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14.02.2003

08:07 Uhr

Unklare Steuerregelungen belasten Beteiligungsmodelle

Bei vielen Fonds drohen Enttäuschungen

VonReiner Reichel

Steuern vermeiden statt Steuern sparen - auf diesen Nenner lässt sich der neue Trend bei geschlossenen Fonds bringen. Auf manche Anleger, zum Beispiel im Bereich Windenergie, warten unangenehme Neuigkeiten.

DÜSSELDORF. Für die Verkäufer geschlossener Fonds bleibt Finanzminister Hans Eichel der Buhmann. Besonders erbost sind die Filmfondsinitiatoren. Unklare Steuerregelungen hätten ihre Kunden verunsichert und im Jahr 2002 das Geschäft kaputt gemacht, schimpfen sie. Eine Statistik von Fondsanalyst Stefan Loipfinger fasst die Folgen des Hickhacks um Nebenkosten- und Medienerlass in Zahlen: Nach zwei Mrd. Euro 2001 brachte die Branche 2002 nur 1,6 Mrd. Euro an Filmfondsbeteiligungen unters Volk. "Sollte die Finanzverwaltung keine klare Lösung finden, könnte eine ähnliche Abwanderung des deutschen Anlagekapitals drohen, wie dies bei den Immobilienfonds der Fall ist", spielt Michael Oehme, Vorstand des Verbandes Deutscher Medienfonds, auf den Erfolg der Auslandsimmobilienfonds an. Anleger sollten bevorzugt Anteile zeichnen, für die steuerlich die Übergangsregelung gilt.

Doch sieht Oehme auch, dass das Image des einstigen Boomprodukts Filmfonds gelitten hat. Vor rund einem Jahr meldete der Fondsanbieter Mediability Insolvenz an. Das Verfahren läuft noch. Vielleicht ist es Pech, wenn Filme nicht so einschlagen, wie erhofft. Doch wenn die für diesen Fall abgeschlossene Erlösausfallversicherung wie im Fall von Cinerenta-Fonds nicht zahlt, wird es teuer. Nun büßt Cinerenta mit schleppendem Absatz.

Seit Eichel nicht mehr droht, die Tonnagesteuer abzuschaffen, sind auch Schiffsfonds wieder interessant. Die "Tonnagesteuer" ist eigentlich eine Gewinnermittlungsart, die beim Anleger dafür sorgt, dass die Steuern zur Bagatellgröße werden. Auch hier gilt: Angebote, die unter die Übergangsregelung für den Nebenkostenerlass fallen, bevorzugen. Schifffahrtsexperte Jürgen Dobert schätzt, dass noch 70 solcher Fonds am Markt sind. Er stellt fest: "Die Anleger achten auf langfristige Charterraten. Die gibt es nur bei großen Schiffen." Die jüngsten Unfälle mit Einhüllentankern liefern den Tankeranbietern die Verkaufsargumente frei Haus. Dobert warnt jedoch: "Die Charterraten für Tanker schwanken noch stärker als die von Containerschiffen." In der Vergangenheit rangen in wirtschaftliche Not geratene Charterer Fonds auch trotz langfristiger Verträge Ratenkürzungen ab.

Wenn die Übergangsregelung ausgelaufen ist, werden die Verlustzuweisungen weiter sinken. Die Anleger reagieren schon jetzt, stellt Oehme fest: "Die Leute, die etwas auf der hohen Kante haben, investieren eher in steuerverhindernde als steuersparende Kapitalanlagen." Das Prinzip: Statt mit Verlustzuweisungen in der Investitionsphase Steuern zu sparen, die später in der Gewinnphase dann doch noch fällig werden, werden Anlageformen gewählt, bei denen Gewinne steuerfrei bleiben oder geringer besteuert werden als in Deutschland. Zu letzteren zählen geschlossene US-Fonds. Sie übertrumpften 2002 erstmals Deutschland-Fonds und erreichten 2002 mit 2,1 (Vorjahr: 1,5) Mrd. Euro Eigenkapital einen Platzierungsrekord.

Eine Auffälligkeit bei geschlossenen Immobilienfonds sollte Anlegern zu denken geben: Der durchschnittliche Fremdkapitalanteil stieg Loipfinger zufolge 2002 von 51,6 auf 54,6 Prozent. "Wenn die Zinsen niedrig bleiben, verführt das zu hohen Fremdkapitalanteilen." Die Gründe sind einleuchtend: Sobald die Fremdkapitalzinsen die Mietrenditen unterschreiten, lassen sich damit höhere Ausschüttungen darstellen. Folgerichtig kletterten die durchschnittlichen Anfangsausschüttungen im Vorjahr von 6,6 auf 7,1 Prozent. Doch sinkende Mieten und Leerstände können schnell die Mietrenditen nach unten ziehen. Geringere Ausschüttungen drohen, wenn bei Ablauf der Zinsbindung die Zinsen höher liegen als in der Ergebnisvorschau angenommen. Häufig gewählte Schweizer- Franken-Kredite bergen zudem ein Währungsrisiko. Mit den hohen Anfangsausschüttungen wird es bei Inlandsfonds vorbei sein, wenn Wilfried Tator, Chefanalyst beim Marktbeobachter Fondscope, Recht behält. Er fürchtet, dass die Konkurrenz der unter Anlagedruck stehenden offenen Immobilienfonds die Einkaufspreise für die geschlossenen Inlandsimmobilienfonds verderben.

Windkraftfonds erzielten in Loipfingers Statistik zwar den fünften Platzierungsrekord in Folge. Doch Tator warnt: "Wegen der teilweise zu optimistischen Prognosen zu Windstärken und Reparaturkosten werden die Ergebnisse manche Anlegerträume enttäuschen." In Deutschland seien windstarke Küstenstandorte besetzt. Kommt hinzu, dass auch das Jahr 2002 ein schlechtes Windjahr war, was den meisten Anlegern noch nicht bewusst sei, meint Loipfinger.

Anlegern, die zuerst auf Anfangsverluste schauen, empfiehlt Loipfinger Schiffs- und Medienfonds. Bei beiden Produkten sollte die Einnahmensicherheit im Vordergrund stehen. Was Filmfonds angeht, spricht dies für leasingähnliche Konstruktionen, bei denen der Fonds feste Lizenzeinnahmen erhält. "Über den Steuervorteil hinaus hat der Anleger zwar keine großen Chancen, aber auch keine großen Risiken", sagt Loipfinger. Wer ausschüttungsorientiert denkt, liegt nach seiner Ansicht mit geschlossenen Immobilienfonds richtig - aber er betont: "Anleger sollten sich nur an Immobilien beteiligen, die fast keine kurzlaufenden Mietverträge haben und deren Mieter von einwandfreier Bonität sind."

Tator bricht eine Lanze für Privat- Equity-Fonds: "Die meisten faulen Unternehmen sind pleite oder kurz davor. Die Einstiegspreise haben sich um den Faktor zehn bis 20 vermindert."

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