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20.01.2005

22:09 Uhr

Ältere Mitarbeiter bringen Entscheidungssicherheit mit

Kaum noch Chancen für über 45-Jährige

Obwohl Personalchefs die Qualifikationen älterer Bewerber durchaus schätzen, stellen sie kaum Mitarbeiter über 45 Jahren ein. Dies ergibt eine vom Handelsblatt (Freitagausgabe) initiierte Umfrage der Unternehmens- und Vergütungsberatung Towers Perrin und dem Fachblatt „Personal“ unter 629 Personalchefs in Deutschland.

HB DÜSSELDORF. In den vergangenen zwei Jahren besetzten die Unternehmen höchstens 15 Prozent der Stellen mit Leuten ab 55 Jahren. Den Kandidaten ab 45 Jahren erging es nicht viel besser: 67 Prozent der Unternehmen gaben ihnen nur eine geringe Chance. Fast 50 Prozent der Befragten wollen auch künftig bei Neueinstellungen Bewerber unter 35 Jahren favorisieren.

Weniger als die Hälfte der Unternehmen hierzulande beschäftigen überhaupt noch Mitarbeiter über 50 Jahre, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Bestes Beispiel sind das Telekommunikationsunternehmen Vodafone D2 mit dem Durchschnittsalter von 34 Jahren und der Sportartikler Adidas-Salomon mit 33 Jahren.

Bei den Gründen für diese Altersdiskriminierung tun sich eklatante Widersprüche auf: 54 Prozent der Befragten sind Ältere zu teuer, obwohl bei Neueinstellungen das Gehalt nur noch für rund zehn Prozent der Personaler eine sehr bedeutende Rolle spielt. Ähnlich ist es bei der besonders Jüngeren zugeschriebenen Mobilität: bei der Einstellung finden nur noch 20 Prozent der Befragten diesen Punkt für wichtig.

Jörg-Peter Domschke, Partner bei Towers Perrin, findet das Handeln der Personalchefs „irrational“. Headhunter Ulrich Schumann, Partner bei Boyden International in Düsseldorf, wird deutlicher: „Gegenüber den Älteren ist das eine Unverschämtheit. Zu Unrecht werden sie in eine Schublade gesteckt, und ihnen wird nachgesagt, dass ihnen Begeisterung oder Motivation fehlen.“

Dabei attestieren die Personalmanager den Älteren zahlreiche gute Eigenschaften. Matthias Malessa von Adidas Salomon etwa schätzt an ihnen, „dass die eigene Karriere nicht mehr im Vordergrund steht, dass sie Stabilität und Rückgrat haben und den Blick von außen“ mitbringen. Erich Unkrig von RWE-Solutions bescheinigt ihnen „Knowhow und Erfahrung, Abgeklärtheit und Entscheidungssicherheit“. Claus-Dieter Knöchel vom Pharmahersteller Merck lobt zudem „Nervenstärke, Routine und Überblick“. Gerade Banken betonen soziale Vorteile der Älteren: Dass sie mehr Sozialkompetenz haben, loyaler zur Firma stehen und dauerhaft mit ihrem Job zufrieden sind.

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