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17.03.2004

08:37 Uhr

Ahlers war Sport-Redakteur beim Handelsblatt

Immer geradeaus

Sportjournalist Erich Ahlers ist mit 36 Jahren gestorben. Ahlers war immer geradeaus. Hatte er sich erst einmal eine Meinung gebildet, dann hat er sie auch beharrlich vertreten – ohne Rücksicht auf Rang und Namen.

Erich Ahlers wurde nur 36 Jahre alt.

Erich Ahlers wurde nur 36 Jahre alt.

wd/tag DSSELDORF. Es ist im Mai 2000, der Neue Markt steht noch immer hoch im Kurs, da interviewt Erich Ahlers in München Thomas Haffa. Der Chef der EM.TV & Merchandising AG hat gerade für 3,6 Milliarden Mark die Formel 1 gekauft, jetzt will er dem Sportspezialisten des „Handelsblatts“ sein tolles Geschäft präsentieren. Haffa hat viele Anhänger, auch die meisten Journalisten bejubeln seinen neuesten Coup. Nicht so Erich Ahlers.

Der macht sich in seinem Artikel lustig über den Börsenstar Haffa, veralbert dessen „kostenlose Aufklärungsstunde über die unbegrenzten Möglichkeiten des - wow! - ,hottest event on earth’“ und tut das erwartete Millionengeschäft als „Märchendising“ ab.

Die Geschichte hat ihm Recht gegeben. Wie so oft. Er hatte ein Gespür dafür, wem er vertrauen konnte und wem nicht. Wer ihn nicht überzeugen konnte, der musste schon mal leiden. Den traf er, mal mit feiner Ironie, mal mit ätzendem Spott.

Mehr als sechs Jahre lang hat Erich Ahlers für das Handelsblatt über Sport geschrieben. Er hat die wirtschaftliche und politische Dimension des Themas herausgearbeitet. Er hat Geschichten erzählt von Siegern und Verlierern, von dubiosen Spielerberatern, erfolgreichen Managern und enttäuschten Sponsoren. Den eigentlichen Kern hat er dabei nie aus den Augen verloren: den Sportler.

Mehr als sechs Jahre lang brachte er seine Artikel meist schon halb fertig mit. Jeden Morgen stieg er in den Zug von Münster nach Düsseldorf, der für ihn nur „Mehdorns Saunaexpress“ war, und während dieser Fahrten entstanden viele seiner Porträts, Kommentare und Spielberichte.

Beruflich wie privat bereiste er die halbe Welt. Er machte Urlaub in Australien, auf Hawaii, in den USA und immer wieder in seinem geliebten Südafrika. Dort besorgte er sich auch den Rotwein, von dem ihn jetzt zwei Flaschen begleiten. Zu Hause aber war er mit seiner Frau in Amelsbüren bei Münster, in jener Region, die er als „Möchtegern-Toskana“ belächelte und von der er doch nicht loskam.

Daran änderte auch die Hotelangestellte in Korea nichts, die ihn während der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 für Brad Pitt hielt – eine Geschichte, die Erich besonders gerne erzählte. Er klärte die Frau über den Irrtum auf.

Erich Ahlers war immer geradeaus. Hatte er sich erst einmal eine Meinung gebildet, dann hat er sie auch beharrlich vertreten – ohne Rücksicht auf Rang und Namen. Und er hat seine Arbeit so geliebt wie nur wenige andere. Erich Ahlers starb am 9. März im Alter von 36 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in Münster.

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