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17.05.2013

15:38 Uhr

Ad-hoc-Pflicht

Bafin prüft Vorstandswechsel bei GSW

Der Vorstandswechsel beim Immobilienkonzern GSW beschäftigt nun auch die Finanzaufsicht. Die Bafin untersucht, ob die Personalie rechtzeitig gemeldet oder gegen die Ad-hoc-Pflicht verstoßen wurde.

GSW-Immobilien am Prenzlauer Berg. Das Immobilienunternehmen hat die Aufmerksamkeit der Bafin auf sich gezogen. obs

GSW-Immobilien am Prenzlauer Berg. Das Immobilienunternehmen hat die Aufmerksamkeit der Bafin auf sich gezogen.

FrankfurtDer Wohnimmobilienkonzern GSW hat den bevorstehenden Abschied seines Vorstandschefs Thomas Zinnöcker möglicherweise zu spät gemeldet. Aufsichtsratschef Eckart John von Freyend hatte schon am 13. Februar mit der Suche nach einem Nachfolger für Thomas Zinnöcker begonnen, wie er in einem Interview gesagt hatte. Doch erst am 11. März meldete die Berliner GSW, dass Zinnöcker gebeten habe, seinen Vertrag vorzeitig aufzulösen. Am gleichen Tag war die Personalie durch einen Medienbericht öffentlich geworden. „Wir werden uns das im Hinblick auf einen Verstoß gegen die Ad-hoc-Pflicht genauer anschauen“, sagte eine Sprecherin der Bonner Finanzaufsicht BaFin am Freitag. Die GSW wollte sich zunächst dazu nicht äußern.

Der Vorstand von GSW Immobilien hatte nach den Börsenregeln zwar beschlossen, Vertraulichkeit zu wahren, um die Personalie nicht veröffentlichen zu müssen, aber erst am 26. Februar. Doch John von Freyend wusste offenbar schon zwei Wochen vorher von Zinnöckers Wunsch. Mit der Nennung des Datums verteidigte er sich gegen den Vorwurf des niederländischen GSW-Aktionärs PGGM, der eine überhastete Entscheidung über die Nachfolge kritisiert hatte und den Aufsichtsratschef deshalb abberufen lassen will. „Ihre Forderungen sind unbegreiflich“, sagte John von Freyend der Agentur Bloomberg. „Der Auswahlprozess war umfangreich.“ Bernd Kottmann sei als Vorstandschef gewählt worden, weil er ein außergewöhnlicher Kandidat gewesen sei.

Kottmann war als Nachfolger gehandelt worden, noch bevor die GSW Zinnöckers bevorstehenden Rücktritt gemeldet hatte. Als die GSW seine Berufung am 18. März bestätigte, gab die Aktie nach.

Wann börsennotierte Firmen Vorstandswechsel bekanntmachen müssen, hatte im vergangenen Jahr der Europäische Gerichtshof (EuGH) klargestellt. Nach seinem Urteil müssen wichtige Personalentscheidungen nicht erst dann öffentlich machen, wenn sie bereits getroffen sind, sondern schon wenn sie vorbereitet werden und sehr wahrscheinlich sind. Dabei war es um die Klage eines Anlegers gegen den Autobauer Daimler gegangen, bei dem Berichte über den Rücktritt von Vorstandschef Jürgen Schrempp 2005 heftige Kursreaktionen ausgelöst hatten.

Von

rtr

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