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23.01.2015

17:30 Uhr

Alibaba-Gründer Jack Ma

„Die ersten fünf Jahre wollte ich nur überleben“

VonKirsten Ludowig

Jack Ma, der Gründer des chinesischen Onlinekonzerns Alibaba, will zwei Milliarden Kunden bedienen – und hat es auf Wal-Mart abgesehen. In Davos sprach er über den Weg zum Rekordbörsengang im vergangenen Jahr.

Alibaba-Gründer Jack Ma: „Meine Vision ist es, eine e-WTO aufzubauen.“ AFP

Alibaba-Gründer Jack Ma: „Meine Vision ist es, eine e-WTO aufzubauen.“

DavosJack Ma lacht. Er lacht viel in seinem Gespräch mit Charlie Rose vom US-Sender CBS. Dabei ist der 50-Jährige in seinem Leben oft gescheitert. Das aber hat ihn nicht davon abgehalten, der reichste Mann Chinas zu werden. Der Onlinekonzern Alibaba, den er 1999 gründete, zählt mittlerweile mehr als 100 Millionen Besucher in seinem Shop – und das jeden Tag. Im vergangenen September hat Ma mit Alibaba die Rekordsumme von 25 Milliarden Dollar an der New Yorker Börse eingesammelt.

Über den Weg dorthin sprach er am Freitag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Und er gab schon am Anfang eine klare Richtung vor. „Im Vergleich zu vor 15 Jahren sind wir groß, im Vergleich zu in 15 Jahren sind wir immer noch ein Baby.“

Vor fünf Jahren sei ein Manager von Wal-Mart zu ihm nach Hangzhou gekommen. „Ich sagte zu ihm: In zehn Jahren sind wir vielleicht größer als Wal-Mart.“ In Sachen Marktkapitalisierung ist Alibaba mit 229 Milliarden Euro nicht mehr all zu weit von der des weltweit größten Einzelhandelskonzerns aus den USA entfernt.

„Ich denke darüber nach, wie wir Alibaba zu einer weltweiten Plattform für kleine Betriebe machen können“, sagte er. „Meine Vision ist es, eine e-WTO aufzubauen. Die WTO war großartig, im vergangenen Jahrhundert.“ Kleinstunternehmen in Norwegen könnten online an solche in Argentinien verkaufen und argentinische Konsumenten könnten in der Schweiz kaufen. „Ich hoffe, wir können zwei Milliarden Kunden bedienen und zehn Millionen Kleinbetriebe außerhalb Chinas unterstützen.“

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Geboren 1964 in der ostchinesischen Stadt Hangzhou wuchs Ma während der Kulturrevolution auf. Er scheiterte beim Aufnahmetest für die Grundschule, die weiterführende Schule, die Universität. Zehn Mal bewarb er sich an der US-Elite-Universität Harvard – vergebens.

Bei Jobs war es ähnlich. „Als KFC nach China kam, ging ich dorthin: 24 Leute hatten ein Vorstellungsgespräch, 23 bekamen eine Zusage. Ich war der einzige, der abgelehnt wurde.“ Um Englisch zu lernen, gab er im Shangri-La Hotel in Hangzhou ausländischen Besucher Führungen. Von einer Touristin bekam er auch den Namen Jack, denn MaYun – sein eigentlicher Name – sei zu schwer auszusprechen, befand sie.

1995 besuchte Ma zum ersten Mal die USA und kam mit dem Internet in Berührung. Ein paar Jahre später beschwor er im Wohnzimmer seines Appartements vor 17 Angestellten die Zukunft Alibabas. Beim Aufbau des Unternehmens sei es vor allem darum gegangen, Vertrauen zu schaffen, erinnert sich Ma.

Denn die Chinesen waren es gewohnt, Geschäfte von Angesicht zu Angesicht abzuwickeln. „Die ersten fünf Jahre wollte ich nur überleben“, so Ma. Heute führt Alibaba 16 Millionen Transaktionen pro Tag durch. Das seien 16 Millionen Beweise von Vertrauen.

Vor kurzem wurde Ma in Hollywood gesichtet. Filme, erzählt er, seien eine der größten Inspirationen in seinem Leben. Er liebe den Film Forrest Gump mit Tom Hanks. „Die Leute denken, er ist dumm. Aber er weiß, was er tut.“

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