Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.04.2006

09:43 Uhr

Umfrage unter Top-50-Kanzleien

Mehr Geld gibt’s nur bei Erfolg

VonJ. Lichter und C. Tödtmann

Die Bastion ist gefallen. Mehr als jede zweite der Top-50-Anwaltskanzleien lässt sich jetzt auf Erfolgshonorare ein (56 Prozent). Das bedeutet: Bei Misserfolg gibt’s weniger Geld. Wer das Klassenziel nicht erreicht, muss Strafabschläge hinnehmen.

Top-Kanzleien in Deutschland (Stand: Herbst 2005). Grafik: HB Handelsblatt

Top-Kanzleien in Deutschland (Stand: Herbst 2005). Grafik: HB

DÜSSELDORF. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wollte sich erst jede dritte Kanzlei (32 Prozent) mit Erfolgshonoraren anfreunden. Dies zeigt die jüngste Handelsblatt-Umfrage unter den Top-50-Kanzleien in Deutschland (Basis: Juve-Handbuch „Wirtschaftskanzleien 2005/06“). Die Antwortquote lag bei stolzen 70 Prozent.

Ausgerechnet die deutschen Traditionskanzleien Hengeler Müller oder Gleiss Lutz waren hierbei die Trendsetter – und keineswegs anglo-amerikanische Großkanzleien. Was daran so ungewöhnlich ist? Die US-Methode, die Anwälte nach Erfolg statt nach Gebühren zu bezahlen, war in Deutschland ein Schreckgespenst – jahrzehntelang. Schon diese gegenüber einem Anwalt zu erwähnen kam einem Frevel gleich. Man sei doch „unabhängiges Organ der Rechtspflege“, hieß es dann hochempört. Doch der Wind hat gedreht. Thomas Richter, Partner bei Sibeth in München, urteilt: „Wo der Kern der Anwaltsleistung nicht in der Prozessführung liegt, sondern in der Dienstleistung als Berater“, ist gegen Erfolgshonorare nichts einzuwenden. Die Kanzlei Esche Schümann Commichau aus Hamburg findet, Erfolgshonorare „können für beide Seiten interessant sein“.

Nur das volle Risiko mögen sie nicht tragen. Ganz leer ausgehen, das wollen sie nicht. Martin Diller, Partner bei Gleiss, plädiert: „Unser Honorar ist dem Mandanten nur dann als angemessen zu vermitteln, wenn wir für ihn einen Mehrwert erzielen. Deshalb sollte das Honorar bei Misserfolg niedriger sein – nicht: entfallen.“ Der richterliche Segen dazu steht noch aus, dem Bundesverfassungsgericht liegt die Frage vor. Doch die Realität ist schneller: 70 Prozent der Mandanten verlangen heute bereits, das Honorar auch an den Erfolg zu koppeln. Barbara Mayer von Graf von Westphalen Bappert & Modest bestätigt, dass sie sich „als international tätige Kanzlei dem nicht entziehen können“.

Und sie fahren gut damit. 88 Prozent der Befragten vermeldeten Umsatzsteigerungen. Für dieses Jahr erwarten nicht nur 91 Prozent weiter wachsende Umsätze, sondern auch 88 Prozent steigende Gewinne. Die Kanzleien, die ihre Deutschland-Zahlen verraten, machen zwischen 7,7 und 157 Millionen Euro (Clifford Chance) Umsatz. Und das, obwohl die Stundensätze leicht gesunken und wieder auf dem Niveau von 2003 sind: Partner verlangen im Schnitt 371 Euro, angestellte Anwälte 255 Euro.

Sozietäten mausern sich immer mehr zu Unternehmen. Bei der Handelsblatt-Umfrage gaben jetzt zum ersten Mal gleich zwölf Kanzleien ihren Umsatz preis. Setzte doch Rödl & Partner als Pionier erst vor knapp zwei Jahren vor Gericht das Recht durch, Zahlen veröffentlichen zu dürfen (163,5 Millionen Euro insgesamt, davon 54,8 Millionen im Anwaltsgeschäft).

Dass die High-End-Rechtsberatung gut läuft, zeigen auch die Zahlen der Neueinstellungen. 73 Prozent der Top-Kanzleien wollen mehr Junganwälte einstellen( Vorjahresvergleich: 47 Prozent). Vor drei Jahren planten dies nur 24 Prozent. Keine einzige Kanzlei will diese Zahl senken, 27 Prozent wollen sie zumindest konstant halten. Ein Grund dürfte die gestiegene Zahl der Fusionen und Übernahmen in Deutschland sein. Denn 94 Prozent der Kanzleien wollen ihre Mergers & Acquisitions-Teams aufstocken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×