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05.02.2013

11:50 Uhr

38.000 Wohnungen in Dresden

Gagfah behält sein Tafelsilber

Das Immobilienunternehmen Gagfah wird seine rund 38.000 Wohnungen in Dresden nicht verkaufen. Die einst für den Kauf aufgenommenen Schulden werden stattdessen refinanziert. Die Anleger atmen auf.

Gagfah-Wohnhaus in Dresden: Der Immobilienkonzern hat den Verkauf abgeblasen. dpa

Gagfah-Wohnhaus in Dresden: Der Immobilienkonzern hat den Verkauf abgeblasen.

DresdenDie monatelange Hängepartie ist vorbei: Der Immobilienkonzern Gagfah bläst den milliardenschweren Verkauf seiner 38.000 Dresdner Wohnungen ab. Denn es hat sich eine Bank gefunden, die zur Refinanzierung der auf dem Paket lastenden Schulden von gut einer Milliarde Euro bereit ist, wie Gagfah mitteilte. Die Verträge sollen in Kürze unter Dach und Fach gebracht werden. Den Namen des Geldhauses nannte das Unternehmen nicht. Einem Insider zufolge handelt es sich um die Bank of America. Damit ist einer der größten Immobiliendeals in Deutschland in diesem Jahr vom Tisch.

„Die Refinanzierung ist die bessere Alternative“, erklärte Gagfah-Chef Stephen Charlton am Dienstag. So werde der größte Wert für die Aktionäre geschaffen. Anleger sahen das offenbar ähnlich: Die Gagfah-Aktie legte um fast zwei Prozent zu und entwickelte sich damit deutlich stärker als der Nebenwerteindex MDax. Mit 9,31 Euro notiert sie aber weiter deutlich unter dem Nettovermögenswert (NAV), den Gagfah per Ende September mit 13,15 Euro je Aktie angab. Diese Lücke zu schließen und damit zu den Konkurrenten aufzurücken, bleibt die größte Aufgabe für den Konzern 2013.

Die Entscheidung gegen den Verkauf des Dresden-Pakets hatte sich seit längerem abgezeichnet, wie Reuters bereits im Januar berichtete. Die sogenannten Woba-Gesellschaften, die früher in kommunaler Hand waren und seit 2006 zum Konzern gehören, sind das Tafelsilber der Gagfah. Die gut vermieteten Plattenbauten machen etwa ein Viertel des gesamten Portfolios aus und stehen mit 1,8 Milliarden Euro in den Büchern. Mit dem Verkauf hätte der Konzern zwar endgültig einen Haken hinter die zurückliegenden Rechtsstreitigkeiten mit der Stadt setzen können. Doch wäre die Gagfah so stark geschrumpft, dass sie ihren Titel als größte börsennotierte Wohnungsgesellschaft in Deutschland verloren hätte.

Charlton hatte Berichte über einen Notverkauf zwar stets zurückgewiesen. Doch die Veräußerung der Dresdner Wohnungen wurde mit Hilfe der Investmentbank Leonardo konkret durchgespielt, weil der Woba-Kredit im Mai ausläuft und sich die Gespräche mit den Banken hinzogen. Käufer hätte es gegeben: Zu den Interessenten zählte etwa die expansionshungrige Berliner Konkurrentin Deutsche Wohnen, die nun leer ausgeht. Charlton sprach von "attraktiven" Offerten für das Paket. Aus Verhandlungskreisen verlautete, die Angebote hätten nahe am Buchwert gelegen.

So viel geben die Deutschen für Miete aus

Hamburg

2008: 19,6 Prozent*
2009: 20,5 Prozent
2010: 20,1 Prozent
2011: 20,7 Prozent
2012: 21,7 Prozent

* Anteil des Nettoeinkommens, der für Miete inklusive Nebenkosten aufgewendet werden muss.

Quelle: IVD / Statistisches Bundesamt

Hannover

2008: 17,1 Prozent
2009: 17,7 Prozent
2010: 18,0 Prozent
2011: 18,8 Prozent
2012: 20,0 Prozent

Düsseldorf

2008: 17,9 Prozent
2009: 17,9 Prozent
2010: 18,4 Prozent
2011: 19,0 Prozent
2012: 19,0 Prozent

Köln

2008: 20,1 Prozent
2009: 20,1 Prozent
2010: 19,5 Prozent
2011: 20,1 Prozent
2012: 20,3 Prozent

Dortmund

2008: 16,9 Prozent
2009: 16,9 Prozent
2010: 16,7 Prozent
2011: 16,8 Prozent
2012: 16,9 Prozent

Frankfurt

2008: 21,1 Prozent
2009: 21,1 Prozent
2010: 21,0 Prozent
2011: 21,1 Prozent
2012: 21,9 Prozent

Stuttgart

2008: 21,5 Prozent
2009: 21,5 Prozent
2010: 20,9 Prozent
2011: 21,0 Prozent
2012: 22,3 Prozent

München

2008: 21,8 Prozent
2009: 22,4 Prozent
2010: 21,8 Prozent
2011: 22,6 Prozent
2012: 23,5 Prozent

Nürnberg

2008: 19,4 Prozent
2009: 18,1 Prozent
2010: 18,5 Prozent
2011: 18,9 Prozent
2012: 19,3 Prozent

Berlin-West

2008: 21,6 Prozent
2009: 21,6 Prozent
2010: 21,5 Prozent
2011: 21,8 Prozent
2012: 22,7 Prozent

Dass eine einzige Bank eine Milliardensumme refinanziert, ist ungewöhnlich. Viele Institute meiden seit der Finanzkrise Klumpenrisiken und backen in der Immobilienfinanzierung nur noch kleinere Brötchen. Für die Gagfah, die mehrheitlich dem US-Finanzinvestor Fortress gehört, hat das Zittern aber auch nach der Woba noch kein Ende, denn auf Konzernebene ist das Unternehmen ebenfalls hoch verschuldet und muss einen Teil der Darlehen 2013 refinanzieren. Charlton hofft nun, mit neuem Schwung in die Verhandlungen zu gehen.

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