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23.09.2015

08:09 Uhr

Abenteuer Führung

Lässt sich Chefsein lernen?

VonCarina Kontio

Allzu oft nehmen gute Leute den ersten Führungsjob an, ohne zu wissen, was er mit sich bringt. Der Jubel über den Aufstieg auf der Karriereleiter ist noch nicht ganz verklungen, da lauern schon die ersten Zerreißproben.

Zum Haare raufen: Zwei von fünf neuen Führungskräften versagen innerhalb der ersten zwei Jahre. Die Ursache dafür liegt meistens in gravierenden Fehlern während der ersten Jahre. Getty Images

Albtraum Führung?

Zum Haare raufen: Zwei von fünf neuen Führungskräften versagen innerhalb der ersten zwei Jahre. Die Ursache dafür liegt meistens in gravierenden Fehlern während der ersten Jahre.

DüsseldorfUnvorbereitet auf den Chefsessel: All zu oft werden gute Leute ins kalte Wasser einer Führungsaufgabe geworfen, um zu sehen, ob sie schwimmen oder nicht. Entweder sie sind fachlich brillant und menschlich eine Katastrophe oder sie sind eigentlich noch gar nicht bereit für die neue Position. Mal schlägt den Youngstern das Misstrauen von Mitarbeitern entgegen, mal werfen ihnen Führungskollegen Knüppel zwischen die Beine. Viele angehende Chefs ahnen leider nicht, was sie alles in der neuen Position erwartet.

Einer, der in dieser Situation Abhilfe schaffen und Orientierung geben will, ist der Führungskräftetrainer Mario Neumann, dessen Buch „Abenteuer Führung - Der Survival Guide für den ersten Führungsjob“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist.

Ich muss ehrlich sein: Beim Aufschlagen des Skriptes zum Buch, das wir Journalisten oft schon Wochen vor der Veröffentlichung erhalten, habe ich erstmal so ein Unigefühl. Kennen Sie das auch? Dieses Gefühl, wenn sich das Inhaltsverzeichnis mit seinen unzähligen Unterpunkten auf zehn Seiten erstreckt, das unmissverständlich klar macht: hier ist volle Konzentration gefordert. Seichte Strandlektüre gibt’s woanders. Ich kremple also die Hemdsärmel hoch, lege Leuchtmarker, Notizblock und Post-its parat und los geht’s.

Die sieben Etappen des ersten Führungsjobs

1. Etappe

Die erste Etappe widmet sich dem Aufbruch in die neue Führungsaufgabe. Es geht darum, sich nicht mit einem großen „Hurra” blindlings ins Abenteuer zu stürzen, sondern sich zunächst zu fragen: Bin ich bereit für die neue Führungsaufgabe?

2. Etappe

Mit der Übernahme der Führungsrolle überschreiten Sie die Schwelle vom Mitarbeiter zur Führungskraft. Damit beginnt die zweite Etappe - und mit ihr das Abenteuer Führung. Sie sind nun bereit, allen Konsequenzen ins Auge zu schauen, die sich aus Ihrer in den folgenden Tagen und Wochen ergeben.

3. Etappe

Mit der dritten Etappe ist die Schonzeit der ersten 100 Tage vorbei. Die ersten wirklichen Bewährungsproben stehen an. Sie lernen die Regeln einer neuen Welt kennen, suchen treue Gefährten, gewinnen Verbündete - und werden sich Feinde machen. Es lauern Gefahren, die es rechtzeitig zu erkennen gilt.

4. Etappe

Die vierte Etappe widmet sich Ihrem Team, das Sie nun auf den Prüfstand stellen: Wer sind die Leistungsträger? Auf wen können Sie zählen? Ziel ist, ein schlagkräftiges Team zu formen, das an einem Strang zieht. Zugleich geht es darum, für die Mitarbeiter ein motivierendes Arbeitsumfeld zu schaffen.

5. Etappe

Mit der fünften Etappe blicken Sie nach vorne. Nachdem Sie sich als Führungskraft freigeschwommen haben und mittlerweile das tägliche Geschäft beherrschen, richten Sie Ihr Augenmerk auf die Zukunft: Wie soll sich Ihr Bereich weiter entwickeln, wie kann er sich im Unternehmen erfolgreich positionieren? Hierzu stellen Sie einen Plan auf und mobilisieren die erforderlichen Kräfte, um ihn umzusetzen.

6. Etappe

Nun passiert, was passieren muss: Nicht alles läuft nach Plan, früher oder später gibt es Schwierigkeiten und erste Rückschläge. In der sechsten Etappe sehen Sie sich mit eskalierenden Konflikten, Hiobsbotschaften und falschen Entscheidungen aus dem Management konfrontiert. Jetzt kommt es darauf an, die Rückschläge wegzustecken und die Schwierigkeiten souverän zu meistern.

7. Etappe

Auf der siebten Etappe erwartet Sie ein wirklicher Härtetest. Das Unternehmen gerät in eine Krise. Sie hetzen von einer Krisensitzung zur nächsten, ein Klima der Verunsicherung breitet sich aus. Jetzt wird die Führungsaufgabe zu einer echten Herausforderung. Es zeigt sich, ob Sie auch in stürmischen Zeiten einen kühlen Kopf bewahren.

Quelle

In seinem 376 Seiten starken Buch, auf dessen gebundener Ausgabe später ein Wolfskopf prangen wird, widmet sich Neumann all den komplizierten Herausforderungen die auf einen Mitarbeiter lauern, wenn er seine erste Führungsarbeit übernimmt. Wenn auf einmal Vorgesetzte, Mitarbeiter, aber auch Familie und Freunde zahlreiche neue Anforderungen stellen – und die Gefahr sehr groß ist, den Überblick zu verlieren und schon nach wenigen Monaten zu scheitern.

Die ersten 100 Tage als Chef, Kommunikation in der Krise, der richtige Umgang mit falschen Leuten im Team oder die Schwierigkeit, den Schatten des Vorgängers abschütteln: für solche (und noch viel mehr) brenzlige Situationen will Neumanns Buch, so erfahre ich in der Einleitung, ein Navigationsinstrument sein und zeigen, wie das Überleben im Dschungel der Führung gelingen kann. Er will es. Und ich sage Ihnen was: Er kann es auch.

Dem Autoren ist nämlich hier auf eine besonders eingängliche und anschauliche Weise gelungen zu vermitteln, worauf es im Führungsalltag wirklich ankommt. Schon nach den ersten Seiten ist das eingangs beschriebene Unigefühl verflogen und Neugierde macht sich breit. Über mehre Tage schleppe ich das dicke Skript im DIN-A4-Format vom Sofa mit in die Küche, um weiter darin zu lesen, nehme es mit in die Straßenbahn und lese auch noch nach der Arbeit auch auf dem Nachhauseweg im Regionalexpress darin herum. Es ist einfach zu beeindruckend, wie viele verschiedenen Themen Neumann hier einbezogen hat – und zwar, ohne sich dabei zu verzetteln.

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