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22.01.2001

09:17 Uhr

Umsatzeinbrüche wegen warmem Winterwetter

Karstadt steigert Umsatz und kauft Sinn Leffers

Der Handelskonzern Karstadt-Quelle hat seinen Netto-Umsatz im abgelaufenen Jahr um 2,4 % auf 29,7 Mrd. DM gesteigert, ist damit aber unter den Erwartungen von Analysten geblieben.

Reuters ESSEN. Europas größter Warenhaus- und Versandhandelskonzern, die Karstadt-Quelle AG, hat nach vorläufigen Berechnungen den Netto-Umsatz im abgelaufenen Jahr um 2,4 % auf 29,7 Mrd. DM gesteigert, ist damit aber unter den eigenen und den Erwartungen von Analysten geblieben. Das umsatzstärkste vierte Quartal sei durch gestiegene Energiekosten und ungünstige Witterungsverhältnisse negativ beeinflusst worden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Analysten, die ein Umsatzplus von etwa vier Prozent erwartet hatten, zeigten sich leicht enttäuscht. Die Karstadt-Quelle-Aktie gab deutlich nach. Wie erwartet, kündigte der Konzern zudem die Übernahme der Hagener Modekette Sinn Leffers an, die zuletzt in 43 Filialen einen Umsatz von 1,25 Mrd. DM verbuchte.

Mit den vorgelegten Umsatzzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr liegt der Konzern auch unter den eigenen Prognosen. Im Oktober hatte das Unternehmen sein erwartetes Umsatzwachstum von 3,5 auf 2,7 % gesenkt. Insbesondere wegen des für den Textilhandel zu warmen Winterwetters habe der in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2000 über den Planwerten liegende Umsatzanstieg nicht gehalten werden können, erklärte das Unternehmen. Ergebniszahlen will das Unternehmen erst Mitte Mai nennen.

Das Warenhausgeschäft (Karstadt, Hertie, KaDeWe, Wertheim und Alsterhaus) steigerte den Umsatz im abgelaufenen Jahr um 1,0 % auf 13,6 Mrd. DM. Die Abteilungen Mode, Sport und Personality, Multimedia sowie Essen und Trinken wiesen eine positive Umsatzentwicklung auf, während der Umsatz im Bereich Wohnen zurückgegangen sei. Die Fachgeschäfte Wehmeyer, Schaulandt, Schürmann, WOM und Runners Point setzten den Angaben zufolge in 169 Filialen 4,8 % mehr und damit 1,1 Mrd. DM um. Der Versandhandel (Neckermann und Quelle) legte beim Umsatz um 3,1 % auf 14,6 (14,2) Mrd. DM zu. Deutlich besser als erwartet habe sich der elektronische Handel entwickelt. Das Volumen der Bestellungen über das Internet habe sich mehr als vervierfacht und erreichte 880 (214) Mill. DM. Der gemeinsam mit der Deutschen Lufthansa geführte Reisekonzern C&N Touristik (Geschäftsjahr 1. November 1999 bis 31.Oktober 2000) steigerte den Umsatz den Angaben zufolge um 7,3 % auf 9,7 (9,1) Mrd. DM.

Branchenkenner zeigten sich von den Zahlen enttäuscht, wiesen aber darauf hin, dass auch andere Warenhausketten wegen des warmen Winters Umsatzeinbrüche verzeichnet hätten. WGZ - Bank-Analyst Jörg Christians sagte zu den Umsatzzahlen: "Ich hatte mit mehr gerechnet." Positiv äußerte er sich zur Sinn Leffers-Übernahme. KarstadtQuelle könne nun im Bekleidungsbereich sein Image verbessern und Synergien ausnutzen. Deutsche-Bank-Analyst Nikolai Baltruschat sagte, er halte trotz des schwächeren Umsatzanstieges an seiner Vorsteuer-Ergebnisprognose von 520 Mill. DM fest. Zur Übernahme von Sinn Leffers sagte er: "Der Preis scheint nicht außer Rand und Band." Positiv bewerteten Matthias Gmeinwieser, Analyst bei der Bayerischen Landesbank und seine Kollegin Babara Ambruss von der Landesbank Baden-Württemberg das deutliche Umsatzplus beim elektronischen Handel.

Die Karstadt-Aktie verloren bis zum Mittag überdurchschnittliche 4,37 % auf 35,00 Euro. Das Papier lag damit um 16 % unter dem im November erreichten Jahreshoch von 41,96 Euro, jedoch noch knapp 30 % über dem Jahrestief vom Juni 2000 mit 27,30 Euro.

Bereits am Freitag hat der KarstadtQuelle-Aufsichtsrat den Angaben zufolge die Übernahme der Modekette Sinn Leffers beschlossen, die zuletzt 1,25 Mrd. DM umsetzte. Karstadt werde dazu von der Schickedanz-Holding 100 % der M+T Mode- und Textilhaus- Beteiligungsgesellschaft übernehmen. Dies umfasse auch die Übernahme von 85 % der Anteile der Sinn Leffers AG. Der Aufsichtsrat habe zudem beschlossen, den freien Aktionären der Sinn Leffers ein Übernahmeangebot zu unterbreiten. Für diese 15 % der Sinn Leffers-Anteile sollten dabei etwa 150 Euro je Aktie in bar geboten werden. Das Angebot solle voraussichtlich Anfang Februar vorgelegt werden.

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