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31.07.2000

11:00 Uhr

Umsetzung der Genomforschung in Arzneimittel

Evotec plant Fusion mit Oxford Asymmetry

agd - Die auf Identifizierung von neuen Arzneistoffen spezialisierte Evotec BioSystems AG, Hamburg, (WKN 566480) will im Rahmen eines Aktientauschs das gesamte Aktienkapital der Oxford Asymmetry International plc (OAI), Oxon, übernehmen. Oxford Asymmetry ist auf kombinatorische Chemie und Wirkstoffsynthese spezialisiert, das gemeinsame Unternehmen plant, als sogenannter "One-Stop-Shop" einen Großteil der Wertschöpfungskette in der Pharmaforschung und-Entwicklung abzudecken. Vorstandsvorsitzender und Forschungschef des gemeinsamen Unternehmens soll der bisherige Evotec-CEO Dr. Karsten Henco werden.

Eine am Montag veröffentlichte gemeinsame Vereinbarung beider Unternehmen sieht die Ausgabe von bis zu 5,3 Millionen neuer Evotec-Aktien vor, die etwa 31 Prozent des Aktienkapitals der erweiterten Unternehmensgruppe repräsentieren sollen. Die neuen Aktien sollen bis Ende November 2000 am Neuen Markt platziert werden, falls die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der geplanten Kapitalerhöhung zustimmen. Im Rahmen des Übernahmeangebots können die Aktionäre von OAI für je eine OAI-Aktie 0,1287 neue Evotec-Aktien eintauschen. Das gesamte Aktienkapital von OAI wird demnach mit etwa £ 316 Millionen bewertet.

Das Umtausch-Angebot entspricht einer Bewertung von 722 Pence für jede OAI Aktie und entspricht einem Aufschlag von etwa 46 Prozent auf den Kurs vom 17. Juli 2000; der 17. Juli 2000 war der letzte Handelstag vor dem starken Anstieg des OAI-Aktienkurses, infolgedessen sich OAI am 19. Juli zu der Mitteilung veranlaßt sah, daß es sich in möglicherweise erfolgversprechenden Übernahmegesprächen befinde.

Oxford Asymmetry-Chart

>> Evotec konzentriert sich derzeit auf die Forschung über die Alzheimer-Krankheit, Krebs und Infektionserkrankungen und ist nach eigenen Angaben führend im sogenannten Hochdurchsatz-Screening (uHTS). Herzstück des Systems ist eine automatisierte Wirkstoffsuche durch eine Kombination von Laser-, Mikroskop- und Datenanalyse.

Dabei wird in winzigen Reaktionsgefässen die Wirkungen von Chemikalien auf so genannte Drug-Targets - die molekularen Angriffspunkte für neue Medikamente - getestet.

Solche Targets werden zum Beispiel bei der Kartierung des menschlichen Genoms durch das Human Genome Project (HUGO) ermittelt. Die Zahl derartiger Zielstrukturen schnellt momentan mit dem fortschreitenden Wissen über die menschlichen Gene rapide in die Höhe.

Die Evotec-Technik ermöglicht eine beschleunigte Übersetzung der Genom-Analysen in mögliche Arzneimittel, mit vergleichsweise niedrigen Kosten für die Entwicklung der Wirkstoffe.

Das Unternehmen, 1993 unter anderem vom Medizin-Nobelpreisträger Manfred Eigen gegründet, beschäftigt derzeit über 230 Mitarbeiter. Evotec erzielte im Geschäftsjahr 1999 bei einem Jahresumsatz von 9,8 Millionen Euro (1998: 7,3 Mill. Euro) einen konsolidierten Nettoverlust von 9,5 Millionen Euro bei einer Marktkapitalisierung von circa 1,1 Mrd. Euro. (28. Juli 2000).

>> Oxford Asymmetry ist spezialisiert auf die Identifizierung und Erforschung chemischer Substanzen, insbesondere auf die Hochgeschwindigkeits-Parallelsynthese (high-speed parallel synthesis - HSPS) zur Herstellung kleiner Substanzmengen neuer chemischer Verbindungen. Vielversprechende Substanzen für den Einsatz in präklischen und klinischen Arzneimittel-Studien stellt OAI in größeren Mengen her.

Das seit März 1998 in Londoner gelistete Unternehmen beschäftigt aktuell gut 250 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 1999 bei einen konsolidierten Umsatz von £ 20,2 Millionen einen konsolidierten Vorsteuergewinn von £ 3,7 Millionen.

Beide Unternehmen haben bereits heute Geschäftsbeziehungen zu einer Reihe von Pharma- und Biotechnologie-Unternehmen und versprechen sich aus der Fusion Synergieeffekte durch "cross-selling" und höhere Produktivität in der Wirkstoff-Forschung und-Entwicklung.

In dem gemeinsamen, in Hamburg angesiedelten Unternehmen soll der bisherge Evotec-CEO Dr. Karsten Henco die Position des Vorstandsvorsitzenden und Forschungsvorstands bekleiden, Edwin Moses, bisher Executive Chairman bei Oxford Asymmetry, will das Amt des Präsidenten übernehmen.

Der Kurs der Evotec-Aktie gab am Montag im frühen Handel nach, bis 11.00 Uhr hatte die Aktie über 4 % an Wert verloren.

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