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06.11.2013

13:15 Uhr

Abberufung von Commerzbank-Vorständen

Die neue Macht der Gutachten

VonAlexander Möthe

Nun steht es fest: Bei der Commerzbank müssen neben vielen Mitarbeitern auch zwei Vorstände gehen. Bei so heiklen Schritten sichern sich Firmen und Manager immer häufiger per Gutachten ab – nicht immer mit Erfolg.

Zentrale der Commerzbank in Frankfurt: Unternehmen und Manager sichern sich bei Entscheidungen immer häufiger per Gutachten ab. Reuters

Zentrale der Commerzbank in Frankfurt: Unternehmen und Manager sichern sich bei Entscheidungen immer häufiger per Gutachten ab.

DüsseldorfDie Commerzbank muss sich gesund schrumpfen. Bis Ende 2016 sollen bei Deutschlands zweitgrößter Bank rund 5200 Vollzeitstellen wegfallen. Die Führung setzt die Axt nicht nur bei den Mitarbeitern an, auch Direktoren und sogar Vorstände sollen gehen, wie der Aufsichtsrat der Bank nun beschlossen hat. Betroffen sind die Vorstände Ulrich Sieber und Jochen Klösges. Die kolportierte Intention: Wenn an der Basis gespart wird, gibt es auch bei den neun Vorstandsmitgliedern Streichpotenzial.

Vor allem, wenn die zwei auch für die „Bad Bank“ zuständig sind, ein per Definition auslaufendes Geschäftsmodell. Eine formale Abberufung würde der Coba eine Menge Geld bei der Abfindung sparen. Darauf bestehe der Staat, der noch 17 Prozent der Unternehmensanteile hält, heißt es aus informierten Kreisen. Am Donnerstag will das Institut Geschäftszahlen vorlegen.

So eine Abberufung birgt Zündstoff. Sieber und Klösges sollen nicht gehen, weil sie Verluste, schlechte Geschäfte oder eine Verletzung der Corporate Governance zu verantworten hätten. Im Gegenteil, die Vorstände sind für die interne Abbaubank zuständig und diese hat im ersten Halbjahr 2013 die Ertragsvorgaben der Chefetage mit einer Quote von 124 Prozent klar übererfüllt, so die WirtschaftsWoche. „Jochen Klösges und Ulrich Sieber haben sich in vielen Jahren bei der Commerzbank große Verdienste für die Bank erworben. Ich danke beiden – auch im Namen der Aufsichtsratsmitglieder – für ihren außerordentlichen Einsatz und ihre hohe Loyalität“, lobt Klaus-Peter Müller, Vorsitzender des Aufsichtsrats, laut einer Mitteilung die beiden Vorstände.

Klösges hat ein anderweitiges, lukratives Angebot vorliegen und verzichtet auf eine Konfrontation. Er wird ab 1. April 2014 in die Geschäftsleitung der E.R. Capital Holding des Unternehmers Erck Rickmers eintreten und ab 1. Juli die Leitung übernehmen. Bei Sieber liegt der Fall anders. Nutzte Coba-Chefaufseher Klaus-Peter Müller bei einfacher Mehrheit sein doppeltes Stimmrecht, um die Abberufung gegen die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat durchzusetzen, sitzt Sieber juristisch am längeren Hebel. Ob und wie der Aufsichtsrat den Vorstand dennoch abberufen kann, sollen juristische Gutachten zeigen.

Immer häufiger holen sich Aufsichtsräte und Vorstände zu potenziellen Streitfragen die rechtliche Expertise von Kanzleien und Beratungsgesellschaften ein. So ließ sich etwa Gerhard Cromme, ehemals Aufsichtsratschef beim angeschlagenen Stahlkonzern Thyssen-Krupp, in Gutachten bescheinigen, stets seinen Kontrollpflichten nachgekommen zu sein. Das Industrieunternehmen wurde von Korruptions- und Bestechungsskandalen sowie milliardenschweren Fehlinvestitionen gebeutelt. Doch die Gutachten nutzten dem Chefkontrolleur am Ende nicht. Cromme verlor immer mehr an Rückhalt und legte schließlich sein Mandat nieder.

Schlüsselproblem bei einer Abberufung von Vorständen wie bei der Commerzbank ist die zeitliche Befristung des Arbeitsvertrags, erklärt Manuel René Theisen, Jurist und Professor für Betriebswirtschaftslehre und Coporate Governance. Vorstände haben ein auf fünf Jahre begrenztes Mandat. „Und das soll eben nicht wegen Kleinigkeiten und Nichtigkeiten angreifbar sein“, erklärt Theisen. Entsprechend schwierig sind Abberufungen aus laufenden Verträgen.

Umso überraschender, dass Coba-Chefaufseher Klaus-Peter Müller den Ausflug auf ein juristisch unsicheres Terrain wagt. Zwar sprechen beauftragte Gutachten dafür, dass die Wirtschaftlichkeit gesichert ist. Aber, so Theisen, es sei noch nie jemand auf den Gedanken gekommen, den Vorstand aus betrieblichen Gründen während der Vertragslaufzeit verkleinern zu wollen. „Der Vorstand trägt die volle Verantwortung“, sagt der Experte. Für die begrenzte Spanne ihrer Tätigkeit werden sie nicht nur gut entlohnt, sondern auch mit der Sicherheit ausgestattet, die Stelle nur bei eigenen Verfehlungen vorzeitig einbüßen zu können.

Ohne gewichtigen Grund kann kein Vorstand abberufen werden. Der liegt aus juristischer Sicht in diesem Fall nicht vor, ist sich Theisen sicher. Weder der Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank noch das beauftragte Gutachten bescheinigen den Vorständen ein Fehlverhalten. Und dort beginnt das Neuland.

Kommentare (4)

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Mazi

06.11.2013, 13:48 Uhr

Der Fall beschreibt einmal mehr wie schlecht die Commerzbank geführt wurde und wird.

Es folgt eine Klatsche nach der anderen. Vielleicht sollte man sich einmal den Namen Müller näher ansehen.

KICKbacks

06.11.2013, 15:55 Uhr

diese gefälligkeitsgutachten zu lasten der aktionäre sollen feigen ,inkoimpetenten und entscheidungsschwachen vorständen später juristischen ärger ersparen.

eingeredet bekommen diese vorstände dies von ihren beratern,die damit ne weitere abkassierebene auftun

noch erbärmlicher sind berater wie norbert essig,die ihren mandanten z.b. dem lbbw vorstand vetter oder auch ehemals harald christ wie die laus im pelz sitzen und sie und ihre arbeitgeber schröpfen und wenns streß gibt die üble nachrede auftischen

blessing is nicht alleine.....

herrdoll

07.11.2013, 13:16 Uhr

das schöne ist, egal was die Commerzbank tut, es wird schlecht geredet - endlich wird auch mal bei der Führungsmannschaft gekürzt - was langfristig auch den Aktionären nützt - und ein Signal an die Mannschaft/Basis ist - vermutlich haben Sie Jahrzente lang erfolgreich eine Bank geführt und in einer Krise saniert - Glückwunsch

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