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07.12.2012

14:39 Uhr

Ableger in Luxemburg

Wie Amazon sich ums Steuerzahlen drückt

Rund zwei Milliarden Euro hat der Online-Versandhändler in den vergangenen Jahren steuerfrei angespart. Geholfen hat dabei eine Niederlassung in Luxemburg, drei Tochterunternehmen – und Umverteilung von Betriebsvermögen.

Amazon spart mit einem geschickten System Steuern. Reuters

Amazon spart mit einem geschickten System Steuern.

LondonIm Jahr 2005 zog der neue Mieter in das fünfstöckige Gebäude im malerischen Luxemburger Stadtteil Grund ein. In dem historischen Altbau am Ufer der Alzette residierte fortan ein Ableger des weltgrößten Internet-Händlers Amazon. Ins Großherzogtum war der milliardenschwere US-Konzern allerdings nicht gekommen, um dort Bücher, CDs und andere Waren zu verkaufen, sondern um Steuern zu sparen. Niemand wirft dem Web-Giganten vor, seine Gewinne in Europa illegal durch Luxemburg in die USA geschleust zu haben – gleichwohl gingen dem Fiskus Hunderte von Millionen Euro verloren, die Amazon ohne die geschickte Steuergestaltung hätte zahlen müssen. Wie das System Amazon funktioniert, zeigen Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters in sechs Ländern.

Der Online-Pionier ist kein Einzelfall. Auch andere global agierende Konzerne wie der Kaffee-Riese Starbucks nutzen Schlupflöcher in Europa, um sich in ihrer Heimat arm zu rechnen. Der Widerstand gegen dieses Finanzgebaren wächst nicht nur in Europa – schließlich werden die Amazon-Waren über Straßen transportiert, für die andere Steuern bezahlt haben. Auch in den USA wird der Ton rauer. So spricht der demokratische US-Senator Carl Levin offen von „Tricksereien“.

Nach den Reuters-Recherchen ist es Amazon.com gelungen, mit Hilfe seiner Luxemburger Firmen-Konstruktion rund zwei Milliarden Dollar steuerfrei beiseitezulegen – Geld, das nun für die Expansion der Firma genutzt wird. 2011 offenbarte Amazon, dass die US-Bundessteuerbehörde IRS eine Nachzahlung von 1,5 Milliarden Dollar fordert. Eine Stellungnahme zu den Vorgängen lehnte die Firma ab. Schriftlich erklärte ein Sprecher lediglich: „Amazon bezahlt alle anfallenden Steuern in allen Ländern, in denen wir aktiv sind.“

Um das System Amazon zu verstehen, muss man ins Jahr 1998 zurückspringen, als der Konzern Online-Geschäfte in Deutschland und Großbritannien übernahm. 2000 kam Frankreich dazu. Zunächst wurde wenig unternommen, um die neuen Ableger in den Konzern zu integrieren, wie frühere leitende Angestellte sagen. Selbst der Einkauf, in dem Amazon später mit seiner Marktmacht enormen Druck auf Lieferanten ausübte, wurde in den unterschiedlichen Märkten individuell geregelt. Ende 1999 wurde dann der Geschäftszweck der britischen Tochter von „Vermarktung und Verkauf von Büchern über das Internet“ in „Bereitstellung von Dienstleistungen für andere Unternehmungen der Gruppe“ geändert: Wer fortan auf „Amazon.co.uk“ einkaufte, trat in eine Geschäftsbeziehung mit der US-Tochter mit Sitz in Delaware.

Die besten Zitate von Amazon-Gründer Jeff Bezos

Die Legende

Jeff Bezos ist eine der spektakulärsten Manager-Persönlichkeiten der Welt. Die Lebensgeschichte des Amazon-Gründers bietet eine unglaubliche Vielfalt und zahlreiche interessante Erzählungen. Der Top-Journalist und Bestsellerautor Richard L. Brand hat die Biografie in seinem Buch „Mr. Amazon“ (Ambition Verlag) aufgeschrieben. Die besten Zitate von Bezos finden sich auch darin und folgen nun.

Über das Landleben

„Wenn man eines beim Landleben lernt, dann ist es, sich auf sich selbst zu verlassen. Die Leute dort machen alles selbst. Und diese Eigenständigkeit kann man lernen.“

Über seine Beziehung zu Frauen

„Ich bin nicht der Typ, bei dem Frauen eine halbe Stunde nach dem Kennenlernen sagen: 'Wow, der ist klasse.' Ich bin eher albern und nicht ... also jedenfalls nicht so, dass irgendeine Frau über mich sagen würde: 'Oh mein Gott, genau so einen habe ich gesucht.'"

Über seinen ersten Job bei McDonalds

„Heute heben sich die Pommes selbst aus der Friteuse – und das, glauben Sie mir, ist ein echter technischer Fortschritt.“

(Bezos jobbte mit 13 Jahren in den Sommerferien für die Fast-Food-Kette und machte umgehend Vorschläge zur Optimierung der Abläufe)

Über seinen leiblichen Vater, den er nicht kannte

„Die einzigen Male, die er überhaupt Thema wird, sind die, wenn ich beim Arzt nach meiner Krankengeschichte gefragt werde. Dann kreuze ich eben 'unbekannt' an.“

Über Sturheit

„Wenn etwas kaputt ist, machen wir es heil. Um etwas Neues durchzusetzen, muss man stur und zielstrebig sein, auch wenn es andere vielleicht unvernünftig finden.“

Zur Begeisterung für den Weltraum

„Der einzige Grund, aus dem ich mich für das All interessierte, besteht darin, dass mich die NASA inspirierte, als ich fünf Jahre alt war.“

Zur Wende im Lebenslauf

„Zu den wichtigsten Dingen, die mich Princeton lehrte, zählt die Einsicht, dass ich nicht klug genug bin, ein Physiker zu sein.“

(Auf der Universität änderte Bezos seine Fachrichtung und machte den Abschluss in Elektrotechnik und Informatik)

Ähnliche Änderungen gab es auch im Deutschland-Geschäft (www.amazon.de). Die schnell wachsenden Europa-Töchter wurden damit letztlich zu reinen Erfüllungsgehilfen, zuständig für den Versand von Päckchen und den Kundenservice. Diese Änderung der Struktur half bei der Lösung eines Problems zu Hause: Die 1995 gegründete Firma hatte bis 2003 in jedem Jahr Verlust gemacht. Das war in der damaligen Dotcom-Hysterie nicht ungewöhnlich, als mehr auf den Aktienkurs und das Potenzial als auf den Gewinn geschaut wurde. Ende 1999 schwoll der Verlust allerdings auf mehr als eine Milliarde Dollar an, so dass selbst die eigenen Buchhalter Zweifel bekamen, ob man die Summe jemals würde steuermindernd einsetzen können – denn es war damals völlig unklar, wann in den USA die Gewinnschwelle erreicht werden könnte.

Kommentare (4)

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Oecherjong

15.01.2013, 22:11 Uhr

Amazon weist bei Buchbestellungen keine 7% Mwst. aus, verkauft aber dennoch zum Preis gem. deutscher Buchpreisbindung. Netter Zusatzgewinn zu Lasten von vorsteuerabzugsberechtigten Käufern wie mich. Aber es gibt gottlob noch andere Buchversender, die hierzulande Steuern zahlen und in ihrer Rechnung auch ausweisen.

Baier

30.01.2013, 10:09 Uhr

Herr Steinbrück: Wo bleibt die Kavallerie?

Und ist da nicht ein bekannter Euro-Politiker an der Spitze dieses Steuerparadieses? Der uns immer zur EURO-Solidarität ermahnt? Und haben wir nicht erst vor kurzem den Sitz des ESM-Fonds nach gerade diesem Steuerparadies verlegt?

FMi

05.04.2013, 13:38 Uhr

Faktisch falsch. Amazon in Deutschland weist USt. von 7% bzw 19% aus. Bei Marketplace Anbietern hab ich so etwas schon mal erlebt aber der Vorwurf bei Amazon stimmt nicht

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