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07.02.2001

08:33 Uhr

Umsatz und Gewinn sollen kräftig steigen

Kamps will 2001 weniger zukaufen

VonMarc Renner

Die Bäckereikette Kamps will im laufenden Geschäftsjahr nach Angaben von Vorstandschef und Firmengründer Heiner Kamps beim Umsatz deutlich über 20 Prozent und beim Gewinn überproportional zulegen. Beim Aktienkurs sieht Kamps die Trendwende erreicht. An der Börse war davon am Mittwoch nichts zu sehen. Der Kurs der Titel stürzte nach Vorlage der vorläufigen Zahlen für das Jahr 2000 ab.

Unternehmenschef und Gründer Heiner Kamps

Unternehmenschef und Gründer Heiner Kamps

DÜSSELDORF. Bei dem geplanten, erneut kräftigen Wachstum seien Zukäufe noch nicht eingerechnet, wobei es bei Akquisitionen in diesem Jahr aber sicher etwas ruhiger zugehen werde als zuletzt, sagte Kamps. Zuvor hatte die zuletzt stark expandierende Bäckereikette mitgeteilt, Umsatz und Betriebsergebnis (Ebit) im Jahr 2000 dank der Zukäufe vervierfacht zu haben. Die Aktionäre sollen für 2000 mindestens eine Dividende wie im Vorjahr (0,05 Euro) erhalten.

Unternehmenssprecher Thomas Sterz kündigte noch für das erste Quartal 2001 den Start des Verkaufskonzeptes "Bakerstreet" an. Wer dabei der oder die Partner sein werden, dazu wollte Sterz noch nichts sagen. Auch Firmenchef Heiner Kamps wollte nur so viel preisgeben: "In den Monaten März, April und Mai werden fünf bis zehn Läden in Deutschland eröffnet." An hochfrequentierten Standorten in Nordrhein-Westfalen wolle man beginnen. Dieses Konzept, das bereits in den Niederlanden eingeführt ist, sieht den Verkauf von Imbiss-Waren an Tankstellen, Bahnhöfen und Flughäfen vor. Kamps hatte angekündigt, solche Geschäfte europaweit anzusiedeln. Dieses Projekt hatte bei Anlegern und Analysten für Fantasie gesorgt und der Aktie teilweise Kurse von über 40 Euro beschert. "Bakerstreet ist ein interessantes Konzept aber für Kamps nicht kriegsentscheidend", sagte der Vorstandschef.

Das geplante Wachstum werde Kamps auf Basis des laufenden Geschäfts realisieren, kündigte Sterz an. Dabei setzt das im MDax gelistete Unternehmen auf organisches Wachstum und Kostensenkung durch Synergien, aber auch auf den gewinnbringenden Einsatz von bestehenden Ressourcen. "Wir prüfen, wie unsere Logistik-Bereich optimiert werden kann", nannte Sterz ein Beispiel. Dabei ist daran gedacht, den 7 500 Lkw umfassenden Fuhrpark des Unternehmens für Dritte nutzbar zu machen. Sterz sieht darin aber eher ein Zubrot als ein großes Geschäft. "Das wird sicher keine Geschichte, die unser Ergebnis explodieren lässt." Potenzial sieht der Kamps-Srecher unter anderem auch durch neue Produkte, zusätzliche Shops und den Ausbau der Aktivitäten in Italien.

Beim Aktienkurs des Bäckereifilialisten sieht Unternehmenschef und Gründer Heiner Kamps die Trendwende erreicht. "Der derzeitige Kurs ist sicher nicht gerechtfertigt, hat aber in den letzten vier Wochen um 80 % zugelegt", führte Kamps aus. Im Verlauf des vergangenen Jahres bewegte sich der Wert von 46,25 im Januar 2000 sukzessive nach unten und erreichte mit 9,70 Euro im Dezember seinen bisherigen Tiefstand. Die Aufnahme in den Dax ist deshalb auch kein Thema mehr. "Das war auch nie ein Unternehmensziel, das kam immer nur vom Markt", betonte Thomas Sterz.

Am Mittwoch war an den Börsen von einer Trendwende nichts zu spüren: Nach Vorlage der Zahlen brach der Kurs der Aktie um mehr als 18 Prozent teiweise auf unter 14 Euro ein.

Kamps-Aktie: Intraday-Chart

Spekulationen, dass Kamps auf Grund der aktuellen Kursschwäche mehr und mehr zum Übernahmekandidaten avanciert, nimmt Sterz gelassen. "Mag sein. Aber was soll sich dann ändern? Ich sehe jedenfalls niemanden, der auf das Know-how unseres Managements verzichten kann." Dass das Geschäft nicht einfach sei, zeige die Tatsache, dass ein Big Player wie Unilever sich gerade erst von seiner Bäckereisparte getrennt habe.

Nach den am Mittwoch veröffentlichten vorläufigen Zahlen stieg das Betriebsergebnis der Kamps AG auf rund 203 (Vorjahr 48,7) Millionen DM und der Umsatz auf 3,2 (0,8) Milliarden DM. Die größten Wachtumsbeiträge resultieren nach Angaben des Unternehmens aus den Übernahmen marktführender Anbieter von SB-Backwaren in Deutschland (Wendeln), den Niederlanden (Quality Bakers) und Frankreich (Harry's). Da Harry's im Berichtsjahr nur für drei Monate in den Abschluss einbezogen worden sei, komme der volle Beitrag erst in den Folgejahren zum Tragen, hieß es weiter. Einen Grund dafür, dass das Betriebsergebnis hinter den prognostizierten 220 Millionen DM zurückblieb, konnte Thomas Sterz am Mittwoch noch nicht liefern. "Wir haben die Zahlen noch nicht genau analysiert", sagte er und verwies dafür auf die für den 7. März geplante Bilanzpressekonferenz.

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