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10.01.2001

07:45 Uhr

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Umstrittene Bush-Kandidatin für Arbeitsministerium gibt auf

Die umstrittene Kandidatin des künftigen US- Präsidenten George W. Bush für das Amt der Arbeitsministerin hat am Dienstag aufgegeben.

dpa WASHINGTON. Linda Chavez zog die Konsequenz aus der Enthüllung, dass sie eine illegale Einwanderin in ihrem Haushalt arbeiten ließ und sie bezahlte. Bush äußerte sich in einer Stellungnahme "enttäuscht". Chavez sei "ein guter Mensch, mit einem großen Teil Mitgefühl für Menschen jeglicher Herkunft". Er gab noch keinen Hinweis darauf, wen er an Stelle von Chavez nominieren wird.

Die 53 Jahre alte konservative Republikanerin sagte vor der Presse in Washington, ihr Fall sei typisch für die "Politik der persönlichen Zerstörung", die in den USA um sich greife. Sie habe der Frau nur helfen wollen. Ihr Fehler sei gewesen, nicht die politischen Folgen zu bedenken.

Mit der Unterstützung mehrerer anwesender Einwanderer aus Lateinamerika und Asien, denen sie in den USA Starthilfe gegeben hatte, präsentierte sie sich als eine gute Samariterin. Nach einer schweren Kindheit und Jugend habe sie sich geschworen, in Not befindlichen Menschen zu helfen und werde es weiter tun. Chavez sagte, sie habe sich zum Verzicht auf die Kandidatur entschieden, um den Start der Regierung Bush nicht zu behindern. Bush habe sie nicht aufgefordert, sich zurückzuziehen.

Chavez hätte wie die übrigen Minister-Kandidaten noch vom Senat bestätigt werden müssen. Gewerkschafter und liberale politische Kreise kritisierten sie als "erzkonservativ" und wollten versuchen, ihre Amtsübernahme zu verhindern. Ähnlich umstritten sind Gale Norton, die Kandidatin für das Amt der Innenministerium, und der als Justizminister nominierte John Ashcroft.

Sprecher für Chavez hatten zunächst erklärt zunächst, die Frau aus Guatemala mit dem Namen Marta Mercado habe ein Jahr im Haushalt gelebt und ab und zu beim Einkaufen, Aufräumen und Geschirrspülen geholfen. Es habe sich aber um kein Beschäftigungsverhältnis gehandelt. Chavez habe ihr finanziell mit einer Art Taschengeld beigestanden, ohne von dem illegalen Status zu wissen. Mercado selbst erklärte, sie habe Chavez als Freundin betrachtet. Im Gegensatz zu den Sprecher-Angaben sagte sie aber, dass sie Chavez von ihrer illegalen Einwanderung erzählt und nicht ein, sondern zwei Jahre lang bei ihr gelebt habe. Das räumte auch Chavez am Dienstag ein.

Ihr Fall erinnert an ähnliche Vorfälle im Jahr 1993 unter Präsident Bill Clinton. Damals waren gleich zwei Bewerberinnen für das Justizminister-Amt daran gescheitert, dass sie privat illegale Immigrantinnen beschäftigt und für sie keine Sozialabgaben abgeführt hatten.

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