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08.06.2000

11:41 Uhr

Untergrundorganisation 17. November verübt neues Attentat

Britischer Militärattache in Athen erschossen

Der britische Militärattache in Griechenland ist am Donnerstag bei einem Attentat in Athen getötet worden. Wie das Ministerium für öffentliche Ordnung mitteilte, wurde Brigadegeneral Stephen Saunders am Vormittag auf der Fahrt zum Dienst von zwei Männern auf einem Motorrad niedergeschossen. Dreieinhalb Stunden später erlag der Diplomat in einem Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

ap/afp ATHEN. Wie die Behörden mitteilten, wurde der Militärattache bei dem Attentat nördlich des Stadtzentrums von Schüssen aus einer großkalibrigen Waffe in Kopf und Brust getroffen. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht und sofort operiert. Die beiden Attentäter flohen nach der Tat.

Die Untergrundorganisation 17. November hat sich zu dem Attentat bekannt. Saunders habe eine entscheidende Rolle bei den Bombenangriffen der NATO auf Ziele in Jugoslawien im vergangenen Jahr gespielt, hieß es in einem Brief der Organisation an die in Athen erscheinende Zeitung "Eleftherotypia". Die Rolle der britischen Regierung während der Bombardements sei noch provokanter gewesen als die der USA, hieß es in dem Schreiben.

Die Organisation, die im Verdacht steht, seit 1975 in Griechenland 23 Griechen und Amerikaner ermordet zu haben, beschuldigte die griechische Regierung, sich ungeachtet der traditionellen Freundschaft zu Serbien aktiv an den Angriffen beteiligt zu haben.

Die Gruppe 17. November benennt sich nach dem Datum einer Studentenrevolte im Jahr 1973 gegen das damalige Militärregime. Die Terrorgruppe hat sich seit 1975 zu 21 Attentaten bekannt, die häufig nach ähnlichem Muster wie die Tat vom Donnerstag abliefen. Noch nie wurde ein Mitglied der Organisation gefasst. Die USA haben Griechenland mehrfach zu einem härteren Vorgehen gegen den Terrorismus aufgefordert. Vor allem soll das Land einen Sicherheitsplan für die Olympischen Spiele 2004 vorlegen. Das Attentat vom Donnerstag ereignete sich nahe des Hauptstadions. Griechenland wies die Kritik des Auslands stets zurück.

Die lange Liste der Attentate der Gruppe 17. November

Den Anschlägen der griechischen Terroristenvereinigung "Gruppe 17. November" sind in den vergangenen 25 Jahren zahlreiche Menschen zum Opfer gefallen. Auch das tödliche Attentat auf den britischen Diplomaten Stephen Saunders schreibt die Polizei der Vereinigung zu. Neben den Toten gab es bei weiteren Anschlägen in der Vergangenheit zahlreiche Verletzte. AFP dokumentiert im folgenden die tödlichen Attentate.

1975: Beim ihrem ersten Anschlag tötet die Gruppe einen hohen Beamten des US-Geheimdienstes CIA.

1976: Ein früherer Folterer der Diktaturzeit wird umgebracht.

1980: Ermordung des stellvertretenden Chefs der Anti-Krawall-Gruppe der Polizei und seines Fahrers.

1983: Bei einem Anschlag sterben ein US-Marinekapitän und sein Fahrer.

1985: Ermordung des Besitzers der Tageszeitung "Apogevmatini" und seines Fahrers.

1986: Durch eine Autobombe stirbt ein Polizist.

1988: Ermordung des Industriellen Alexandros Athanasiadis; tödlicher Anschlag auf den US-Militärattaché William Nordeen.

1989: Die Gruppe ermordet einen Prokuristen und bei einem weiteren Anschlag stirbt der konservative Abgeordnete Pavlos Bakogiannis.

1991: Ermordung eines US-Offiziers; bei zwei weiteren Anschlägen werden der der Presse-Attaché der türkischen Botschaft und ein Polizist getötet.

1994: Der griechische Großbankier Michalis Vranapolus wird ebenso Opfer der Gruppe wie ein türkischer Diplomat.

1997: Ermordung des Waffenhändlers Costas Peratikos.

8. Juni 2000: Der britische Militär-Attaché Stephen Saunders wird auf dem Weg zur Arbeit in Athen von zwei Motorradfahrern erschossen. Zunächst bekennt sich die Gruppe nicht zu dem Anschlag.

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