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30.01.2003

18:20 Uhr

Unterfliegen von Brücken ist verboten

Pilot räumt verbotenen Brückenflug ein

Der Pilot des vor anderthalb Wochen in den Elbe-Seitenkanal gestürzten ADAC-Rettungshubschraubers hat sein Schweigen gebrochen. In einem Brief an die Polizei im niedersächsischen Uelzen habe er eingeräumt, unter einer Kanalbrücke hindurchgeflogen zu sein, sagte am Donnerstag der Lüneburger Oberstaatsanwalt Jürgen Wigger. Weitere mündliche Vernehmungen habe der Mann zunächst abgelehnt.

HB/dpa LÜNEBURG. Der 35-Jährige, der tagelang vernehmungsunfähig im Krankenhaus lag, wird für den Tod des ebenfalls an Bord gewesenen Notarztes (36) verantwortlich gemacht. Bei dem Absturz in den mit Eisschollen bedeckten Kanal war auch ein 40 Jahre alter Rettungsassistent verletzt worden. Er hatte gegen den Piloten ausgesagt. Das Unterfliegen von Brücken ist nach der Luftverkehrsordnung verboten. Gegen den Piloten wird wegen fahrlässiger Tötung, Gefährdung des Luftverkehrs und Körperverletzung ermittelt.

In seinem Brief habe der Hubschrauberführer beschrieben, wie es seiner Ansicht nach zu dem Absturz kam, sagte Wigger. Der Anwalt des Piloten, Stefan Hinners, ergänzte Wiggers Angaben. Danach ist der Heckrotor des Hubschraubers nach dem Unterfliegen der Brücke ausgefallen, so dass die Maschine damit fast manövrierunfähig war.

"Es ist völlig spekulativ, ob der Ausfall durch hochwirbelnde Eisschollen passierte", sagte Hinners. Der Heckrotor sei bis heute nicht gefunden worden und könne demnach auch nicht untersucht werden. "Ein technischer Defekt wäre sehr unwahrscheinlich", meinte der Rechtsanwalt. Es könne auch Luftverwirbelungen gegeben haben.

Oberstaatsanwalt Wigger hatte gesagt, der Hauptrotor habe nach Einschätzung des Piloten die Eisschollen womöglich hochgewirbelt. Die Sachverständigen der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, deren Arbeit "noch längst nicht" abgeschlossen ist, hatten bereits am Tag nach dem Unfall einen technischen Defekt ausgeschlossen.

Der Pilot beschreibt in seinem Brief auch seine beiden Tauchversuche, mit denen er den in der Maschine zurückgebliebenen Notarzt retten wollte. Ihm sei es nicht gelungen, die Tür des auf dem Grund des Kanals liegenden Hubschraubers zu öffnen. Der Pilot und der Sanitäter hatten sich befreien und ans Ufer schwimmen können.

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