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30.04.2015

09:13 Uhr

Air Berlin macht Rekordverlust

Sanierungsprogramm verursacht Millionenkosten

Air Berlin schreibt weiter rote Zahlen – schlimmer noch: Das Sanierungsprogramm trägt einen großen Anteil am größten Verlust der Firmengeschichte. Dennoch hofft der neue Chef auf schwarze Zahlen 2016.

Es verdunkelt sich um die Airline: Das Sanierungsprogramm kostet viel Geld und kann bisher keine Gewinne generieren. dpa

Air Berlin

Es verdunkelt sich um die Airline: Das Sanierungsprogramm kostet viel Geld und kann bisher keine Gewinne generieren.

BerlinDie Fluggesellschaft Air Berlin hat 2014 wie erwartet den höchsten Verlust ihrer Geschichte eingeflogen. Unter dem Strich stand auch wegen der Kosten für das jüngste Sanierungsprogramm ein Verlust von 377 Millionen Euro, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Geschäftsbericht der angeschlagenen Lufthansa-Rivalin hervorgeht.

Stefan Pichler: Neue Führungscrew für Air Berlin

Stefan Pichler

Premium Neue Führungscrew für Air Berlin

Stefan Pichler ist unter Zeitdruck, denn die Lage bei Air Berlin ist prekär. Der neue Vorstandschef greift daher bei der angeschlagenen Fluggesellschaft durch – und verpflichtet Manager von Konkurrenten.

Damit fiel das Minus rund 19 Prozent höher aus als 2013 und lag in der Mitte der Ende März genannten Spanne. Nach dem Antritt des neuen Vorstandschefs Stefan Pichler hatte das Unternehmen die Vorlage der endgültigen Jahreszahlen um einen Monat nach hinten verschoben.

Mit dem neuen Sanierungsprogramm will Air Berlin nach jahrelangen Verlusten endlich „nachhaltig die Gewinnzone“ erreichen. Schwarze Zahlen hatte Pichler allerdings erst für 2016 in Aussicht gestellt. Dabei soll unter anderem ein neues System zur Kalkulation der Ticketpreise zu höheren Einnahmen führen.

Im abgelaufenen Jahr steigerte Air Berlin den Umsatz lediglich um 0,3 Prozent auf 4,16 Milliarden Euro. Der Verlust vor Zinsen und Steuern vergrößerte sich dabei um 27 Prozent auf 294 Millionen Euro.

Air Berlin – schneller Aufstieg, jahrelange Turbulenzen

Die Anfänge

Vor 37 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Gegründet wurde Air Berlin als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Der Erstflug ging am 28. April 1979 von Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasste zunächst zwei Maschinen. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch inzwischen steckt die Fluglinie seit Jahren in der Krise.

1990er-Jahre

1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.

1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

2004-2007

2004: Einstieg bei der Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda

2006: Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba

2007: Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge

2008

2008: Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

2010

Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.

2011

Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

2012

Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.

2013

Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen. 400 Millionen Euro sollen bis Ende 2014 eingespart werden.

2015

Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

2016

Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.

2017

Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

15. August 2017

Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

Von

dpa

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