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16.01.2002

10:25 Uhr

UN heben Sanktionen gegen afghanische Zentralbank auf

Kabul braucht 15 Milliarden Dollar für Wiederaufbau

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat die Sanktionen gegen die afghanische Zentralbank und die Fluggesellschaft Ariana aufgehoben. Der Sanktionsausschuss des Gremiums strich bereits am Montag in New York die Zentralbank von der Liste der Organisationen und Individuen, deren Konten wegen Beziehungen zu Osama bin Laden weltweit eingefroren wurden, wie erst am Dienstag bekannt wurde.

ap NEW YORK/WASHINGTON. Die Entscheidung des Sicherheitsrates gilt als entscheidend für die Bemühungen der Interimsregierung in Kabul, das zerstörte Land wieder aufzubauen. Auch die Fluglinie Ariana darf ihren Betrieb wieder aufnehmen. Eingefrorene Auslandsguthaben der Gesellschaft wurden freigegeben und die geschlossenen Ariana-Büros wiedereröffnet.

Der Wiederaufbau Afghanistans kostet nach Schätzungen von UN und Weltbank im nächsten Jahrzehnt rund 15 Mrd. Dollar (16,8 Mrd. Euro). Das gaben das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP), die Weltbank und die Asiatische Entwicklungsbank in New York bekannt. Allein in den kommenden zweieinhalb Jahren werden demnach etwa fünf Milliarden Dollar benötigt, davon geschätzte 1,8 Mrd. für die Regierungsarbeit.

Die afghanische Interimsregierung sei praktisch pleite, sagte der Sprecher des UN-Sondergesandten Lakhdar Brahimi in Kabul. Sie schulde den 235 000 Beamten Gehälter in Höhe von rund 70 Mill. Dollar. "Wenn die Regierung für das afghanische Volk glaubwürdig sein soll, dann muss sie die Gehälter zahlen", sagte Ahmed Fausi. Unterdessen wurden 30 weitere Gefangene der US-Streitkräfte von Kandahar auf den Marinestützpunkt Guantanamo geflogen. Zuvor waren bereits 50 mutmaßliche Taliban- und El-Kaida-Kämpfer zur US-Basis im Osten Kubas verlegt worden.

Der amerikanische Taliban-Kämpfer John Walker Lindh wird vor ein ordentliches Gericht und nicht vor ein Kriegsgericht gestellt. Gegen den 20-jährigen Kalifornier wurde am Dienstag vor einem Bezirksgericht in Alexandria im Staat Virginia Klage eingereicht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Verschwörung zur Ermordung von US-Bürgern vor, wie Justizminister John Ashcroft in Washington mitteilte. Lindh droht im Falle eines Schuldspruchs lebenslange Haft.

US-Truppen hatten Lindh im November nach Gefechten mit Taliban-Kämpfern in der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif festgenommen. Er wird seitdem auf einem Kriegsschiff im Arabischen Meer festgehalten. Lindh war nach eigenem Bekunden im Alter von 16 Jahren zum Islam konvertiert und hatte sich später den Taliban in Afghanistan angeschlossen. Im vergangenen Jahr hielt er sich laut Ashcroft sieben Monate in einem Ausbildungslager für Terroristen auf. Weiter sagte der Minister, Lindh habe bei seiner Vernehmung angegeben, Bin Laden getroffen zu haben. Außerdem habe er gewusst, dass Bin Laden die Anschläge vom 11. September angeordnet habe, sagte Ashcroft.

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