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04.05.2003

13:55 Uhr

Um mehrere hundert Kilometer

“Sojus“-Kapsel verfehlt Landeplatz in Kasachstan

Die abgelöste Besatzung der internationalen Raumstation ISS ist am Sonntag an Bord einer russischen "Sojus"-Kapsel zur Erde zurückgekehrt, hat ihren Landeplatz aber um Hunderte von Kilometern verfehlt. Die Bergungstrupps brauchten mehr als zwei Stunden, bis sie die Kapsel gesichtet hatten.

Reuters ASTANA. Die Astronauten seien wohlauf, teilte ein Sprecher des Raumfahrtzentrums mit. Zunächst war nicht klar, warum die Kapsel nicht wie geplant rund 90 Kilometer nördlich von Arkaljk in der kasachischem Steppe gelandet ist. Die beiden Amerikanern Ken Bowersox und Donald Pettit sowie der Russe Nikolai Budarin waren von November an auf der Internationalen Raumstation (ISS) gewesen und hatten den Aufenthalt wegen des Absturzes der US-Raumfähre "Columbia" im Februar um zwei Monate verlängern müssen.

"Rettungsflugzeuge haben die Kapsel von der Luft aus gesichtet. Die Luke der Kapsel steht offen", teilte ein Sprecher des Raumfahrtzentrums in Moskau mit. "Wir haben Funk-Kontakt mit der Besatzung. Gott sei Dank sind sie alle wohlauf." Die Sojus-Kapsel sei rund 500 Kilometer von ihrem ursprünglich vorgesehenen Landeplatz entfernt in einer verlassenen Gegend nördlich des Aralsees aufgeschlagen. Die Nachrichtenagentur Itar-Tass meldete unter Berufung auf Rettungskräfte, die Astronauten, die sechs Monate in der Schwerelosigkeit des Alls waren, stünden neben der Kapsel und winkten den Flugzeugen zu. Die gelandeten Astronauten sollten zunächst in die Hauptstadt Kasachstans, Astana, und später zu medizinischen Untersuchungen nach Moskau gebracht werden.

Mehr als zwei Stunden Bangen um Astronauten

Experten halten es für möglich, dass die Kapsel steiler als geplant in die Erdatmosphäre eingetreten ist. Dies könnte die vorher berechnete Einflugbahn infolge der stärkeren Erdanziehung verändert haben. Auch könnte der Ausfall des Kommunikationssystems in der Kapsel darauf zurückgeführt werden. Die "Sojus" ist mit 16 Jahren das älteste bemannte Raumfahrzeug der Welt. Die inzwischen verwendeten neuen Versionen sind mit einem Kontrollsystem ausgerüstet, das normalerweise bei der Landung eine größere Präzision sicherstellen soll. Zudem wurde versucht, den Aufprallwucht für die Besatzung etwas abzumildern.

Mehr als zwei Stunden war nicht klar gewesen, wo die Kapsel gelandet war, mit der erstmals auch eine amerikanische Mannschaft von der ISS auf die Erde zurückkehrte. Im mit Journalisten und Regierungsvertretern vollgepackten Kontrollraum bricht normalerweise Applaus aus, wenn eine Kapsel sicher gelandet ist. Am Sonntagmorgen war es aber sehr still. Über Lautsprecher hieß es lediglich: "Sie sind gelandet. Hubschrauber sind am Landeplatz. Im Moment suchen sie (sie)."

Bei der "Columbia"-Katastrophe waren im Februar sieben Astronauten ums Leben gekommen. Bis zur Klärung der Absturzursache sind alle Shuttle-Flüge ausgesetzt. Die Versorgung der ISS und der Austausch ihrer Besatzung liegt daher gegenwärtig allein in der Verantwortung der russischen Raumfahrt. Am 28. April hatte ein "Sojus"-Raumschiff den russischen Kommandanten Juri Malentschenko und den amerikanischen Flugingenieur Edward Lu zur ISS gebracht.

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