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25.02.2003

08:18 Uhr

Umsatzrendite 2002 bei 5 Prozent

Bertelsmann sucht Partner für BMG

VonG. Lipinski und H.-P. Siebenhaar (Handelsblatt)

Der Medienkonzern Bertelsmann sucht einen Partner für seine Musiktochter BMG. "Bertelsmann denkt über die Zukunft des Musikgeschäfts nach", sagte Bertelsmann-Finanzvorstand Siegfried Luther am Montag dem Wirtschaftskanal Bloomberg TV. Damit bestätigte der weltweit fünftgrößte Medienkonzern einen Bericht des Handelsblatts in der vergangenen Woche.

DÜSSELDORF/HAMBURG. Bei Bertelsmann "denke" man über eine Verschmelzung der BMG mit dem britischen Musikkonzern Emi Group Plc. nach, sagte Luther weiter. Auch eine Kombination mit einem anderen Partner sei möglich. "Es gibt auch andere große Anbieter, und man braucht sich nicht auf einen einzelnen zu fokussieren", sagte Luther Bloomberg TV am Rande einer Konferenz der Deutschen Bank in Frankfurt. Emi war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der Kurs des Unternehmens legte gestern um 4 % auf 114,25 Euro zu.

Der deutsche Medienkonzern will durch den Verkauf von Unternehmensteilen Schulden senken. Bertelsmann hat mit Verbindlichkeiten von mehr als 3 Mrd. Euro seine selbst gesteckte Verschuldungsgrenze überschritten. Vor allem der Kauf des amerikanischen Musiklabels Zomba Music Group für 2,75 Mrd. $ riss in Gütersloh ein großes Loch in die Kasse.

Wie Luther am Montag sagte, lag die Umsatzrendite des Konzerns im vergangenen Jahr bei 5 %. Bis 2005 soll der Wert auf 10 % steigen. Dann sollen 25 % der Bertelsmann-Anteile an die Börse gebracht werden. Die Bilanz für 2002 wird der Konzern, der zuletzt einen Umsatz von 20 Mrd. Euro gemacht hat, am 25. März vorlegen.

Die Musikindustrie leidet seit mehr als zwei Jahren unter deutlichen Umsatzrückgängen. Die illegalen Musiktauschbörsen und die Konsumzurückhaltung machen den Konzernen schwer zu schaffen. BMG ist nach dem Fernsehkonzern RTL Group und dem Endkundengeschäft Direct-Group mit 18 % der drittwichtigste Umsatzträger von Bertelsmann. Zuletzt erwirtschaftete die Musiktochter mit ihren 5 000 Mitarbeitern einen Umsatz von fast 3,7 Mrd. Euro.

Eine frühere Fusion von BMG (Carlos Santana, Alicia Keys) und Emi (Robbie Williams, Norah Jones) zum größten Musikkonzern der Welt im Mai 2001 scheiterte am Widerstand der Europäischen Kommission. Angesichts der veränderten Marktbedingungen ist Brüssel mittlerweile jedoch kompromissbereit. Emi hatte vor einem Jahr angeboten, die Bertelsmann-Tochter für rund 4 Mrd. Euro zu kaufen. Die Gütersloher lehnten damals ab, weil sie bezweifelten, dass Emi das Kapital aufbringen könnte, da auch der britische Konzern Schulden abbauen muss.

Die Musikbranche ist derzeit in großer Bewegung. Der US-Medienkonzern AOL Time Warner will Emi offenbar eine Kontrollmehrheit an seiner Musiktochter Warner Music verkaufen. Nach Informationen des "Wall Street Journal" wird ein Kaufpreis von 3 bis 4 Mrd. $ verhandelt. Die Gespräche sind noch im Anfangsstadium. AOL Time Warner selbst will mit dem Verkauf der Kontrolle über Warner Music seinen Schuldenberg abbauen.

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