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02.05.2003

08:08 Uhr

Umsatz im März deutlich gesunken

Einzelhandel darbt weiter

Der kräftige Umsatzrückgang der deutschen Einzelhändler im März belegt Experten zufolge die schwache Verfassung der deutschen Wirtschaft. So lange die hohe Arbeitslosigkeit und eine steigende Abgabenlast die Kaufkraft der Deutschen schmälerten, stünden der Branche weiter schwere Zeiten bevor, sagten Volkswirte.

Reuters BERLIN. Zum Februar sank der Umsatz im Einzelhandel nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Freitag saisonbereinigt nominal 2,6 % und real 3,0 %. "Das erste Quartal hat so unerwartet hoffnungsvoll begonnen, aber die letzten beiden Monate haben uns wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt", kommentierte Andreas Scheuerle von der DekaBank das zweite kräftige Minus nach dem Anstieg im Januar. Neben der Arbeitslosigkeit habe wohl auch der Krieg im Irak und das teure Benzin höhere Ausgaben der Verbraucher verhindert.

Analysten erwarten keine rasche Besserung

Jörg Krämer von Invesco Asset Management sagte, an der Krise im Einzelhandel sei die Unfähigkeit zur Schaffung von Beschäftigung ebenso schuld wie die Steuer- und Abgabenpolitik, die den Menschen einen immer größeren Teil ihres Brutto-Einkommens nehme. Der Einzelhandel leidet besonders an der anhaltenden Konsumflaute in Deutschland, die ihm 2002 eines der schwächsten Jahre seit Kriegsende beschert hatte. Die monatliche Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hatte zuletzt ergeben, dass die Verbraucher zwar etwas weniger pessimistisch in die Zukunft blicken, die Kauflust aber noch nicht zurückgekehrt ist.

Sowohl die Volkswirte als auch der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) haben derzeit wenig Hoffnung auf eine schnelle Wende zum Besseren. "Der Einzelhandel steckt unverändert im Abschwung", sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. "Wir hoffen auf einen Aufschwung im zweiten Halbjahr, aber wir sind realistisch, und es gibt noch keinerlei Zeichen für eine Wende." Der Schlüssel zu besseren Zeiten liegt nach Ansicht der Einzelhandelsverbände und der Analysten in den notwendigen Reformen und der Senkung der Arbeitslosigkeit. "Daher brauchen wir dringend ein Ende der leidigen Diskussionen und Verwirrspiele um Zukunftsprogramme, und endlich Klarheit und handfeste positive Signale für Wirtschaft und Verbraucher", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands BAG, Johann Hellwege.

Im Vergleich zum März 2002 nahm die Branche den Angaben des Statistikamts zufolge nominal 3,8 % weniger und real 4,0 % weniger ein. Im ersten Vierteljahr lagen die Einzelhandelsumsätze damit nominal um 1,1 % und real um 0,8 % unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Der BAG verwies allerdings darauf, dass das Ostergeschäft anders als im vergangenen Jahr in den April fiel und somit erst mit den April-Daten ein aussagekräftigerer Jahresvergleich möglich sei. Nach Daten der Bundesbank - die Autoverkäufe und Tankstellenumsätze mit einschließen - setzte die Branche nominal auch 0,1 % weniger als im Schlussquartal 2002 um.

Facheinzelhandel mit großem Umsatzminus im Herbst

Im März verzeichneten dem Statistikamt zufolge nur der Handel mit Hausrat, Bau- und Heimwerkerbedarf und der Versandhandel sowohl einen nominalen als auch realen Umsatzanstieg zum Vorjahr. Der Einzelhandel mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkte setzte real 0,4 % mehr um als vor einem Jahr, obwohl die Umsätze nominal um 0,5 % sanken. Im Facheinzelhandel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren brach der reale Umsatz um fast sieben Prozent zum Vorjahr ein. Auch Textil-, Bekleidungs- und Schuhhändler nahmen 6,6 % weniger ein, und der sonstige Facheinzelhandel verbuchte ein Minus von 4,8 %.

Einige der börsennotierten deutschen Handelsunternehmen sind allerdings dem schwachen Umfeld zum Trotz gut in das laufende Jahr gestartet. Der weltweit fünftgrößte Handelskonzern Metro hatte beispielsweise im ersten Quartal ein sattes Gewinnplus verbucht, wobei der Umsatz selbst im Inland angestiegen war.

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