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25.05.2000

15:27 Uhr

Reuters HAMBURG. Der Medienkonzern Bertelsmann wird seine Internet-Handelstochter bol.com AG nicht wie geplant in der ersten Jahreshälfte am Neuen Markt notieren lassen. Der Börsengang werde verschoben, weil derzeit kein ideales Kapitalmarkt-Umfeld für Internet-Werte gegeben sei, erklärte Multimedia-Vorstand Klaus Eierhoff am Mittwoch in Gütersloh. Die Wachstumsstärke von bol.com würde unter den derzeitigen Bedingungen nicht ausreichend gewürdigt. Nach Angaben eines Sprechers ist noch kein neuer Zeitrahmen für einen Börsengang im Gespräch. Durch den vorerst ausbleibenden Kapitalzufluss entstehe keine Finanzierungslücke.

Die Entscheidung gegen einen Börsengang bis zur Jahresmitte fiel Bertelsmann zufolge im Einvernehmen mit der konsortialführenden Dresdner Kleinwort Benson. Bertelsmann hatte Ende Februar erklärt, bol.com (Bertelsmann Online) im zweiten Quartal an den Neuen Markt der Frankfurter Wertpapierbörse bringen zu wollen. Am Mittwoch hieß es weiter, der Rückgang des Aktienindex' Nemax 50 um rund 23 % seit Mitte März lasse erkennen, dass das Kapitalmarkt-Umfeld derzeit nicht ideal sei.

Bertelsmann-Vorstand Eierhoff erklärte weiter, der Ausbau und die Internationalisierung von bol.com würden mit unverminderter Kraft fortgesetzt. Mit dem Erlös aus dem Börsengang wollte bol.com Angaben vom Februar zufolge ihre Präsenz auf weitere Länder in Europa, Asien und Lateinamerika ausweiten. Die Internet-Geschäfte der Bol.com sind derzeit in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, den Niederlanden und der Schweiz vertreten.

Eine Finanzierungslücke gebe es trotz des Aufschubs nicht, sagte ein Bertelsmann Bertelsmann-Sprecher. hatte im März mitgeteilt, mit dem US-Konzern America Online eine Ausstiegsoption bei dem Gemeinschaftsunternehmen AOL Europe vereinbart zu haben. Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff sagte anschließend in einem Zeitungsinterview, durch die so zufließenden Finanzmittel verfüge Bertelsmann über schätzungsweise 75 Mrd. DM für mögliche Übernahmen. Im Medien-E-Commerce sei Bertelsmann derzeit die Nummer zwei, wolle sich aber binnen fünf Jahren an die Nummer eins Amazon "heranarbeiten", sagte Middelhoff.

Kunden von bol.com haben Bertelsmann zufolge Zugriff auf mehr als 4,5 Mill. Buchtitel und rund 500 000 Musik-CDs. Bol.com will später auch digitalisierte Buchtexte, Musikstücke und Filme zum direkten Herunterladen auf den heimischen Computer anbieten.

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