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02.07.2014

06:58 Uhr

Affäre um Kunstberater

Boehringer offenbar zweites Achenbach-Opfer

ExklusivDie Betrugsvorwürfe gegen den Kunsthändler Helge Achenbach weiten sich aus. Nicht nur der verstorbene Aldi-Erbe Berthold Albrecht, auch Christian Boehringer soll zu den Opfern zählen. Es soll um Millionen gehen.

Kunstberater Helge Achenbach: Er soll beim Kauf von Kunstobjekten andere betrogen haben. dpa

Kunstberater Helge Achenbach: Er soll beim Kauf von Kunstobjekten andere betrogen haben.

Christian Boehringer ist nach der Aldi-Erbenfamilie Albrecht offenbar das zweite mögliche Opfer des Düsseldorfer Kunsthändlers Helge Achenbach. Das berichtet das Handelsblatt (Mittwochsausgabe). Der 49-jährige Spross der Boehringer-Dynastie und Vorsitzende des Gesellschafterausschusses des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim soll ebenso wie der verstorbene Berthold Albrecht von Achenbach beim Kauf von Kunstobjekten betrogen worden sein.

Während die Albrechts einen Schaden von mindestens 18 Millionen Euro behaupten, soll es bei Boehringer um 1,2 Millionen Euro gehen. Boehringer bestätigte nach Angaben des Blattes indirekt den Bericht. Auf Anfrage ließ er mitteilen, dass er Kunde von Achenbach war und jetzt „nicht mehr“ geschädigt sei. Sein Schaden sei ihm mittlerweile erstattet worden. Er rede nun als Zeuge mit der Staatsanwaltschaft.

Kunstberater Achenbach: Millionengeschäfte mit dem Aldi-Erben

Helge Achenbach

Der Düsseldorfer Kunsthändler ist seit Jahrzehnten in der Kunstszene tätig. Er gilt als Erfinder der Kunstberatung.

Geburtsdatum

17. April 1952

Achenbach Art Consulting

Achenbach besitzt seine eigene Kunstberatung. Die Achenbach Art Consulting existiert seit knapp 40 Jahren und arbeitete bereits mit renommierten Künstlern wie Gerhard Richter, Jörg Immendorff oder Andreas Gursky zusammen.

Betrugsvorwürfe

Im Juni 2014 wurden Betrugsvorwürfe gegen den Kunstberater bekannt. Babette Albrecht, Witwe des verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht, soll Anzeige gegen Achenbach erstattet haben. Der Grund: „verdeckte Preisaufschläge“. Auch Christian Boehringer von dem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim soll zu den Opfern Achenbachs zählen.

Sündenfall (1)

Achenbach verkaufte Bilder von Oskar Kokoschka. Dieser war ein österreichischer Maler, Grafiker und Schriftsteller des Expressionismus und der Wiener Moderne. Er wurde 1886 geboren und starb 1980.

Sündenfall (2)

Achenbach verkaufte Bilder von Ernst Ludwig Kirchner. Dieser war ein deutscher Maler und Grafiker und wird zu den wichtigsten Vertretern des Expressionismus gezählt. Er lebte von 1880 bis 1938.

Geschäftspartner

Achenbach machte Geschäfte mit Berthold Albrecht. Der Manager war einer von zwei Söhnen des Aldi-Nord Gründers Theo Albrecht. Berthold Albrecht lebte von 1954 bis 2012.

Geschäftsvolumen

Berthold Albrecht hat in nur drei Jahren mithilfe von Achenbach Kunstwerke und Oldtimer im Wert von rund 120 Millionen Euro erstanden.

Schaden

Die Staatsanwaltschaft geht im Zusammenhang mit den Albrecht-Geschäft Achenbachs von Betrug aus und hat einen Schaden von rund 23 Millionen Euro errechnet.

Die Staatsanwaltschaft Essen hatte bereits bestätigt, dass auch wegen eines zweiten Geschädigten ermittelt wird.

Achenbach sitzt wegen einer Strafanzeige der Albrechts seit dem 10. Juni in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: Der 62-jährige habe für den Aldi-Nord-Erben Berthold Albrecht über mehrere Jahre Kunstobjekte und Oldtimer eingekauft, deren Einkaufspreise jedoch zu seinen Gunsten zu hoch angesetzt. Achenbach soll zudem bei Albrecht wie bei Boehringer Originalrechnungen der Verkäufer gefälscht haben. Achenbachs Frau und seine Anwälte hatten schon vor Tagen die Vorwürfe bestritten.

Von

ke

Kommentare (2)

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Sergio Puntila

02.07.2014, 07:35 Uhr

Es war eine Frage der Zeit bis der Art-Consultant auf die Nase fällt.
Die FAZ bezeichnet ihn nicht umsonst als "schillernd".

Als Kunstsammler sollte man sich schon die Mühe machen, sich in die Materie einzuarbeiten.
Wer das nicht zu leisten bereit wirkt, bleibt angewiesen auf einen Art-Consultant und seine Berechnungen.

Herr Norbert Bluecher

02.07.2014, 10:59 Uhr

Herr Achenbach hat Kunstwerke mit einem Preis X gekauft und mit einem Preis Y verkauft. Die Differenz ist sein Gewinn. Oder gibt es eine Vereinbarung, daß die Marge maximal N sein darf?
Herr Achenbach hat Geld verdient, genau wie die Familie Albrecht das mit Lebensmitteln tut und Herr Boeringer mit Pillen.

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