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15.06.2000

17:10 Uhr

Uneinigkeit in der strategischen Ausrichtung führte zum Zerwürfnis

Asahi Bank lässt Großfusion platzen

Aufruhr im japanischen Bankensektor: Der Ausstieg der Asahi Bank aus der geplanten Dreierfusion bringt auch die Konkurrenz wieder unter Druck. Die Börse reagierte mit Abschlägen.

ap/dpa/rtr TOKIO. Geplatzte Bankenfusionen sind keine deutsche Spezialität: Drei Monate nach der Fusionsankündigung von drei japanischen Großbanken ist am Donnerstag die Asahi-Bank aus dem Deal ausgestiegen. Die beiden anderen Partner, die Sanwa- und die Tokai-Bank, werden an ihrem Zusammenschluss festhalten.

Der Rückzug sei beschlossen worden, weil sich die Banken nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen konnten, teilte der Vorstandsvorsitzende der Asahi Bank, Tatsuro Ito, am Donnerstag in Tokio mit. Aus der Fusion wäre die drittgrößte Bankengruppe der Welt hervorgegangen.
Die drei Banken hatten im März angekündigt, sich im April kommenden Jahres unter dem Dach einer gemeinsamen Holding zusammenzuschließen. Damit wäre die zweitgrößte Bankengruppe in Japan mit einer Bilanzsumme von 106 Billionen Yen (1,9 Billionen DM) entstanden. Die größte japanische Bankengruppe ist der für Herbst geplante Zusammenschluss der drei Großbanken Dai-Ichi Kangyo, Fuji und Industrial Bank of Japan unter dem Namen Mizuho.
Wie die Asahi Bank mitteilte, soll nun mit anderen regionalen Banken im Tokioter Raum verhandelt werden. Als mögliche Kandidaten wurden die Bank of Yokohama und die Chiba Bank genannt. Sanwa Bank und Tokai Bank verhandeln japanischen Berichten zufolge weiter über eine Fusion.

Uneinigkeit bei der strategischen Ausrichtung führte zum Zerwürfnis

Nach Einschätzung von Analysten ließen sich die unterschiedlichen Strategien der Institute für das Gemeinschaftsunternehmen nicht unter einen Hut bringen. So will Sanwa die Bank zu einem international führenden Kreditgeber entwickeln, während Asahi das Privatkundengeschäft im Großraum Tokio ausbauen will.

Der Ausstieg von Asahi werde die Integration der beiden verbliebenen Partner beschleunigen, sagte der Analyst Yoshinobu Yamada von Merril Lynch in Tokio. Seine Kollegin Setsuko Akiba von der Deutsche Securities in Tokio äußerte die Erwartung, dass sich Asahi nun verstärkt um eine Partnerschaft mit Regionalbanken bemühen werde.

Die Nachricht wurde an der Börse in Tokio mit Abschlägen quittiert. Asahi Bank büßten 30 Yen auf 427 ein und Sanwa 49 Yen auf 752. Auch andere Bankwerte gerieten nach dem Platzen der Dreier-Fusion unter Druck. Analysten sagten, die Nachrichten seien negativ für den Bankensektor, da sie Zweifel an der Möglichkeit anderer Fusionsvorhaben in der Branche schürten. Die Aktien der Sakura Bank sanken um 2,5 Prozent. Das Institut will mit der Sumitomo Bank (minus 2,5 Prozent) fusionieren. Die Aktien der Dai-Ichi gaben ebenso wie die ihrer fusionswilligen Partner Fuji Bank und Industrial Bank of Japan deutlich um bis zu sechs Prozent ab.

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