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02.04.2003

10:30 Uhr

Unklarheit schlägt aufs Gemüt

Beiersdorf will endlich Klarheit

Nach dem Ende der Spekulationen über eine Übernahme durch den US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble drängt der Hamburger "Nivea"-Hersteller seine Großaktionäre Allianz und Tchibo zur Klärung seiner künftigen Aktionärsstruktur.

Reuters HAMBURG. Unbeeindruckt von Konsumzurückhaltung und einem in vielen Regionen der Welt in Folge der SARS-Krankeitswelle still stehenden öffentlichen Leben geht Beiersdorf für 2003 von einem weiter wachsenden Umsatz und stabilen Gewinnen aus.

"Ich gehe davon aus, dass die Großaktionäre in den nächsten Monaten entscheiden, was sie wollen", sagte Beiersdorf-Chef Rolf Kunisch am Mittwoch in Hamburg. Die andauernde Unklarheit belaste sowohl das Geschäft als auch die Stimmung der Beschäftigten. Auf Nachfragen fügte er hinzu, sein Appell richte sich gleichermaßen an Allianz und Tchibo. Branchenbeobachter interpretieren die Aussagen jedoch vor allem als an die Allianz adressiert.

Der Münchener Allfinanzkonzern hatte mit seiner erklärten Bereitschaft, sich von seinem knapp 44-prozentigen Beiersdorf-Anteil zu trennen, Procter & Gamble auf den Plan gerufen, sich mit dem US-Konsumgüterkonzern jedoch nicht über den Preis einigen können. Schließlich übernahmen die Amerikaner für 6,4 Mrd. ? den Haarpflegekonzern Wella.

Neben dem US-Konzern hat die mit 30,1 % an Beiersdorf beteiligte Tchibo Holding Interesse an einer Aufstockung ihrer Anteile bekundet. Im Zuge der Übernahmespekulationen war der Beiersdorf-Kurs zeitweise auf ein Jahreshoch nahe an 140 ? gestiegen, am Mittwochnachmittag notierte der im MDax gelistete Titel nahezu unverändert bei 102 ?. Auf dieser Basis ist Beiersdorf an der Börse rund 8,6 Mrd. ? wert.

Konzern ist gut ins neue Jahr gestartet

Trotz der bis vor kurzem noch anhaltenden Spekulationen ist Beiersdorf nach eigenen Angaben gut ins laufende Geschäftsjahr gestartet und hat den Umsatz in den ersten beiden Monaten zu konstanten Wechselkursen um neun Prozent gesteigert. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet werde auf dieser Basis mit einem Zuwachs von gut sieben Prozent gerechnet, sagte Finanzchef Rolf-Dieter Schwalb. Bei gegenwärtigen Wechselkursen entspreche dies einem Umsatz 2003 von knapp 4,9 Mrd. ?. Gegenüber dem Vorjahreswert von 4,74 Mrd. ? entspricht dies einem Wachstum um gut drei Prozent, das damit wegen des starken Euro unter dem 2002 erzielten Plus von 4,4 % liegen würde.

Der Reingewinn werde sich auf etwa sechs Prozent vom Umsatz belaufen. Damit würde die Nettorendite auf dem Niveau des Vorjahres gehalten. Auch die operative Umsatzrendite soll bei wachsendem Umsatz mit zehn Prozent stabil bleiben.

Nur Übernahme wäre für Analsyten noch interessant

Von Reuters befragte Analysten sagten, die Zahlen für das abgelaufene Jahr seien so erwartet worden, auch die Auswirkungen des Euro-Kurses seien nicht überraschend. "Die ersten beiden Monate sehen wirklich gut aus", sagte ein Branchenbeobachter. Commerzbank-Analyst Christian Deckart sagte: "Beiersdorf steht super da." Die Zahlen seien keine Überraschung. "Einzig interessant wäre eine Übernahme. Aber da wird wohl solange nichts passieren, bis der neue CEO (von Tchibo) an Bord ist." Anfang Juni soll Dieter Ammer neuer Vorstandschef des Einzelhandelskonzerns werden. Er folgt Reinhard Pöllath, der vom Aufsichtsrat für eine Übergangszeit von zwölf Monaten bis Ende Juni delegiert worden war.

Nach der Übernahme von Wella durch den US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble Mitte März ist vorerst nur noch Tchibo im Rennen um die Anteile, die der Münchener Allfinanzkonzern Allianz an Beiersdorf hält. Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner hatte gegenüber Reuters kürzlich bekräftigt, bei einem attraktiven Angebot sei Allianz zum Verkauf ihrer Beteiligung bereit. Analysten vermuten seit längerem, die Allianz könnte wegen ihrer geschwächten Kapitalposition zum Verkauf ihres Beiersdorf-Anteils gezwungen sein.

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