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12.05.2016

14:17 Uhr

Adidas-Chef Herbert Hainer

Abschied des Lichtbringers

VonJoachim Hofer

Nach 15 Jahren an der Spitze von Adidas hat sich der dienstälteste Dax-Chef von den Aktionären verabschiedet. Herbert Hainer strich dabei reichlich Lob ein. Trotzdem bleibt für seinen Nachfolger genug zu tun.

Hauptversammlung bei Adidas

Bye, bye Adidas: Hainers letzte Hauptversammlung

Hauptversammlung bei Adidas: Bye, bye Adidas: Hainers letzte Hauptversammlung

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FürthHerbert Hainer erinnert sich noch genau: Es war der 8. März 2001, als er den Chefsessel der damaligen Adidas-Salomon AG einnahm. Zwei Monate später stand er zum ersten Mal bei der Hauptversammlung auf der Bühne der Stadthalle Fürth. An diesem Donnerstag nun wandte er sich an selber Stätte zum letzten Mal als Vorstandsvorsitzender an die Aktionäre des Turnschuh-Herstellers: Im Herbst hört der dienstälteste Chef eines Dax-Konzerns auf. Fortan wird der bisherige Henkel-Chef Kasper Rorsted das Traditionsunternehmen führen.

Sein letztes Aktionärstreffen nach 15 Jahren an der Unternehmensspitze konnte Hainer genießen. Die Kritik der Anteilseigner fiel über weite Strecken zahm aus. Aufsichtsratschef Igor Landau zollte ihm zunächst ohnehin das größte Lob, das ein Adidas-Angestellter überhaupt bekommen kann: „Adi Dassler wäre stolz, wie erfolgreich Herbert Hainer das Unternehmen geführt hat.“ Den legendären Unternehmensgründer und begnadeten Tüftler verehren sie in der Zentrale in Herzogenaurach bis heute.

Das sind die Baustellen bei Adidas

Der US-Markt

Adidas ist unter Herbert Hainer weit hinter Weltmarktführer Nike zurückgefallen. Der US-Konzern ist vor allem auf seinem Heimatmarkt übermächtig; bislang hat Adidas keinen Weg gefunden, die Herzen der amerikanischen Konsumenten für sich zu gewinnen. Doch der amerikanische Sportmarkt ist der größte der Welt, dort entscheidet sich, wer in der Branche die Trends setzt.

Reebok

Adidas hatte die Marke Reebok von der amerikanischen Ostküste 2006 geschluckt. Bis heute aber ist das Label nicht so profitabel wie die Kernmarke Adidas. Reebok wächst zwar inzwischen wieder, aber längst nicht so dynamisch wie aufstrebende Wettbewerber wie Under Armour. Es fragt sich also, ob der neue Chef Kasper Rorsted Reebok weiter Zeit gibt, um zu gesunden. Oder ob er einen Schnitt macht, wie ihn sein Vorgänger Hainer immer vehement abgelehnt hat.

Taylor-Made

Kasper Rorsted muss eine Lösung für die in Kalifornien angesiedelte, angeschlagene Golfmarke Taylor-Made finden. Einen Verkauf hat bereits Hainer ins Gespräch gebracht, unter Rorsted könnte er umgesetzt werden.

Die Fifa

Seit mehr als vier Jahrzehnten ist Adidas ein enger Partner des skandalgeschüttelten Weltfußballverbands. Rorsted muss entscheiden, ob ihm die Reformbemühungen der Fifa ausreichen, oder ob er den bis 2030 laufenden Vertrag angesichts der vielen Affären vorzeitig beendet.

Rückstand auf Nike

Adidas wird Nike wohl niemals einholen, zumindest nicht aus eigener Kraft. Nike-Chef Mark Parker will den Umsatz bis 2020 um fast zwei Drittel auf 50 Milliarden Dollar (umgerechnet 46 Milliarden Euro) in die Höhe zu schrauben. Zum Vergleich: Adidas hat sich vergangenes Jahr zum Ziel gesetzt, im selben Zeitraum auf 22 Milliarden Euro zu kommen. Um sein Versprechen zu erfüllen, muss Parker jedes Jahr ein Umsatzplus von gut zehn Prozent einfahren. Das ist realistisch: In den vergangenen beiden Jahren hat Nike dies jedenfalls geschafft.

Wie nicht anders zu erwarten stellte sich Hainer selbst für die vergangenen 15 Jahre ein Top-Zeugnis aus: Den Umsatz habe er verdreifacht, den Gewinn verfünffacht, den Börsenwert verachtfacht. „Sie sehen heute bei dieser Hauptversammlung einen rundum zufriedenen und glücklichen Vorstandsvorsitzenden vor sich.“

Viele Aktionäre beurteilen seine Leistung genauso positiv. „Der Geschäftsbericht strotzt vor guten Zahlen“, lobte Elke Schubert von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitzt. Und legte nach: „Herr Hainer, sie haben viel Licht in dieses Unternehmen gebracht.“

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2015 hat Adidas den Umsatz auf 16,9 Milliarden Euro und den Gewinn auf rund 634 Millionen Euro gesteigert. Für die Aktionäre zahlt sich die positive Entwicklung in der Dividende aus: Fürs vergangene Jahr werden 1,60 Euro je Aktie an die Anteilseigner fließen, zehn Cent mehr als im Vorjahr.

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