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28.03.2003

18:30 Uhr

Unter dem Tief nach 11.September

Europäische Luftfahrtaktien auf Talfahrt

Die Aktienkurse der drei größten europäischen Fluggesellschaft sind am Freitagnachmittag unter den Stand gesunken, den sie kurz nach den Anschlägen am 11. September 2001 verzeichnet hatten.

Reuters LONDON. Der Irak-Krieg habe zum Teil zu drastischen Buchungsrückgängen geführt und damit die Lage der unter der schwachen Weltkonjunktur und der verschärften Konkurrenz durch Billigfluglinien leidenden großen Fluggesellschaften weiter verschlechtert, sagten Analysten.

US-Fluggesellschaften vermelden wegen des Irak-Kriegs Buchungsrückgänge auf einigen Routen um bis zu 40 %. Sie reagierten auf diese Entwicklung mit Kapazitätsabbau und Stellenstreichungen. Auch die großen europäischen Fluggesellschaften Lufthansa, Air France und British Airways schraubten in dieser Woche ihre Dienste zurück. Die Befürchtungen, dass die rückläufigen Umsätze auch die Gewinne schmälern würden, drückten die Kurse der Fluggesellschaften deutlich. So gaben im Handelsverlauf in Europa Lufthansa 3,8 % auf 8,10 ? nach, British Airways um 4,22 % auf 107,45 Pence und Air France um 5,9 % auf 8,70 ? nach. Die Kurse aller drei Fluggesellschaft-Aktien fielen dabei am Freitag unten den Stand, die sie kurz nach den Anschlägen am 11. September 2001 verzeichnet hatten.

Da der Irak-Krieg wahrscheinlich nicht kurz sein werde, müsse der rückläufige Luftverkehr in den Ergebnisprognose berücksichtigt werden, sagte JP Morgan Analyst, Chris Avery. Er revidierte seine Prognose 2003 für British Airways auf einen Vorsteuer-Verlust von 100 Mill. Pfund (145 Mill. ?) von einem Gewinn von 25 Mill. Pfund.

Die internationale Luftfahrtindustrie befindet sich seit längerer Zeit in einer schweren Krise. Die Anschläge in New York und bei Washington am 11. September 2001 hatten zu einem Einbruch bei den Passagierzahlen sowie steigenden Kosten für Sicherheit und Versicherungsleistungen geführt. Nach Angaben der internationalen Luftfahrt-Organisation IATA haben die weltweit agierenden Fluglinien in den vergangenen zwei Jahren Verluste von insgesamt rund 30 Mrd. Dollar verzeichnet und könnten wegen des Irak-Kriegs weitere zehn Mrd. Dollar verlieren.

Am härtesten sind die US-Fluggesellschaften von der Krise betroffen. Die weltweit größte Fluggesellschaft American Airlines könnte womöglich bereits nächste Woche Antrag auf Gläubigerschutz stellen, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus mit der Situation vertrauten Kreisen erfuhr. Ein solcher Schritt sei rasch vonnöten, um angesichts des Buchungsrückgangs nach Beginn des Irak-Kriegs die nötigen Barmittel einbehalten zu können. Die Aktien der American-Muttergesellschaft AMR gaben im Handelsverlauf am Freitag um 13 % auf 1,55 Dollar nach. Seit den September-Anschlägen - zwei der entführten Flugzeuge waren American-Maschinen - haben die Titel mehr als 90 % ihres Werts eingebüßt.

Die australische Qantas belastete am Freitag die Aktienmärkte mit einer düsteren Geschäftsprognose sowie einer drastischen Kürzung der Flugverbindungen. So erwartet das zu den weltweit profitabelsten Fluggesellschaften zählende Unternehmen für 2003 einen Gewinn, der um 15 % unter den durchschnittlichen Analystenprognosen von rund 600 Mill. Australischen Dollar (rund 338 Mill. ?) liegt. Zugleich will Qantas ihre internationalen Flugverbindungen um ein Fünftel reduzieren.

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