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13.01.2003

08:17 Uhr

Unternehmen fürchten Druck der Aktionäre und Schwächung ihrer Finanzkraft

IT-Konzerne zögern mit Dividendenzahlung

Lange galt es bei amerikanischen IT-Konzernen als unchic, eine Dividende zu zahlen. Das könnte sich ändern, wenn die Ausschüttungen nicht mehr doppelt besteuert werden. Doch die Konzerne zögern.

siri SAN FRANCISCO. Dividenden zu zahlen ist bei Unternehmen der US-Technologiebranche so out wie das Tragen spießiger Anzüge. Das könnte sich jetzt ändern: Der Plan von US-Präsident George W. Bush zur Belebung der Wirtschaft sieht vor, dass Investoren auf Dividenden künftig keine Steuer mehr zahlen müssen. Damit wird die bei den Hight-Tech-Firmen bislang verpönte Form der Gewinnausschüttung unvermittelt attraktiv.

Während des Booms der späten 90er Jahren lockten die Technologiefirmen Investoren mit rapide steigenden Aktienkursen statt Dividenden. Doch mit der Krise der Technologiebranche und dem drastischen Rückgang der Kurse schlug auch die Stimmung um: Die Investoren wollten Geld sehen. So forderten die Aktionäre des Netzausrüsters Cisco Systems im November eine Dividendenzahlung. Der Verwaltungsrat lehnte ab. Begründung: Wegen der doppelten Besteuerung der Dividenden sei die Ausschüttung wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Tatsächlich müssen in den USA auf Dividenden doppelt Steuern gezahlt werden. Die Unternehmensgewinne, aus denen Ausschüttungen gezahlt werden, sind steuerpflichtig, und Anleger müssen Dividenden noch einmal als Wertpapiergewinne versteuern. Bisher zahlen nur 38 der 265 im S&P 500 notierten Technologiefirmen eine Dividende - darunter der Computerkonzern IBM und der Chiphersteller Intel.

Doch die Steuer ist nicht der einzige Grund, warum sich Firmen wie Microsoft, Dell, Oracle, E-Bay und Cisco gegen die Zahlungen sträubten. Viel Firmen nutzen das Geld für Aktienrückkäufe, Akquisitionen und Innovationen. So verhindern etwa Aktienrückkäufe, dass der Aktienkurs durch das Ausüben der in der Branche als Bezahlung für Mitarbeiter so populären Aktienoptionen verwässert wird. Zudem kaufen Unternehmen oft Aktien zurück, wenn sie den Kurs für zu niedrig halten. "Dadurch erzielen wir eine bessere Rendite als durch Dividenden", sagt ein Sprecher von Dell. Auch Unternehmensübernahmen könnten mehr Shareholder Value bieten als Dividendenzahlungen. Rick White, Vorstandschef von Technet, einer Lobbyistenorganisation im Silicon Valley, ergänzt: "High-Tech-Firmen versuchen, die Technologie der nächsten Generation zu finden. Und dafür brauchen sie jeden Cent, den sie bekommen können."

An Geld für eine Ausschüttung mangelt es scheinbar nicht: Insgesamt verfügen die Technologieunternehmen über rund 80 Mrd. $ an flüssigen Mitteln - allerdings sehr ungleich verteilt. Allein der Softwarekonzern Microsoft hat mehr als 40 Mrd. $ in bar, bei Cisco sind es 21 Mrd. $. Weder Cisco noch Microsoft wollen ihre Politik kurzfristig ändern. "Unser Finanzkomitee beschäftigt sich regelmäßig mit dem Thema", sagt eine Microsoft-Sprecherin. "Unsere aktuelle Position ändert sich durch den Wirtschaftsplan Bushs nicht."

Anders bei Oracle: Finanzvorstand Jeff Henley deutete auf einer Analystenkonferenz an, der Konzern denke über eine Zahlung nach. Eine Entscheidung müsse aber vom Verwaltungsrat getroffen werden. Auch Dell hat keine konkreten Pläne, doch das Unternehmen will die steuerlichen Neuerungen berücksichtigen.

Möglicherweise müssen sich die Firmen aber gar nicht für oder gegen eine Dividende entscheiden. Bushs Plan sieht auch vor, dass die Aktionäre die Dividenden als Kredite im Unternehmen lassen können. Diese könnten sie als Kosten gegen künftige Wertpapiergewinne verrechnen und so Steuern sparen.

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