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08.06.2000

21:42 Uhr

Umweltkurator der Weltausstellung fordert Sonderaktionen

SPD lehnt Finanzhilfen für mehr Expo-Werbung ab

dpa BERLIN. Die Besucherflaute auf der Expo hat jetzt auch im Bundestag zu einem Parteienstreit um weitere Finanzhilfen geführt. Die SPD lehnte am Donnerstagabend in Berlin die von der Union geforderten zusätzlichen Finanzspritzen für mehr Werbemaßnahmen bereits wenige Tage nach Eröffnung der Weltausstellung ab.

Derzeit werden die Warnungen vor einem Expo-Desaster lauter. Zugleich häuften sich am Donnerstag Forderungen an die Expo- Gesellschaft in Hannover, bei der Vermarktung der Weltausstellung flexibler zu reagieren und gezielt Menschen auf das Gelände zu locken. Die Organisatoren sperren sich jedoch nach wie vor gegen spürbare Zugeständnisse bei den Preisen.

Die Bundesregierung wies Berichte, wonach das Kabinett bereits mit einem deutlich erhöhten Expo-Defizit von zwei Mrd. DM rechne, als "absoluten Blödsinn" zurück. Es gebe keine neuen Berechnungen, stellte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums klar. Bisher ist ein Defizit von 400 Mill. DM einkalkuliert, das sich Bund und Land Niedersachsen teilen wollen. Die "Sächsische Zeitung" hatte unter Berufung auf Regierungskreise gemeldet, im Bundeskabinett werde schon mit einem Minus von zwei Mrd. DM gerechnet.

Im Bundestag sagte SPD-Tourismusexpertin Birgit Roth, der Bund und das Land Niedersachsen stünden bereits für Millionenbürgschaften in der Pflicht, Mit den Forderungen der CDU/CSU-Fraktion werde die Expo "aus billigen parteipolitischen Interessen" schlechtgeredet und der Steuerzahler missachtet. Nach fünf Tagen könne noch kein Urteil gefällt werden. Für Managementfehler etwa in Vertrieb und Ticket- Verkauf müssten die Expo-Manager die Verantwortung übernehmen.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Sigmar Mosdorf (SPD) verwies auf eine aktuelle Umfrage, nach der die Expo-Besucher der ersten Tage die Note "Sehr gut" und "Gut" für die Weltausstellung vergeben habe. 60 Prozent würden sogar ein zweites Mal kommen. Überlegungen einer konzertierten Aktion von TV-Anstalten für kostenfreie Expo-Werbung, begrüße er außerordentlich, so Mosdorf. Er glaube, dass nach Pfingsten ein positive Besucherbilanz und am Ende eine insgesamt positive Expo-Bilanz gezogen werden könne.

CDU/CSU fordern, dass die Expo-Gesellschaft ihre Gelder zur Werbung deutlich aufstockt. Im Haushalt der Expo und der Deutschen Tourismus-Zentrale sollten Werbemittel kurzfristig um 50 Mill. DM erhöht werden. Statt Tickets zu verbilligen, sollten zusätzliche Marketingmaßnahmen finanziert werden, begründete CDU-Tourismusexperte Klaus Brähmig den Antrag. Andernfalls könnten dem Bund durch Defizite bei der Expo erheblich höhere Kosten als bisher eingeplant entstehen. Zudem wäre der Ruf des Wirtschaftsstandortes Deutschland beschädigt.

Auch die FDP sprach sich für einen neuen Werbeanlauf aus, ohne konkret weitere Finanzhilfen zu fordern. Auf den schleppenden Kartenverkauf müssten die Expo-Manager mit neuen Angeboten reagieren, sagte Walter Hirche von den Liberalen. Hier seien mehr Flexibilität und weniger Prinzipienreiterei gefordert.

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