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09.01.2007

07:08 Uhr

Alan Mulally

Fords neuer Motor

VonMatthias Eberle

Alan Mulally soll den angeschlagenen US-Autobauer Ford wieder auf den rechten Weg bringen. Er, der erst seit kurzer Zeit auf dem Chefsessel sitzt, hat mit dem legendären Unternehmen noch Großes vor. Doch der Empfang auf seiner ersten Detroit Motor Show ist kühl. Dabei steht viel auf dem Spiel.

Alan Mulally ist neuer Ford-Chef. Foto: ap ap

Alan Mulally ist neuer Ford-Chef. Foto: ap

DETROIT. Eine riesige Leinwand lässt die Skyline New Yorks bei Nacht glitzern. E-Gitarren röhren so laut, dass der Boden der Messehalle vibriert. Ein schwarzer Ford Five Hundred kommt auf das Podium gefahren: mit 260 PS, drei wuchtigen Silberbalken am Kühlergrill – und einem selbstbewussten Beifahrer.

Alan Mulally steigt aus, winkt in die Menge, klatscht kurz in die Hände, doch der Widerhall aus dem Publikum fällt verhalten aus. Die wenigsten Hände rühren sich: „Eine schlechte Show, zu viel Schminke“, winkt ein Messebesucher aus Japan ab.

Kein leichter Tag für den Chef von Ford. Es ist seine erste Autoshow – mit 61 Jahren. Und dann gleich die Hauptrolle für ihn, der einen maroden Autokonzern in ein „globales Kraftwerk“ verwandeln will.

Freundliche Begrüßungen sehen anders aus, das spürt Mulally nicht zum ersten Mal: Das US-Magazin „Fortune“ bezeichnete den Flugzeugingenieur mit Pilotenschein, der 37 Jahre beim US-Luftfahrtkonzern Boeing verbrachte, direkt nach seinem Amtsantritt als „Fahrschüler“. Andere Medien listen penibel auf, dass der blonde Manager im Morgengrauen schon mal die Garagenbeleuchtung anmachen muss, um den Lichtschalter im Mercury Milan ausfindig zu machen.

Positiv ausgedrückt, ist der neue Feuerwehrmann bei Ford ein Überraschungskandidat: ein sportlicher, noch immer jugendlich wirkender Mann ohne Branchenerfahrung, dafür mit frischem Wind und neuen Ideen.

Doch die Vorbehalte sind groß, auch weil die Probleme bei Ford so groß sind: Kaum im Amt, schickte der Neue 38 000 Mitarbeiter gegen Abfindungen aus der Firma. Er hat Fabriken beleihen lassen, Büroimmobilien, Patente, selbst das ovale blaue Firmenlogo, um sich Geld für die anstehende Kernsanierung zu besorgen. 2006 hat der Konzern wohl knapp zehn Milliarden Dollar Verlust eingefahren, ein Ende der Minus-Serie wird nicht vor 2009 erwartet.

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