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13.02.2013

16:25 Uhr

Abschied für Tui-Chef Frenzel

„Das ist keine Aktionärsversammlung, das ist ein Gefangenentreff“

Mit dem schlechtesten Quartalsergebnis seit vier Jahren verabschiedet sich Michael Frenzel nach fast zwei Jahrzehnten von der Tui-Spitze. Aktionärsvertreter ziehen eine ungewöhnlich harte Bilanz seiner Regentschaft.

Der Vorstandsvorsitzende der Tui, Michael Frenzel, tritt ab. dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Tui, Michael Frenzel, tritt ab.

HannoverAls Michael Frenzel sein Amt antrat, war Helmut Kohl noch Bundeskanzler, Lothar Matthäus Kapitän der Nationalmannschaft und sein Unternehmen, der Mischkonzern Preussag, verdiente sein Geld überwiegend mit Bergbau und Stahl. In seinen 19 Jahren an der Spitze hat der Ex-Banker den Konzern zum mächtigen Touristik-Riesen umgebaut. Heute tritt der dienstälteste Vorstandschef eines börsennotierten Großunternehmens in Deutschland ab und übergibt den Chefsessel an den früheren Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich Joussen. Sein Abschied auf der heutigen Hauptversammlung in Hannover ist ein trauriger.

So stand im vergangenen Quartal unter dem Strich für die Tui-Aktionäre ein Verlust von 137 Millionen Euro nach 88 Millionen Euro Verlust im Vorjahreszeitraum - das schlechteste Quartalsergebnis seit vier Jahren. Nach knapp zwei Jahrzehnten an der Tui-Spitze verabschiedet sich Frenzel mit größeren Verlusten aus dem Amt. Vor allem Tourismustochter Tui Travel legt erneut schlechte Zahlen vor und auch die Reederei Hapag-Lloyd schreibt rote Zahlen. Und das obwohl der Umsatz um gut ein Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zulegen konnte. Nachdem der Konzern ein Jahr zuvor von Zinseinnahmen aus der Rettung der Container-Reederei Hapag-Lloyd und einem positiven Steuereffekt profitiert hatte, zog diesmal eine veränderte Bilanzierung von Leerflügen bei der Veranstaltertochter Tui Travel das Ergebnis nach unten.

Marken des TUI-Konzerns
1-2-FlyDr. TiggesL'TurRobinson
airtoursFOX ToursMagic LifeSensimar
AqiGebecoOFT ReisenSol y Mar
Berge & MeerGrecotelPuravidaTUI Best Family
Discount TravelGrupotelReiseleichtViverde
DorfhotelIberotelRiuWolter Reisen

Aber auch Frenzel ist an den neuerlichen Verlusten nicht unschuldig. Desöfteren steuerte er in den vergangenen Jahren um - ein Kurs, den ihm Kritiker bis heute vorwerfen. Mindestens 100 Unternehmen wurden unter seiner Führung ge- und verkauft. Um das Risiko auf dem sehr volatilen Reisemarkt abzufedern, hatte Frenzel beispielsweise einst das Schifffahrtsgeschäft von Hapag-Lloyd übernommen. Doch die Frachtströme auf den Weltmeeren erwiesen sich als ähnlich unberechenbar sind wie das Buchungsverhalten von Urlaubern. Tui baute den Anteil über die Jahre wieder ab. Heute hält die Tui noch 22 Prozent an Hapag-Lloyd und will ganz aussteigen.

Deutschlands größte Reiseveranstalter

Platz 7

Schauinsland Reisen - 701 Millionen Euro Umsatz (Stand: 2012)

Die Duisburger haben sich von einem Transportunternehmen zu einem der größten Reiseunternehmer gemausert. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 220 Mitarbeiter.

Platz 6

Aida Cruises - 1,1 Milliarden Euro Umsatz

Der Kreuzfahrtkonzern ist nicht nur der größte Arbeitgeber Mecklenburg-Vorpommerns, sondern auch einer der größten deutschen Reisekonzern. Zur Flotte des Unternehmens gehören derzeit zehn Kreuzfahrtschiffe.

Platz 5

Alltours - 1,4 Milliarden Euro Umsatz

Aus einem kleinen Reisebüro in Kleve hat Willi Verhuven einen der größten deutschen Reisekonzerne geformt. Heute sitzt die Firma in Duisburg.

Platz 4

FTI - 1,62 Milliarden Euro Umsatz

Als das Unternehmen in München gegründet wurde, konzentrierte es sich auf Reisen in den Mittelmeerraum. Inzwischen stehen über 80 Länder im FTI-Katalog.

Platz 3

Rewe-Touristik - 3,18 Milliarden Euro Umsatz

Jahn Reisen, Tjaereborg und Meier's Weltreisen - so heißen die großen Marken, die zum Rewe-Konzern gehören. Gemeinsam erwirtschaften Sie einen großen Teil des Umsatzes des Handelskonzerns.

Platz 2

Thomas Cook - 3,2 Milliarden Euro Umsatz

Durch Condor gehört das Reiseunternehmen aus London auch in Deutschland zu den größten Reiseveranstaltern.

Platz 1

Tui Deutschland - 4,47 Milliarden Euro Umsatz

Kein Touristikkonzern ist breiter aufgestellt als die Tui. Allein in Europa betreiben die Hannoveraner 3500 Reisebüros.

Andere wichtige Zukunftsprojekte wie den Ausbau der Internet-Sparte hat das Unternehmen nach Ansicht von Beobachtern in dieser Zeit verpasst. Nach 19 Jahren Regentschaft des ebenso umstrittenen wie bewunderten Manager-Urgesteins sehnt sich darum manch ein Anleger nach einem klaren Schnitt in Hannover. Sie übten teilweise scharfe Kritik.

„Das hier ist keine Aktionärsversammlung, das ist ein Gefangenentreff“, klagte Alexander von Vietinghoff-Scheel von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Seit Jahren seien die Anteilseigner gefangen in einem dividendenlosen Papier - während Vorstand und Aufsichtsrat ihre Vergütung munter heraufsetzten.

„Die Ära Frenzel war eine Regentschaft des Niedergangs“, resümierte Ingo Speich von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Seine Rede geriet am Mittwoch zur knallharten Abrechnung. Obwohl sich der Leitindex Dax seit Frenzels Amtsantritt 1994 mehr als verdreifacht habe, habe sich die Tui-Aktie in der Zeit inklusive aller Dividendenzahlungen nicht bewegt.

Speich, der die Interessen von gut vier Millionen Anlegern vertritt, nannte Frenzel einen Konzernlenker ohne Fortune, der „über zwei Jahrzehnte wie ein absolutistischer Herrscher zum Nachteil der Aktionäre schalten und walten konnte.“ Dem Nachfolger hinterlasse er kein bestelltes Haus, sondern eine riesige Baustelle. „Sie wollen jetzt aufräumen, das finden wir gut!“, rief er Joussen zu.

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