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23.01.2001

12:08 Uhr

ap BERLIN. Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat es als "schweren Fehler" bezeichnet, den so genannten Mescalero-Aufruf unabhängig von seiner zynischen Sprache verteidigt zu haben. Einen Rücktritt lehnte der Grünen-Politiker in einem "Stern"-Interview vom Dienstag aber ab.

"Rückblickend betrachtet haben wir damals versucht, auf eine vielleicht zu trotzköpfige Art die Meinungsfreiheit zu verteidigen", sagte Trittin. "Was wir damals nicht sehen wollten, war, dass unabhängig vom Inhalt allein die Sprache für die Angehörigen der Opfer unerträglich sein musste."

Trittin steht seit Beginn der Woche wegen seiner linken Vergangenheit in der Kritik. Der Brief "Buback - Ein Nachruf" eines anonymen Spontis war 1977 kurz nach dem RAF-Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback in Göttingen erschienen und hatte "klammheimliche Freude" über dessen Tod ausgedrückt. Bubacks Sohn Michael hatte Trittin, der in den 70-er Jahren in Göttingen im Kommunistischen Bund Hochschulpolitik machte, am Sonntag vorgeworfen, sich bis heute nicht von dem Pamphlet zu distanzieren.

Trittin will sich mit Buback treffen

Trittin sagte, er wolle in den nächsten Tagen ausführlich mit Buback sprechen. Damals sei es ihm nicht darum gegangen, den Inhalt des "Mescalero"-Briefs zu legitimieren. "Aber wir wollten erreichen, dass man auch über so ein Papier zumindest diskutieren kann", sagte der Minister. Es sei damals nicht Mitglied des Allgemeinen Studentenausschusses und auch nicht in der Redaktion des Blattes gewesen, das den Brief nachgedruckt hatte.

Der Minister räumte ein, dass er als Mitglied des Kommunistischen Bundes, der "unter den maoistischen Gruppen die am wenigsten maoistischen" war, die als verknöchert empfundene Republik verändern wollte: "Wir wollten einen anderen Staat." Der KB habe gegen Berufsverbote und Atomkraftwerke, für Meinungsfreiheit und Frauenemanzipation gestritten. Morde der Rote-Armee-Fraktion habe die Gruppe verurteilt. "Wir sahen im Terrorismus einfach nicht das geeignete Mittel für unsere Ziele", sagte Trittin. "Wir waren keine pazifistische Vereinigung."

Er selbst habe aber nie Gewalt angewandt, auch nicht bei Demonstrationen. "Richtig auf einen losgehen? Vielleicht bin ich zu ängstlich, zu zurückhaltend, ich weiß es nicht. Aber ich konnte das nie." In Göttingen habe er sich zwar an der Besetzung alter Klinikgebäude beteiligt. Die Studenten hätten aber keine Türen aufgebrochen, sondern sich Nachschlüssel besorgt, sagte Trittin.



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