Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.06.2011

12:09 Uhr

Ackermann verliert Hoffnungsträger

Axel Wieandt wechselt von der Deutschen Bank zur Credit Suisse

VonOliver Stock, Thorsten Giersch

Er war sogar als Kronprinz von Josef Ackermann gehandelt worden, jetzt ist die Zeit von Axel Wieandt bei der Deutschen Bank zu Ende. Nach einigen Misserfolgen wechselt er ausgerechnet zur direkten Konkurrenz.

Axel Wieandt ist bald kein Deutschbanker mehr. Quelle: Reuters

Axel Wieandt ist bald kein Deutschbanker mehr.

Düsseldorf/FrankfurtAxel Wieandt verlässt die Deutsche Bank und geht zum Konkurrenten Credit Suisse. Der ehemalige Chef der Hypo Real Estate wird bei dem Schweizer Geldhaus zum 1. Juli Managing Director im Bereich Investment Banking für das Geschäft in Deutschland und Österreich.

Wieandt werde für die Betreuung von Finanzdienstleistern sowie ausgewählten Kunden aus anderen Branchen verantwortlich sein. „„Mit Axel Wieandt wechselt ein weiterer Top-Banker zur Credit Suisse in Deutschland. Mit einem so erfahrenen und bestens vernetzten Banker werden wir unsere Position signifikant verstärken und unser Momentum zusätzlich unterstützen. Die Betreuung von Finanzdienstleistern gehört zu den Kernaufgaben im Investment Banking in unserer Region“, so Michael Rüdiger, CEO Deutschland und Zentraleuropa der Credit Suisse.
Die Neueinstellung sei ein weiterer Schritt in der Strategie, die Position der Credit Suisse nachhaltig als eines der führenden Häuser auch in Deutschland und Österreich zu etablieren.

Axel Wieandt galt lange als Ziehsohn von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Mann für besondere Aufgaben. Mit diesem Ruf wechselte er vor drei Jahren zur maroden Hypo Real Estate. Ackermann dürfte ihn dahin entsandt haben, um das Milliardengrab Hypo Real Estate abzuwickeln und zu schließen.

Wo die Deutsche Bank verklagt wird

Ackermanns Versprechen

„Kein Geschäft der Welt ist es wert, dafür den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen.“ Das hat Vorstandschef Josef Ackermann 2006 gesagt. Ob diese Aussage der Realität entspricht – daran kommen angesichts der Fülle der Verfahren Zweifel auf, auch wenn diese nicht alle während Ackermanns Amtszeit „entstanden“ sind.

Risikovorstand Hugo Bänziger

Am Ende des Tages trägt natürlich Josef Ackermann die Verantwortung, aber „krumme Geschäfte“ sind per se die Aufgabe von Hugo Bänziger. Der Risikovorstand muss den Begriff „Compliance“ mit Leben füllen.

Kirch-Prozesse

Leo Kirch liegt seit Jahren mit der Deutschen Bank im Clinch. Der Medienunternehmer behauptet, dass die Äußerungen des damaligen Chefs Rolf E. Breuer für den Zusammenbruch seines Imperiums verantwortlich waren. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte ihm in einer Vorfrage einst Recht gegeben. Doch unterm Strich ist der Ergebnis der Prozesse noch offen.

Zinswetten werden zum Image-Desaster

Die Deutsche Bank hatte mit Kommunen und mittelständischen Unternehmen komplexe Geschäfte abgeschlossen. Im März fällte der BGH ein wichtiges Urteil: Das Geldhaus durfte diese so genannten CMS-Geschäfte nicht tätigen.

Probleme auch in Mailand

Wegen eines ähnlichen Falles muss sich die Deutsche Bank gemeinsam mit JP Morgan, der Depfa und der UBS in Mailand verantworten. Auch hier geht es um Zinsgeschäfte und die Frage, ob die Risikogestaltung zu Lasten der Anleger ging.

US-Regierung hat Deutsche Bank im Visier

Richtig teuer könnte es für die Deutsche Bank in den USA werden. Besser gesagt: Noch teurer, als es ohnehin schon geworden ist. Denn die US-Regierung hat das Institut Anfang Mai wegen Geschäfte mit Immobilien verklagt. Sie fordert Schadensersatz in Höhe von einer Milliarde Dollar. Die Deutsche Bank soll an Fördermittel herangekommen sein, in dem sie falsche Angaben machte.

Der Untersuchungsbericht des US-Senats

Kurz zuvor, im April, widmete der US-Senat der Deutschen Bank in einem Untersuchungsbericht ein eigenes Kapitel. Das ist kein gutes Zeichen. Der Vorwurf: Das Geldhaus hätte Hypothekenanleihen an Kunden verkauft, obwohl eigene Händler längst auf die Risiken aufmerksam gemacht hätten. Damit steht die Deutsche Bank nicht allein da – ähnliche Vorwürfe gibt es gegen mehrere Banken.

Widerrechtliche Zwangsräumungen in Los Angeles

Die Stadt Los Angeles glaubt, dass die Deutsche Bank ihren Bürgern Unrecht angetan hat. Es geht unter anderem um widerrechtliche Zwangsräumungen. Immerhin ist das Institut als Treuhänder für 2000 Wohnungen verantwortlich. Die Stadt verlangt Schadenersatz im dreistelligen Millionenbereich. Die Deutsche Bank entgegnet, dass nicht sie als Treuhänder, sondern der Kreditdienstleister zuständig gewesen sei.

New Yorker Staatsanwaltschaft prüft

Sorgen machen muss sich die Deutsche Bank unter Umständen auch wegen einer aktuellen Geschichte: Die New Yorker Staatsanwaltschaft ermittelt seit kurzem gegen einige US-Banken. Es geht um das Bündeln von Trash-Immobilienkrediten. Noch geht es also nicht um die Deutsche Bank, aber nach den bisherigen Erfahrungen könnte sich das durchaus ändern.

Ärger in Südkorea

Von der Summe her war die Zahlung an Behörden in Südkorea eher das, was man gerne auch schon mal als „Peanuts“ bezeichnet hat: Eine Strafe über 640.000 Dollar brummte die dortigen Behörden der Deutschen Bank auf. Sie hat allem Anschein nach gegen Börsenregeln verstoßen.

Parmalat-Skandal in Italien

Auch in Italien waren die Rechtsanwälte der Deutschen Bank lange beschäftigt. Hier gab es aber einen Freispruch. Der Vorwurf lautete, dass sich das Institut wie auch die Citigroup und andere Geldhäuser der Mittäterschaft beim Bilanzbetrug des Molkereikonzerns Parmalat schuldig gemacht haben sollen.

Teure Vergleiche

Üblicherweise werden in den USA Prozesse nicht bis zum bitteren Ende geführt. Oft gibt es einen Vergleich. Das ist in der Regel auch für das betroffene Unternehmen billiger und vor allem schont es die Nerven. So zahlte die Deutsche Bank im vergangenen Jahr 554 Millionen Dollar wegen eines Streits um Produkte zur Steuervermeidung.

Doch der Einsatz als Feuerwehrmann beim maroden Münchener Immobilienfinanzierer ging schief. Die Zeit war zu kurz, meinen Kritiker aus München. Nicht einmal die Gründung der Bad Bank, die einen entscheidenden Schritt zur Sanierung der Münchner Bank darstellte, wartete Wieandt ab. Sein Engagement endete im Unfrieden – es gab im Laufe seiner Amtszeit  Ärger rund um Bonuszahlungen für Mitarbeiter und einer halben Million Euro Extra-Prämie für sich selber.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

GameOver

15.06.2011, 11:09 Uhr

Ja was Napoleon schon wuste !!!

Wenn eine Regierung hinsichtlich des Geldes von den Banken abhängt, dann kontrollieren diese und nicht die Führer der Regierung die Situation, da die Hand, die gibt, immer über der Hand steht, die nimmt. Geld hat kein Mutterland; Finanziers

verfügen weder über Patriotismus noch Anstand;

ihr einziges Ziel ist der Gewinn.”

Napoleon Bonaparte

Account gelöscht!

15.06.2011, 11:52 Uhr

Bei der HRE hat er nach nicht einmal einem ganzen Jahr das
Handtuch geworfen. Allerdings hat der ca. 46-jährige, der auf Fotos wie ein Abiturient wirkt, auf eine gute Altersversorgung geachtet: Ab dem 60. Lebensjahr erhält er
für seine "lange Tätigkeit" m. W. 600.000,- Euro pro Jahr als Altersversorgung.
Das spricht doch für seine Qualitäten, ein typischer Banker.

Account gelöscht!

15.06.2011, 12:20 Uhr

Ein Versager und Blender in Nadelstreifen verlässt die Deutsche-Bank, was für ein Verlust??? Nun also die Credit Suisse, wie lange dieses Mal???

Danke

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×