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24.03.2003

16:50 Uhr

Unerwarteter Wachstumsmotor

Versicherungskunden setzen auf Vorsorge

Die Krise der sozialen Sicherungsysteme und der dadurch ausgelöste Zusatzbedarf an privater Alters- und Gesundheitsvorsorge haben sich als großer Wachstumsmotor für der deutschen Versicherungsbranche entpuppt.

Reuters LEIPZIG. Die gesamte Branche rechnet im laufenden Jahr mit einem etwas schwächeren Beitragswachstum von drei Prozent nach 4,1 % im Vorjahr, so sagte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Montag in Leipzig voraus. Die Lebensversicherer könnten im laufenden Jahr gemessen daran mit einem Plus von 3,5 %, die privaten Krankenversicherungen mit plus sechs Prozent besser abschneiden. Allerdings dürften die Lebensversicherer wegen Ertragsbelastungen spätestens 2005 ihre Garantieverzinsung senken. Zu der um 20 % gestiegenen Zahl neuer Lebensversicherungsverträge 2002 hätten stark die neuen Riester-Produkte beigetragen. Massive Belastungen habe der Verfall der Aktienmärkte mit sich gebracht. Die Sparten Auto-, Sach- und Transportversicherung habe teils hohe Verluste verzeichnet.

Die Beitragseinnahmen der GDV-Mitgliedsunternehmen stiegen im vergangenen Jahr um knapp sechs Mrd. ? oder gut vier Prozent auf rund 141 Mrd. ?. Noch stärker nahmen mit einem Anstieg um 6,2 % die Versicherungsleistungen beziehungsweise Schadenaufwendungen zu, die rund 158,7 Mrd. ? erreichten. Angesichts hoher Schäden, wie etwa durch die Hochwasserkatastrophe entlang der Elbe, der Rückgänge der Aktienkurse und der sinkenden Zinsen sprach GDV-Präsident Bernd Michaels von einem "außergewöhnlich schwierigen Jahr" 2002 für die deutsche Versicherungswirtschaft.

Verfall der Aktienmärkte traf Versicherer hart

Auch wenn die Versicherungswirtschaft durch den Verfall der Aktienmärkte hart getroffen wurde, gibt es nach den Worten von Michaels in der Branche keine Liquiditätsprobleme. Der Aktienbestand der Versicherer sei in der Regel nicht höher als 18 % des Gesamtanlagebestands. Die Lebensversicherer hätten bei einem Kapitalanlagebestand im Buchwert von 600 Mrd. ? ihren Aktienanteil allerdings auf deutlich unter zehn Prozent nahezu halbiert. Schätzungen, dass die Versicherer im vergangenen Jahra bis zu 50 Mrd. ? an Abschreibungen und so genannten stillen Lasten aus dieser Entwicklung hätten bewältigen müssen, wies Michaels zurück. "Nach unseren Umfragen rechnen wir mit stillen Lasten im Wert von 15 bis 20 Mrd. ?", sagte er.

Gut lief nach GDV Angaben im vergangenen Jahr das Geschäft mit Lebensversicherungen. "Bis zum Jahresende 2002 konnten drei Mill. Stück abgesetzt werden", sagte der Vorsitzende des Hauptausschusses Leben im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Gerhard Rupprecht. Insgesamt verzeichneten die Gesellschaften beim Neugeschäft ein Plus von 20 % auf über zehn Mill. Verträge. Das Beitragsplus fiel mit sieben Prozent auf 14,5 Mrd. geringer aus, da die Förderpolicen über vergleichsweise niedrige Versicherungssummen abgeschlossen werden. Die Zahl neuer Kapitallebensversicherungen erhöhte sind um 1,4 Millionen, ein Minus von 1,8 %.

Das erfreuliche Wachstum steht im Gegensatz zur Ertragslage der Unternehmen, räumte Rupprecht jedoch ein. "Die drastischen Kurseinbrüche an den Börsen sowie das anhaltende niedrige Zinsniveau haben zu einem deutlichen Rückgang der Erträge und einer Auszehrung der Reserven geführt", sagte er. Mit einer durchschnittlichen Gesamtverzinsung von sechs Prozent seien die Kunden trotzdem vergleichsweise gut gefahren. Der Branche machen nach eigenen Angaben aktuell die niedrigen Zinsen mehr zu schaffen als die Abwärtsfahrt an den Börsen. Angesichts der schwachen Ertragsentwicklung der letzten Zeit könnte die Garantieverzinsung bei Lebensversicherungen spätestens 2005 auf 2,75 % von derzeit 3,25 % gesenkt werden, hieß es.

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