deuten darauf hin, dass es in Richtung 6,30 Meter geht", sagte der Leiter der Einsatzzentrale im unterfränkischen Würzburg. Im benachbarten Landkreis Kitzingen seien mehrere Ortschaften in Flußnähe zum Teil überschwemmt und Keller vollgelaufen. Fast alle Straßen entlang des Mains seien gesperrt.

Im weiter westlich gelegenen Wertheim in Baden-Württemberg entspannte sich die Lage am Sonntag zunächst ebenfalls. Aktuell betrage der Pegelstand 5,50 Meter, nachdem am Samstag ein Wert von über sechs Metern erreicht worden sei, sagte der Leiter der örtlichen Feuerwehr. "Wir erwarten aber für Montagnachmittag eine zweite Welle und rechnen mit einem Pegel von rund 6,20 Metern." Ursprünglich war man in der Stadt, deren Altstadtbereich überflutet ist, sogar von 6,50 Metern ausgegangen. "Die einsetzende Kälte hat uns 30 Zentimeter erspart."

In Halle waren nach Behördenangaben 200 Helfer im Einsatz, um Sandsackbarrieren zu errichten. Im Innenstadtbereich seien rund 20 Keller voll gelaufen, sagte ein Sprecher. Allerdings gebe es in der Stadt keine größeren Probleme. Derzeit gebe es keine Gefahr für ein Durchweichen der Dämme. Für Sonntag werde noch mit einem leichten Anstieg gerechnet. Für die kommenden Tage sage die Prognose zunächst stagnierende und dann leicht fallende Pegelstände voraus.

In Bayern war am Samstag eine Frau ertrunken. In Kallmünz im bayerischen Landkreis Regensburg bargen Einsatzkräfte die Leiche einer 75 Jahre alten Zeitungsausträgerin. Die Frau sei mit hoher Wahrscheinlichkeit gestürzt und in den Fluten der Naab ertrunken, sagte ein Sprecher der Polizei. Der bei Regensburg gelegene Ort im Naabtal war zum Teil überflutet.

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