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30.07.2000

15:39 Uhr

Umfrage: Mehrheit für Abschaffung der Rabattwochen

Sommerschlussverkauf auf dem Prüfstand

Kurz vor Beginn des SSV ist eine neue Debatte über die Rabattwochen entbrannt. Justizministerin Herta Däubler-Gmelin sagte, die Regelung werde derzeit überprüft. 63 % der Deutschen sind nach einer Umfrage für die Abschaffung.

Der SSV beginnt

Der SSV beginnt

ap HAMBURG. Unmittelbar vor Beginn des diesjährigen Sommerschlussverkaufs ist eine neue Debatte über die Rabattwochen entbrannt. Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin sagte am Sonntag im Mitteldeutschen Rundfunk, die Beibehaltung des Schlussverkaufs werde derzeit überprüft. 63 % der Deutschen sind nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts dimap im Auftrag von MDR und "Bild"-Zeitung für die Abschaffung. In den kommenden zwei Wochen winken den Verbrauchern aber erst einmal wieder Schnäppchen.

Däubler-Gmelin sagte, Änderungen des Rabattgesetzes und der Zugabeverordnung seien derzeit in der Anhörungsphase. Entscheidend sei, dass die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibe. Wenn jeder Mondscheinpreise nehmen könne, sei die Frage, wie Kleine mithalten und die Verbraucher den Überblick behalten könnten.

In der Umfrage, in der 1 100 Bundesbürger um ihre Meinung gebeten wurden, ging es um die etwaige Abschaffung des Sommerschlussverkaufs, falls der Einzelhandel jederzeit günstige Angebote machen könnte. Nur 30 % sprachen sich dafür aus, den Schlussverkauf beizubehalten. 71 % der Hausfrauen wollten dagegen, dass ähnlich wie in den USA Sonderangebote über das ganze Jahr zugelassen werden.



Branchenverband: Preiskrieg könnte 30 000 Jobs kosten

Der seit Monaten tobende Preiskrieg im Einzelhandel könnte bis zu 30 000 Arbeitsplätze kosten und rund 5 000 Mittelständler der Branche zur Geschäftsaufgabe zwingen. Der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr, sagte, der Preiskampf werde sicherlich noch weitergehen, aber "langsam ist der Tiefpunkt erreicht". Viele Grundnahrungsmittel kosteten heute so viel wie in den 50er Jahren. "Das schadet allen Einzelhandelsunternehmen, den Beschäftigten und letztlich auch den Verbrauchern, die irgendwann längere Wege zum Einkauf haben werden und keine so große Auswahl mehr haben."

Pellengahr sagte aber auch, es sei nicht nur der Preiskrieg, der dem Handel zusetze. Auch die Tarifabschlüsse von 2,5 % mehr Lohn und Gehalt seien "für unsere Branche zu hoch". Zudem ziehe der private Konsum nur sehr mäßig an. "Im ersten Halbjahr 2000 gab es nur ein Plus von etwa einem Prozent." Nichtsdestotrotz bemühten sich die Unternehmen, die Jobs dort einzusparen, wo es möglichst wenig mit Beratung und Service zu tun habe. "Aber es kann trotzdem zu Einschränkungen beim Service kommen", wenn sich der Wettbewerb fast ausschließlich auf den Preis konzentriere, warnte Pellengahr.

Damit lande die Branche insgesamt in einer Zwickmühle. Die Rahmenbedingungen führten zum Arbeitsplatzabbau, aber "eigentlich wollen wir hin zu mehr Kundenorientierung". Dafür sei aber qualifiziertes Personal unerlässlich.

Auch die Arbeitnehmerseite zeigte sich besorgt. Der Einzelhandelsexperte der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), Jürgen Teske, sagte der "Bild"-Zeitung (Samstagausgabe): "Bis Jahresende werden durch ruinösen Wettbewerb sicherlich einige tausend Arbeitsplätze vernichtet."



Tarifeinigung in Rheinland-Pfalz

Rechtzeitig vor Beginn des Sommerschlussverkaufs ist unterdessen auch in der Rheinland-Pfalz der Tarifkonflikt im Einzelhandel beigelegt worden. Wie auch in anderen Bundesländern vereinbarten die Tarifparteien nach Angaben der Gewerkschaften HBV und DAG eine Anhebung der Einkommen rückwirkend zum 1. Juni um 2,5 Prozent. Zusätzlich erhielten die Beschäftigten vom 1. Januar 2001 an 20 DM monatlich für die Altersvorsorge, teilten die Gewerkschaften am Samstag mit. Durch die Einigung sei der für Montag geplante landesweite Streik im Einzelhandel in Rheinland-Pfalz abgewendet worden. Der Tarifkonflikt hatte drei Monate gedauert.

Vergangene Woche waren ähnliche Tarifabschlüsse auch für Baden-Württemberg sowie Nordrhein-Westfalen und Berlin vereinbart worden. Zuvor waren schon Vereinbarungen für Bayern, Hessen und Hamburg getroffen worden. Der Tarifkonflikt war überall von Warnstreiks begleitet worden, nachdem die Arbeitgeber in mehreren Ländern bereits vereinbarten Einkommensverbesserungen widerrufen hatten.

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