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24.01.2003

20:13 Uhr

Unilver schwammen gegen den Strom

Europas Börsen im Sog der Wall Street

Die europäischen Aktienmärkte haben am Freitag auf Grund der schwach tendierenden Wall Street und der anhaltenden Sorgen wegen eines Krieges im Irak im Minus geschlossen. Der Stoxx50-Index gab 0,9 Prozent auf 2 227 Punkte nach.

Reuters. Gegen den Trend etwas fester zeigten sich die Aktien des Verbrauchsgüterkonzerns Unilever, der eine günstige Ergebnisprognose vorlegte. Übernahmenspekulationen, die sich um den schwedischen Finanzdienstleister Skandia rankten, verhalfen dessen Aktien zu einem plus von rund 8 Prozent. Auch andere Versicherungstitel wie etwa die britische Legal & General zogen an. Berichte über negative Wirkungen seines Asthma-Medikaments Serevent drückten dagegen die Papiere des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline ins Minus.

Zu den Kursverlierern gehörte auch der Telekomausrüster Nokia. Der Warnung vor schwachen Quartalsumsätzen des Unternehmens am Vortag waren Zurückstufungen der Nokia-Titel durch verschiedene Broker gefolgt. Dagegen setzten an der Pariser Börse Alcatel ihren Aufwärtstrend fort. Der Analyst Robert Kerr von Bank of America erklärte, die Marktvolatilität habe hohe Werte erreicht und der Markt könnte auf ein Niveau kommen, auf dem es erzwungene Verkäufe gebe.

LONDON: Die Londoner Aktienbörse hat am Freitag belastet von Kriegsängsten und Sorgen um abnehmende Unternehmensgewinne zum zehnten Mal in Folge schwächer geschlossen. Hinweise auf eine schwache Verbrauchernachfrage belasteten die Stimmung zusätzlich. Der FTSE 100-Index verlor 0,5 Prozent auf 3 604 Zähler und schloss damit auf dem tiefsten Stand seit sieben Jahren. Vorübergehend war der Index auf unter 3 584 Punkte gefallen. Die Aktien des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline lasteten mit einem Minus von 3,8 Prozent auf dem Index. Der Konzern musste einen klinischen Test für ein Asthma-Medikament aussetzen. Gegen den Trend, mit plus 3,2 Prozent, stiegen die Titel des Versicherers Legal & General, der ein Prämienwachstum vorlegte und damit die Markterwartungen erfüllte. Vereinzelt tendierten auch Banken fester.

ZÜRICH: Verluste vor allem in den Finanzwerten belasteten die Schweizer Aktien. Der SMI-Index der Blue Chips schloss 1,1 Prozent tiefer mit 4 477 Punkten. Händler sagten, der von Baloise überraschend angekündigte hohen Verlust habe den Sektor gedrückt. Baloise notierten 8,8 Prozent. Um Baloise rankten sich nun Spekulationen wegen einer möglichen Kapitalerhöhung, nachdem bereits Zurich, Rentenanstalt/Swiss Life und auch die zur CS Group gehörende Winterthur wegen der Bewertungsverluste Kapitalspritzen benötigt hatten. Auch Zurich und Rentenanstalt verloren markant an Wert. Der Kursrückgang von Swiss Life wiederum belastete CS Group; der Finanzkonzern ist an dem Lebensversicherer maßgeblich beteiligt. CS büßten 3,2 Prozent ein. UBS hingegen hielten sich mit einem Minus von 1,6 Prozent recht gut.

PARIS: Der Pariser Aktienmarkt verzeichnete den sechsten Verlust in Folge. Der CAC 40-Index verlor 0,7 Prozent auf 2 899 Punkte. Händler sagten, dass neben den Kriegsängsten auch der schwache Dollar Exportwerte Sanofi-Syntelabo unter Druck gesetzt habe. Die Aktien des Pharmakonzerns, der rund 40 Prozent seines Umsatzes in den USA erzielt, büssten 3,8 Prozent ein. Auch Aventis sackten 2,3 Prozent ab. TotalFinaElf verloren wegen der Sorgen um die Auswirkungen des siebenwöchigen Streiks in Venezuela 1,5 Prozent.

BENELUX: Die Benelux-Börsen gaben nach. Der Amsterdamer AEX-Index sank 0,7 Prozent auf 296 Zähler und der Brüsseler Bel20-Index ermäßigte sich 0,4 Prozent auf 1 873 Punkte. Unilever stiegen in Amsterdam 1,3 Prozent. Der CEO des Konsumgüterkonzerns hatte gesagt, Unilever würde eine Umsatzwachstum erwarten. Ebenfalls gegen den Trend zogen Gucci nach der Ankündigung eines Aktienrückkaufprogramms 0,9 Prozent an. Die Aktien des Ölkonzerns Royal Dutch verloren 1,1 Prozent. Im Technologiesektor ermäßigten sich Philips 2,3 Prozent und ASML 4,5 Prozent.

MAILAND: Die Mailänder Börse verzeichnete die tiefsten Schlussstand seit drei Monaten. Auch Fiat gaben frühe Gewinne wieder ab. Offenbar wollten Anleger nach dem Tode des Fiat-Ehrenvorsitzenden Gianni Agnelli die weitere Entwicklung erst einmal abwarten, hieß es im Markt. Der Mib30-Index sank 1,2 Prozent auf 22 634 Zähler. Die Fiat-Aktien, die zunächst auf die Agnelli-Todesnachricht hin zugelegt hatte, verloren 0,8 Prozent. Der vorübergehende Anstieg basierte nach Händlerangaben auf der Erwartung, dass der Tod des Firmenpatriarchen einen Strategiewechsel bei Fiat einleiten könnte. Das Handelsvolumen war hoch, bei Fiat wechselten 1,6 Prozent des Kapitals die Hand. Fester schlossen auch die Aktien der Investmentbank Mediobanca.

MADRID: An der Madrider Börse haben die Aktien im späten Handel ins Minus gedreht. Der Ibex 35-Index schloss 0,7 Prozent tiefer mit 6 269 Zählern. Angesichts der Ängste vor einem Krieg im Irak zogen sich die Anleger zurück, hieß es. Einer der wenigen Gewinner waren mit einem Plus von 1,3 Prozent die Titel der Ölgesellschaft Repsol YPF. Händler führten das einerseits auf eine Erholung nach den jüngsten Verlusten und andererseits auf die Erwartung steigender Ölpreise zurück. Die beiden schwergewichtigen Bankwerte Banco Bilbao Vizcaya Argentaria Santander Central Hispano lagen deutlich im Minus.

SKANDINAVIEN: Der DJ StoxxNordic-Index der skandinavischen Börsen notierte 0,3 Prozent schwächer bei 226 Punkten. Bei den Telekomausrüstern verloren Nokia 1,1 Prozent, während Ericsson unverändert schlossen. Die Titel des finnischen Finanzkonzerns Sampo gaben 3,5 Prozent ab. Sampo's CIO sagte gegenüber Reuters, der Konzern plane keine Übernahme der schwedischen Skandia. Zuvor hatte Sampo gemeldet, den Anteil an Skandia auf über fünf Prozent gesteigert zu haben. Skandia stiegen 8,2 Prozent.

WIEN: Die Wiener Börse schloss gegen den Trend freundlich. Der ATX-Index stieg 1,8 Prozent auf 1 188 Zähler. Im Fokus standen die Brautitel BBAG und Brau-Union, die mit jeweils plus zehn Prozent auf neue Jahreshochs kletterten. Auch Erste Bank, RHI, Wienerberger und Flughafen Wien schlossen fest.

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