Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.02.2007

13:05 Uhr

Agrar

Nordzucker-Chef Nöhle zurückgetreten

Nach einem Streit über den künftigen Kurs ist der Chef des zweitgrößten deutschen Zuckerproduzenten Nordzucker, Ulrich Nöhle (53), zurückgetreten. Nöhle wollte Nordzucker zu einem weltweit tätigen Konzern umbauen.

dpa BRAUNSCHWEIG. Nach einem Streit über den künftigen Kurs ist der Chef des zweitgrößten deutschen Zuckerproduzenten Nordzucker, Ulrich Nöhle (53), zurückgetreten. Nöhle wollte Nordzucker zu einem weltweit tätigen Konzern umbauen.

Dafür habe er aber nun im Aufsichtsrat den Rückhalt verloren, hieß es in Unternehmenskreisen. Nachfolger von Nöhle wird der bisherige Finanzvorstand Hans-Gerd Birlenberg (52). Die Nordzucker AG in Braunschweig gab als Grund für den Rücktritt Nöhles „unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige strategische Ausrichtung des Unternehmens“ an. Der frühere Nestlé-Manager Nöhle war seit September 2003 Vorstandsvorsitzender von Nordzucker. Er erklärte am Donnerstag gegenüber dem Aufsichtsrat seinen Rücktritt. Eine Nordzucker-Sprecherin wollte nichts zu den Hintergründen sagen.

Nöhle wollte mit einer Umgestaltung von Nordzucker auf den Wettbewerb reagieren, der durch den Wegfall der bisherigen EU-Marktordnung entstanden war. Nöhle hatte dem Unternehmen zudem einen strikten Sparkurs verordnet. Zwei Zuckerfabriken wurden geschlossen. Durch die EU-Zuckermarktreform soll der Handel freier werden. Folge sind der Wegfall von Subventionen und Preissenkungen für heimische Zuckerproduzenten und Bauern.

In Unternehmenskreisen hieß es, Nöhle habe die „Vision“ gehabt, das Nordzucker-Geschäft auszubauen und aus dem Unternehmen einen international agierenden Konzern zu machen. Nöhle wollte zudem verstärkt auf Süßungsmittel setzen, etwa für Limonaden, hieß es - nach dem Motto „Alles Süße aus einer Hand“.

Mit seinem weltmarktorientierten Wachstumskurs aber scheiterte Nöhle nun an den Anteilseignern. Dies sind vor allem die drei Holdinggesellschaften Nordzucker Holding AG, Union Zucker Südhannover und Nordharzer Zucker AG. Dahinter stehen wiederum in erster Linie die Rübenbauer selbst. „Aber die sind bodenständig“, hieß es in Unternehmenskreisen.

Auf der Hauptversammlung im Juli 2006 hatte Nöhle für seinen Kurs noch Zustimmung erhalten. Doch hatten etliche Rübenanbauer bemängelt, beim angestrebten Wachstum sei das Risiko „viel zu hoch“. Es gehe schließlich „um Geld, das die Bauern dem Konzern zur Verfügung stellen“, hieß es. Im März 2006 hatte der Streit um die künftige Ausrichtung des Unternehmens dazu geführt, dass Finanzvorstand Jens Fokuhl sein Amt abgab. Fokuhl galt als Gegner von Nöhles Strategie.

Wie das Unternehmens mitteilte, konzentriert sich die Nordzucker AG nun „nach innen und außen“ auf seine Kernkompetenzen „Zucker aus der Rübe“ in Europa und dem benachbarten Ausland und auf „Nachwachsende Rohstoffe/Bioethanol“. Zudem soll die Unternehmenseffizienz gesteigert werden.

Nordzucker hat in Deutschland sechs rübenverarbeitende Werke in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Europaweit sind es 15 Werke. Der Konzern beschäftigt insgesamt 2 700 Menschen. Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2005/06 (1. Februar) bei rund 1,3 Mrd. Euro, der Jahresüberschuss bei 69 Mill. Euro. Nordzucker produzierte rund 1,8 Mill. Tonnen Zucker. Größter Zuckerproduzent Deutschlands ist Südzucker. Südzucker hatte im Herbst 2006 angekündigt, sich breiter aufstellen und unabhängiger vom EU-Zuckermarkt werden zu wollen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×