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13.02.2017

15:57 Uhr

AfD-Politiker

Maritim-Hotels erteilen Höcke Hausverbot

Björn Höcke droht nach einer umstrittenen Rede der Ausschluss aus der AfD. Auch die Hotelkette Maritim verhängt nun ein Hausverbot gegen den Politiker – will aber weiter AfD-Veranstaltungen ausrichten.

Hier soll im April der Bundesparteitag der AfD stattfinden. dpa

Maritim-Hotel in Köln

Hier soll im April der Bundesparteitag der AfD stattfinden.

Bad SalzuflenDie Maritim Hotelkette hat dem Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke ein Hausverbot für alle ihre Hotels erteilt. „Dies gilt auch für den Bundesparteitag im April im Maritim Hotel Köln“, teilte Geschäftsführer Gerd Prochaska in einer Stellungnahme am Montag mit. Mehrere Medien hatten zuvor darüber berichtet.

Prochaska begründete die Entscheidung mit der Rede Höckes am 17. Januar in Dresden. Dessen Äußerungen seien „absolut nicht vereinbar mit der deutschen Geschichte und unserer Auffassung eines internationalen und offenen Miteinanders“, erklärte der Manager.

Björn Höcke im Kurzporträt

Enfant Terrible der AfD

Björn Höcke gilt als Enfant terrible der AfD. Mit markigen Sprüchen und historischen Anspielungen versucht der 44-Jährige, die Partei immer weiter nach rechts zu schieben. Immer wieder sorgt er dabei für breite Empörung und erntet selbst in Teilen der eigenen Partei Kritik – etwa mit Kommentaren über den „lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyp“ Ende 2015 und über das Holocaust-Mahnmal in Berlin im Januar. Auch wenn er sich bei öffentlichen Auftritten gerne emotional zeigt - diejenigen, die ihn besser kennen, sagen, Höcke wisse stets genau, was er tue. Er sei sehr kontrolliert und überlasse nichts dem Zufall.

Prägende Kindheit

Fragt man Höcke, was ihn geprägt habe, spricht er von seiner Kindheit in einem Dorf im Westerwald und davon, dass seine Großeltern Vertriebene waren aus Ostpreußen. Höcke studierte nach seinem Wehrdienst erst Jura, dann Sport und Geschichte. Er will, dass die Deutschen mehr Nationalstolz zeigen.

Beurlaubter Beamter

Als sich Höcke 2013 der neu gegründeten AfD anschloss, war er noch Gymnasiallehrer – 2014 ließ sich der Beamte beurlauben. Bei der Thüringer Landtagswahl im September des Jahres holte die AfD unter ihm 10,6 Prozent. Höcke wurde Fraktionsvorsitzender.

Kritik aus der AfD

Trotzdem organisierte er weiter Demonstrationen und beharrte darauf, die AfD müsse eine „Bewegungspartei“ bleiben. Seine umstrittensten Äußerungen sorgten auch in der AfD für Kritik, wiederholt wurden Ordnungsmaßnahmen gegen ihn beschlossen – doch vor einem Parteiausschluss machte der AfD-Vorstand stets halt. Zu seinen schärfsten Kritikern im Parteivorstand zählen Parteichefin Frauke Petry, Alice Weidel und Dirk Driesang.

Traditionelles Familienbild

Höcke befürwortet ein traditionelles Familienbild. Er lebt mit Frau und vier Kindern im Thüringer Eichsfeld.

In der Rede hatte Höcke eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert und beklagt, die positiven Elemente der deutschen Historie würden im Vergleich zu den Gräueltaten der Nazi-Zeit nicht genügend beachtet. Die Rede in Dresden löste bundesweit Empörung aus und führte am Montag zum mehrheitlichen Beschluss der Parteispitze, ein Ausschlussverfahren gegen Höcke einzuleiten.

Von der bisherigen Haltung, Tagungsräume auch für Veranstaltungen der AfD zur Verfügung zu stellen, rückt die Maritim-Kette aber nicht ab.

Von

dpa

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