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22.01.2009

19:22 Uhr

BRÜSSEL. Bescheiden und zurückhaltend ist er, der Chef der belgischen KBC-Gruppe André Bergen. Seine Karriere verlief wie im Bilderbuch und doch behauptet der mittlerweile 58-jährige Flame immer wieder, die Karriere sei ihm nie wichtig gewesen: „Zwei Telefonanrufe waren entscheidend in meinem beruflichen Leben: 1999 hat man mich als Finanzchef beim Fotokonzern Agfa-Gevaert berufen, 2003 dann als Chef des Bankengeschäfts von KBC. Ich habe nichts Besonderes dafür getan, mich nie um diese Posten gerissen“, sagt der hochgewachsene, schlanke Manager, der seit 2006 auch die Gesamtführung der KBC-Gruppe inne hat. Seitdem ist er nicht nur fürs Banken-, sondern auch fürs Versicherungsgeschäft verantwortlich.

Vor einem Jahr noch konnte er sogar über die Laufzeit seines Vertrags scherzen. Er könne sich nicht erinnern, bis wann sein Vertrag eigentlich laufe. Er glaube, bis 2011, müsse aber noch mal nachsehen, sagte er damals selbstsicher und lächelnd einer flämischen Zeitung. Aber mittlerweile sitzt er nicht mehr ganz so sicher auf seinem Posten. Die Kreditkrise hat auch seine Bankengruppe angefressen.

Wie zuvor schon die anderen belgischen Banken Fortis und Dexia musste auch Bergen die Regierung um Hilfe bitten, um die Liquidität seines Allfinanzkonzerns zu garantieren. Er bekam 3,5 Milliarden Euro aus dem belgischen Staatshaushalt. Gestern musste Bergen um eine zweite Kapitalspritze bitten. Die zwei Milliarden Euro kommen von der flämischen Regionalregierung, die im Gegenzug eine Beteiligung ohne Stimmrechte erhält. Darüber hinaus seien 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt worden, die KBC „bei Bedarf“ abrufen könne. Der gebeutelte Aktienkurs erholte sich daraufhin.Allerdings wird der Staat künftig mit zwei Vertretern im Verwaltungsrat sitzen.

Lange Zeit galt Bergen als der weitsichtigste und erfolgreichste Bankenchef des kleinen Beneluxlandes. Jahrelang profitierte das Institut vom Wachstum des Bankenmarktes in Mittel- und Osteuropa, wo sie viel stärker und viel früher als ihre Konkurrenten wie etwa Fortis und ING investiert hatte. Insgesamt flossen über sechs Milliarden Euro in die Region, zuletzt 761 Millionen in den Kauf der russischen Absolut Bank.

Vor allem die Öffentlichkeit hegt nach wie vor Sympathien für den in vieler Augen soliden und integren Manager. Die Leser des belgischen Wirtschaftsmagazins „Trends“ und die Zuschauer Fernsehprogramms „Kanal Z“ kürten ihn noch 2007 zum Manager des Jahres.

Aber Ende vergangenen Jahres musste auch Bergen einräumen, dass seiner Bank langsam das Geld ausgeht. Er ließ bekanntgeben, dass KBC im Schlussquartal des vergangenen Jahres insgesamt Wertberichtigungen auf sogenannte Collateralized Debt Obligations (CDOs) in Höhe von 900 Mio. Euro vor Steuern erwartet.

Allerdings blieben dem Flamen, der Wirtschaftswissenschaften an der katholischen Universität Leuven studiert hat und seit über 30 Jahren im Bankengeschäft arbeitet, bislang weitere Turbulenzen erspart. Das liegt wohl vor allem daran, dass er Wert auf Transparenz und Offenheit in der Kommunikation mit den Aktionären und Kunden legt. „Anders als bei Fortis oder Dexia wussten die Betroffenen immer, woran sie sind. Sie hatten nicht das Gefühl, dass über ihr Geld hinter verschlossenen Türen gefeilscht wird“, sagt ein Marktbeobachter in Brüssel.

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