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31.01.2003

08:32 Uhr

Umsatz der Geschäfte bricht laut Einzelhandelsverband um 3,5 Prozent ein

Verbrauchern fehlt Glaube an den Aufschwung

Die trostlose Stimmung bleibt der Konsumgüterbranche im neuen Jahr erhalten. Die GfK hat ermittelt, dass Deutschlands Verbraucher mit ihrem Geld auch in diesem Jahr knausern. Der Handel verliert Umsatz.

cs DÜSSELDORF. Die Aussichten auf eine Trendwende beim Konsum bleiben bescheiden. Wie das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK gestern mitteilte, war die Konsumneigung deutscher Verbraucher noch nie so gering wie in den vergangenen zwölf Monaten - jedenfalls nicht seit dem Start der Untersuchungen vor 20 Jahren. Im November fiel der von plus 100 bis minus 100 reichende GfK-Index mit minus 54 auf seinen bisher tiefsten Stand.

Die Stimmung hat sich im Januar zwar auf einen Wert von minus 34 leicht erholt, Entwarnung gibt das Nürnberger Institut dennoch nicht. "Zum Zeitpunkt der Erhebung hatten viele ihre Gehaltsabrechnung für Januar noch nicht in ihren Händen", erklärte GfK-Marktforscher Rolf Bürkl auf Anfrage. "Die faktischen Gehaltskürzungen durch die Aufschläge in der Renten- und Krankenversicherung könnten bei der Konsumneigung noch einmal kräftig reinschlagen."

Den deutschen Einzelhandel trifft diese Kaufzurückhaltung hart. Im vergangenen Jahr, so meldete der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) gestern, brachen die Umsätze um 3,5 % ein. Bis zuletzt hatte der Verband allenfalls ein Minus von 3 % für möglich gehalten. Doch das extrem schlechte Weihnachtsgeschäft ließ selbst diese pessimistische Prognose zur Makulatur werden. Nur noch 365 Mrd. Euro seien durch die Kassen der Geschäfte geflossen, schätzt der Berliner Verband auf Grundlage einer Umfrage bei 1 000 Mitgliedsbetrieben.

Allerdings geht es den einzelnen Branchen unterschiedlich schlecht. Büßten die Lebensmittelhändler gerade einmal 0,6 % ihrer Erlöse ein, klagen die Non-Food-Betriebe über ein Minus von 5,5 %. Besonders hart getroffen zeigten sich Textilhändler. Auch Elektronikverkäufer litten unter dem harten Konkurrenzdruck - vor allem durch die Fachmärkte von Saturn und Media-Markt.

Zu den wesentlichen Verlierern gehören zudem die Juweliere. Sie verkauften nach Angaben ihres Zentralverbands im vergangenen Weihnachtsgeschäft 18 % weniger als im Vorjahr. Unter dem Strich bedeutet dies für die meisten Schmuckverkäufer ein Jahresminus von 12 bis 15 %.

Erneut trifft die Krise die traditionellen Fachgeschäfte besonders hart. Laut HDE-Befragung gaben sie im Durchschnitt 6,3 % ihres Vorjahresumsatzes ab, Kauf- und Warenhäuser mussten sich mit 5 % weniger zufrieden geben. Discounter wie Aldi, Lidl oder Plus bezeichnet der HDE dagegen als "Gewinner des Jahres". Nach Verbandsangaben legten sie 10 % zu.

Für das gerade angelaufene Jahr sieht der HDE kaum Besserung. Der Gesamtumsatz im Einzelhandel werde noch einmal 1,5 % nachgeben, fürchtet der Verband. Immerhin hofft man in Berlin, dass die Zahl der Pleiten leicht zurück geht - die Zahlen für 2002 wird der Verband Creditreform am Donnerstag kommender Woche veröffentlichen.

Im Gegensatz zur Dienstleistungsgewerkschaft Verdi rechnet der Einzelhandelsverband - trotz Personalabbau - nicht mit einer Entlassungswelle. "Vermutlich werden viele Vollzeitstellen in 400- oder 800-Euro-Jobs umgewandelt", erwartet HDE-Chefvolkswirt Robert Weitz.

Nur geringe Impulse kommen seiner Meinung nach von der Liberalisierungsbemühungen rund um den Einzelhandel. "Wäre die Konsumneigung unserer Kunden größer, würden längere Öffnungszeiten sicherlich mehr bringen", sagt Weitz. Aber bei der derzeitig trüben Stimmung bliebe die Auswirkung marginal.

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