Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.07.2000

17:36 Uhr

UMTS-Versteigerungen können das Wachstum bremsen

Verfahren zur Lizenzvergabe sind umstritten

VonDirk Ruschmann und Helmut Steuer

Die hohen Gebühren für eine Mobilfunklizenz der dritten Generation (UMTS) in Ländern mit Auktionsvergabe können das Wachstum der Mobilfunkbranche bremsen. Dieser Auffassung ist der Chef des schwedischen Telekommunikationskonzerns Ericsson, Kurt Hellström.

STOCKHOLM. In einem Interview mit der schwedischen Wirtschaftszeitung "Dagens Industri" (Donnerstagsausgabe) erklärt Hellström, die Kosten für eine Lizenz in Großbritannien seien "viel zu hoch" gewesen. Er zweifele nicht an der UMTS-Einführung, obwohl es mit EDGE eigentlich eine Alternative gäbe. "Die Versteigerung von Lizenzen für UMTS kann zudem die technische Entwicklung bremsen und die Endgeräte für die Verbraucher deutlich verteuern." Dieser Meinung ist Nils Gunnar Billinger, Chef von Post och Telestyrelsen (PTS), der Regulierungsbehörde, die in Schweden für die Vergabe der neuen Lizenzen verantwortlich ist. "Die Versteigerungen der Lizenzen sind eine Idee der Finanzminister gewesen", erklärte Billinger dem Handelsblatt und deutete an, dass er davon nichts halte.



Die im Mobilfunk führenden nordeuropäischen Länder haben unterschiedliche Wege gewählt. Dänemark hat noch nicht entschieden, Norwegen wählt eine Mischform und Finnland sowie Schweden führen einen Beauty Contest durch. "Diejenigen, die die beste Netzabdeckung garantieren, bekommen den Zuschlag", erklärt Billinger. Die Mobilfunkbetreiber müssten beim Bau der neuen Netze, die Datenübertragungen mit sehr hohen Geschwindigkeiten und damit die mobile Internetnutzung erst richtig ermöglichen, auf jeden Fall mit Milliardeninvestitionen rechnen. "Kommen dann noch die Versteigerungskosten hinzu, wird es eng".



In Schweden werde der Bau der neuen UMTS-Netze rund 10 Mrd. skr (1,2 Mrd. EUR) kosten, eine Versteigerung hätte noch einmal mit rund 40 Mrd. skr zu Buche geschlagen. Telekommunikations-Analysten teilen diese Bedenken. Rainer Raschdorf von der DG Bank sagt, in Ländern, die Lizenzen per beauty contest vergeben, könne wahrscheinlich "etwas freizügiger in die Technik investiert werden". Schätzungen zufolge wird eine UMTS-Lizenz in Deutschland 12 bis 20 Mrd. DM kosten.



Die spanische Telefónica erwarb in ihrem Heimatland eine Lizenz für rund ein Zehntel. Diese "Wettbewerbsverzerrung" wird nach Einschätzung der WestLB Panmure kleinere und weniger finanzkräftige Telekom-Unternehmen dazu bringen, in beauty-contest-Länder auszuweichen. Um die Anlaufkosten für eine ersteigerte Lizenz schnell wieder einzufahren, ist eine intensive Marketing- Kampagne wichtig. Nur so kann sich ein Massenmarkt entwickeln. Diese Kosten seien "noch gar nicht abschätzbar", sagt Jörg Natorp von der WGZ-Bank. Die Unternehmen geben zu: Ein Teil der Zusatzkosten für die Lizenz in den Auktionsländern wird voraussichtlich auf die Endkunden abgewälzt. Mannesmann-Sprecher Andresen: "Hohe Lizenzgebühren machen es uns schwieriger, für den Endkunden günstige Preise anzubieten."



Die deutsche Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation ist anderer Ansicht. Sprecher Rudolf Boll "weiß nicht, ob die Kunden bei einem beauty contest billiger wegkommen". Der Markt werde die Preise regeln. Sollten sie sich auf einem "Phantasie"-Niveau einpendeln, werde der Kunde sie nicht akzeptieren.



Das angesehene amerikanische Forschungs- und Research-Institut Forrester hatte im Frühjahr in einer umstrittenen Studie vor den zu hohen Kosten für die Mobilfunkbetreiber gewarnt und eine Verzögerung des UMTS-Starts vorhergesagt. "Die Kosten sind allen bekannt, die Einnahmen nicht", erklärt Forrester- Analyst Lars Godell. Er geht von "einem ernsthaften UMTS- Start nicht vor 2007", also rund vier Jahre später als bislang erwartet, aus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×