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21.09.2011

12:28 Uhr

Abgabe der Souveränität

Commerzbank-Chef fordert mehr Europa

„Das Projekt einer Währung ohne politische Union ist gescheitert“, erklärt Commerzbank-Chef Blessing und plädiert dafür, mehr nationale Rechte an die EU abzutreten. Zudem müsse der EFSF-Rettungsschirm aufgestockt werden.

Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank AG, Martin Blessing, fordert für „mehr Europa“. dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank AG, Martin Blessing, fordert für „mehr Europa“.

FrankfurtCommerzbank-Chef Martin Blessing hält für einen dauerhaften Erhalt des Euro die Abgabe nationaler Souveränitätsrechte an die EU für unabdingbar. „Wir brauchen jetzt mehr Europa“, sagte der Manager am Dienstagabend beim Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW) in Frankfurt. „Das Projekt einer Währung ohne politische Union ist gescheitert.“

Einzige Alternative zu einer größeren Integration wäre laut Blessing, dass die Euro-Länder wieder zu nationalen Währungen zurückkehrten. Das hätte für Deutschland aber dramatische Folgen. „Die deutsche Währung würde 30 Prozent aufwerten und die Exportwirtschaft schwer belasten.“

Bis zu einer stärkeren politischen Integration Europas brauche es Überbrückungsmaßnahmen, um Zeit zu gewinnen sagte Blessing. Dazu gehöre auch, dass der geplante Euro-Rettungsschirm EFSF deutlich aufgestockt werden müsse, um angeschlagenen Staaten zu helfen. Damit könnte dann auch die Europäische Zentralbank (EZB) vom Kauf von Staatsanleihen entlastet werden.

Kernproblem für Europa ist für den Commerzbank-Chef derzeit Italien. Blessing äußerte sich optimistisch, dass das Land sich selbst retten kann. „Italien muss nur wollen.“ Die jüngste Bonitätsabwertung durch die Ratingagentur S&P mache ihm keine großen Sorgen, sagte Blessing. Er verstehe dies vielmehr als „Weckruf“.

Keine Alternative ist nach Ansicht Blessings die Gründung einer Art Nord-Euro. Denn dafür müsste zunächst die Frage geklärt werden, ob Frankreich dazu gehört. „Ein Gemeinschaftswährung ohne Frankreich macht aber keinen Sinn.“

Ob Griechenland auch bei einem Zahlungsausfall weiter zur Eurozone gehören solle, ließ Blessing offen. Er betonte aber, dass Griechenland außerhalb des Euro im Fall einer Insolvenz zumindest Herr des Verfahrens sein könne. Zugleich warnte Blessing davor, dass die Folgewirkungen für einen Ausfall Griechenlands nicht abzusehen seien.

Der Manager stellte die enge Verquickung von Staaten und Banken heraus. Bis zu 30 Prozent der Anleihen der Länder lägen bei den Banken. Die Institute nutzten die Papiere bislang als sichere Liquiditätsreserve. Sollten die Banken künftig für Staatsanleihen Eigenkapital als Sicherheit vorhalten müssen, werde das eine Verkaufswelle bei den Bonds auslösen. Staaten hätten es noch schwerer, sich zu finanzieren, warnte Blessing. Die Commerzbank selbst baue seit zwei Jahren Staatsanleihen - auch deutsche - kräftig ab.

Die Anlagen in Staatspapieren seien von einst 180 Milliarden auf inzwischen unter 100 Milliarden Euro gesenkt worden.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Struppi

21.09.2011, 12:47 Uhr

wenn Europa eines braucht dann auf jedenfall keine Blessings.

Account gelöscht!

21.09.2011, 12:47 Uhr

"Das hätte für Deutschland aber dramatische Folgen. „Die deutsche Währung würde 30 Prozent aufwerten und die Exportwirtschaft schwer belasten.“"

Schön, dass die Exportwirtschaft ein bisschen gdrosselt wird, unsere Nachbarn werden die Abkehr vom Exportwahn begrüßen. Die Binnenkaufkraft der kleinen Leute würde jedenfalls gestärkt, insofern ist es Unsinn, dass ganz Deutschland leiden würde.

Davon abgesehen, ist die schwarz-weiß-Malerei irreführend. Das Fetshalten am Maastricht-Vertrag ist ja noch keine Rückkehr zur DM oder haben Waigel und Kohl wirklich so großen Murks gebaut, dass der Maastricht-Euro von Anfang an eine lebensunfähige Missgeburt war? Und wie soll dieses mehr Europa konkret aussehen, wo doch die Länder eben so grundverschiedene Voraussetzungen und Vorstellungen haben? Kann das, was Blessing meint, in der Praxis überhaupt etwas anderes sein als die Selbstaufgabe Deutschlands oder eine Europa des kliensten gemeinsamen Nenners mit allen Folgen (Sozalabbau in Deutschland, Inflation, Zentralismus, Planwirtschaft uws.)? Fragen über Fragen aber nur leere Worthülsen der "Eliten".

StaatsbankCoBa

21.09.2011, 12:49 Uhr

"Die deutsche Währung würde 30 Prozent aufwerten und die Exportwirtschaft schwer belasten."

30 % aufwerten - JA (und das ist gut so!)
Exportwirtschaft schwer belasten - NEIN (reines - nie belegtes - Scheinargument)

Ich freue mich auf die Zeit ohne Euro. Reisen werden billiger, Importe werden billiger, alles wird billiger (auch die Gastronomie - oder zahlt etwa jemand 7 DM für eine Latte Macciato? ;-))
Unsere Exportindustrie ist gegehrt weil sie gut ist, nicht weil sie billig ist!

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